Datum20.10.2025 10:39
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Thyssenkrupp-Tochter TKMS hat erfolgreich an der Börse debütiert, wobei die Aktien von 60 Euro auf über 89 Euro stiegen. TKMS wurde abgespalten, um unternehmerische Freiheit zu gewinnen, während Thyssenkrupp 51 Prozent der Anteile behält. Der Rüstungsboom und ein Auftragsbestand von 18,6 Milliarden Euro begünstigen das Unternehmen, das als Marktführer für nicht nuklear betriebene U-Boote gilt. Thyssenkrupp hingegen kämpft finanziell und verzeichnete einen Kursrückgang von 20 Prozent. Die IG Metall fordert staatliche Beteiligung für Wettbewerbsfähigkeit.
InhaltDer Rüstungsboom kommt der größten deutschen Marinewerft TKMS bei deren Börsengang zugute. Die Aktien kletterten zum Debüt auf einen Wert von über 89 Euro. Der Kurs des Mutterkonzerns Thyssenkrupp dagegen gab nach. Der U-Boot- und Fregatten-Hersteller TKMS ist erfolgreich an die Börse gegangen. Nach einem Start zu 60 Euro kletterten die Aktien deutlich auf 89 Euro und näherten sich anschließend 100 Euro. TKMS wurde als Marinetochter vom kriselnden Industriekonzern Thyssenkrupp abgespalten. Thyssenkrupp-Aktionäre hatten für jeweils 20 ihrer Aktien automatisch einen Anteilsschein an TKMS bekommen. Sie werden damit zu unmittelbaren Anteilseignern von TKMS. Der Mutterkonzern Thyssenkrupp behält 51 Prozent der Anteile. Thyssenkrupp-Aktien gaben am Montag um rund 20 Prozent auf 9,69 Euro nach. Das Unternehmen wird damit noch mit gut sechs Milliarden Euro bewertet. Europas größter Stahlkonzern kämpft seit Jahren gegen den Niedergang. Der Konzern tut sich schwer mit der Transformation hin zu einer CO₂-armen Stahlproduktion, zumal der finanzielle Spielraum eingeschränkt ist. Der Rüstungskonzern erlebt wegen der Weltlage einen Boom. Die Synergieeffekte von TKMS mit anderen Sparten von Thyssenkrupp sind allerdings gering. Mit der Abspaltung soll TKMS eine größere unternehmerische Freiheit bekommen, um besser wachsen zu können. TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard nannte den Schritt von Deutschlands größtem Marineschiffsbauer in die Eigenständigkeit ein starkes Signal für die maritime Sicherheit. Das Unternehmen habe rund 9000 Beschäftigte und einen Auftragsbestand von 18,6 Milliarden Euro. "Wir sind das maritime Powerhaus in Europa", sagte er. Der Börsengang ermögliche einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt. TKMS ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für nicht nuklear betriebene U-Boote, baut aber auch Fregatten und Korvetten. Ein weiterer Standort ist Wismar, wo TKMS wie in Kiel U-Boote bauen und künftig 1500 Arbeitsplätze haben will. Auch in Itajaí in Brasilien gibt es ein Werk. Daneben betreibt das Unternehmen Standorte in Hamburg, Bremen und Emden. Die IG Metall fordert einen Staatseinstieg bei TKMS, um mit europäischen Wettbewerbern mithalten zu können, bei denen auch der Staat beteiligt ist.