Bürgermeister Klitschko rät Bürgern zum Verlassen von Kyjiw

Datum09.01.2026 18:06

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Bürgermeister von Kyjiw, Vitali Klitschko, rät den Bürgern wegen eines folgenschweren russischen Angriffs, die Stadt vorübergehend zu verlassen. Tausende Haushalte sind ohne Strom und Wärme, und die Infrastruktur ist stark beschädigt. Der Angriff, bei dem mindestens vier Menschen starben und zahlreiche Wohnblocks betroffen sind, wird als der schwerste seit Kriegsbeginn angesehen. Präsident Selenskyj fordert eine klare internationale Reaktion, insbesondere von den USA. Der Winter verschärft die Notlage in der Stadt.

InhaltDer jüngste russische Angriff auf Kyjiw ist laut Bürgermeister Klitschko der bisher folgenschwerste für die Infrastruktur der Stadt gewesen. Tausenden Haushalten fehlt Strom und Wärme. Kyjiw Bürgermeister Vitali Klitschko hat den Einwohnerinnen und Einwohnern zum zeitweiligen Verlassen der Dreimillionenstadt geraten. Grund sind die Folgen eines schweren russischen Luftangriffs aus der Nacht. 6000 Wohnblocks, die Hälfte der Mehrfamilienhäuser der ukrainischen Hauptstadt, könnten derzeit nicht geheizt werden, schrieb Klitschko auf Telegram: "Die städtischen Dienste arbeiten im Notfallmodus." Der Angriff der vergangenen Nacht sei für die Infrastruktur von Kyjiw der bislang folgenschwerste des Krieges gewesen. Die Lage werde durch den strengen Winter verschärft. Wer anderswo Energie und Wärme finden könne, sollte die Hauptstadt vorübergehend verlassen, schrieb Klitschko. Dabei soll es sich nicht um einen offiziellen Aufruf zur Evakuierung handeln, sondern als Ratschlag an die Kyjiwer gemeint sein, auf ihre ofengeheizten Datschen zu fahren oder sich bei Verwandten und Freunden in weniger betroffenen Orten einzuquartieren. In der Hauptstadt und im Umland waren nach Angaben des Energieministeriums am Freitagmorgen etwa 500.000 Verbrauchsstellen ohne Strom. Nach Zählung der ukrainischen Luftwaffen hatte die russische Armee Kyjiw in der Nacht mit mehr als 200 Drohnen sowie Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern attackiert. Dabei wurden mindestens vier Menschen getötet. Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, 20 Wohnblocks seien beschädigt worden, darunter auch ein Gebäude der katarischen Botschaft. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Der ukrainische Präsident verlangte nach den neuen massiven russischen Angriffen auf sein Land eine "klare" internationale Reaktion. "Es bedarf einer klaren Reaktion der Weltgemeinschaft", erklärte er am Freitag bei X. Dies gelte hauptsächlich für eine Reaktion seitens der USA, "deren Signalen Russland wirklich Beachtung schenkt", fügte er hinzu. Kanzler Merz hat beim Ukrainetreffen in Paris den Einsatz der Bundeswehr zur Absicherung eines Waffenstillstands in Aussicht gestellt. Wie realistisch ist ein Bundeswehreinsatz in der Ukraine? Antworten auf die wichtigsten Fragen lesen Sie hier  .