Datum09.01.2026 17:43
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Jahr 2025 haben die Ozeane eine Rekordmenge an Wärme gespeichert, was bedeutende Auswirkungen auf den Meeresspiegel, das Wetter und die Korallen hat. Dies ist das neunte Jahr in Folge mit einem Höchststand. Die Studie zeigt, dass die Wärmezunahme in den letzten 20 Jahren zugenommen hat, mit einer Erhöhung von etwa 23 Zettajoule. Extreme Wetterereignisse, wie Sturzfluten und Hitzewellen, werden mit der Erwärmung in Verbindung gebracht. Die Studie warnt, dass der Klimawandel dringend verringert werden muss, um künftige Auswirkungen zu begrenzen.
InhaltSo viel Hitze wie im vergangenen Jahr war in den Weltmeeren seit Messbeginn noch nicht gespeichert. Einer neuen Studie zufolge hat sich die Wärmezunahme in den vergangenen 20 Jahren sogar noch verstärkt. Die Ozeane haben 2025 einer Studie zufolge eine Rekordmenge an Wärme aufgenommen – ein Phänomen, das den Anstieg des Meeresspiegels, heftige Stürme und das Absterben von Korallen befördert. Es sei das neunte Jahr in Folge, in dem die in den Ozeanen gespeicherte Wärme einen Höchststand erreiche, sagte Lijing Cheng von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) und Hauptautor der Studie , die in der Fachzeitschrift "Advances in Atmospheric Sciences" von mehr als 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit veröffentlicht wurde. Die Gesamtmenge der in den oberen 2000 Metern der Ozeane gespeicherten Energie in Form von Wärme stieg der Studie zufolge um etwa 23 Zettajoule. Diese Energiemenge sei vergleichbar mit der von zwölf Hiroshima-Atombomben, die pro Sekunde an jedem Tag des Jahres explodieren, sagte Cheng. "Die größte Variable im Klimasystem ist nicht mehr die Physik, sondern liegt in den Entscheidungen, die die Menschheit trifft", erklärte Karina von Schuckmann, Ozeanografin bei Mercator Ocean International und Mitautorin der Studie. Eine schnelle Verringerung der Emissionen könne die künftigen Auswirkungen des Klimawandels begrenzen, betonte sie. Bei den durchschnittlichen weltweiten Oberflächentemperaturen der Meere war 2025 das drittwärmste Jahr nach 2024 und 2023. Den Unterschied zum höchsten Wärmeinhalt der Ozeane erklären die Forscher damit, dass sich das Klimaphänomen El Niño im Pazifischen Ozean im Laufe des vergangenen Jahres stark abgeschwächt hat. Mit der El-Niño-Phase sind regelmäßig höhere globale Temperaturen an der Meeresoberfläche verbunden. Beim Wärmeinhalt werden auch die Temperaturen in tieferen Schichten der Ozeane einbezogen. Deshalb wird die Entwicklung des Wärmeinhalts vergleichsweise wenig von Klimaphänomenen an der Oberfläche beeinflusst, sondern gilt eher als wichtiger Indikator für die Erwärmung des Planeten. "Da die atmosphärischen Treibhausgase Rekordwerte erreicht haben und die Ozeane mehr als 90 Prozent der durch diese Gase gespeicherten überschüssigen Wärme absorbieren, spielt der thermische Zustand des Ozeans eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung globaler und regionaler Klimaauswirkungen", schreiben die Studienautoren. Sie nennen eine Sturzflut in Texas (USA), einen extremen Monsun mit zum Teil 800 Millimeter Regen pro Quadratmeter in fünf Tagen in Süd- und Südostasien und Sturzfluten in Westafrika als Beispiele für extreme Wetterereignisse im vergangenen Jahr. Zudem habe der Westen und Süden Europas unter einer Hitzeglocke mit Temperaturen bis zu 48 Grad Celsius und zahlreichen Flächenbränden zu leiden gehabt. Unter anderem auf Basis von drei Datenbanken mit Beobachtungsdaten fand das Team heraus, dass sich die Zunahme des Wärmeinhalts in den Ozeanen seit etwa 1990 verstärkt hat. Im Durchschnitt des Zeitraums 1960 bis 2025 ist der Wärmeinhalt in den oberen 2000 Metern der Weltmeere um 0,14 Watt pro Quadratmeter in zehn Jahren angestiegen. Im Zeitraum 2005 bis 2025 waren es 0,32 Watt pro Quadratmeter in zehn Jahren. 2025 lag die globale Meeresoberflächentemperatur 0,49 Grad über dem Durchschnitt des Zeitraums 1981 bis 2010. Wie beim Wärmeinhalt sind auch die Oberflächentemperaturen regional unterschiedlich verteilt. So überstiegen sie im Nordwest-Pazifik teilweise um mehr als drei Grad den langjährigen Mittelwert. Im Nord-Atlantik und im Mittelmeer waren es mit bis zu 1,5 Grad über dem Mittel ebenfalls mehr als im weltweiten Durchschnitt. Der Nordatlantik und das Mittelmeer sind laut Studie zudem mit dem Klimawandel zusammenhängende Hotspots der Versalzung, des Sauerstoffmangels und der Versauerung. Dies zeige einen tiefgreifenden, komplexen Zustandswandel im Nordatlantik und im Mittelmeer, der deren Ökosysteme und die darin lebenden Organismen fragiler mache, heißt es in der Studie.