Autofahren im Winter • Z+ Empfehlung: So kommen Sie mit dem Auto sicher durch den Winter

Datum12.01.2024 09:33

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Artikel gibt wichtige Ratschläge für sicheres Autofahren im Winter, da Schnee und Glatteis in Deutschland die Straßen gefährlich machen. Er erklärt die situative Winterreifenpflicht, die Risiken von Sommer- und Ganzjahresreifen sowie die Nutzung von Schneeketten. Zudem werden Tipps zur Problembewältigung bei Eis und Schnee, wie die richtige Scheibenreinigung und das Verhindern von Beschlag, gegeben. Auch die Vorbereitung auf Winterbedingungen, wie das Mitführen von Schaufel und Streumaterial, wird behandelt.

InhaltSchnee und Glatteis sorgen in vielen Regionen Deutschlands für Gefahr auf den Straßen. Sie müssen trotzdem Auto fahren? Wir bereiten Sie auf brenzlige Situationen vor. Es ist kalt in Deutschland, vielerorts wird vor Glätte gewarnt. Dann werden die Straßen zu gefährlichen Eis- und Rutschbahnen, Autotüren können zufrieren. Als Fahrer oder Fahrerin sollten Sie auf solche Extremsituationen vorbereitet sein. Wir erklären Ihnen, was Sie beim Autofahren im Winter beachten müssen. Solange es nicht schneit oder glatt ist, können Sie Sommerreifen theoretisch das ganze Jahr über fahren. In Deutschland gibt es keine generelle Winterreifenpflicht, sondern eine situative: Die wintertauglichen Pneus werden in dem Moment verpflichtend, sobald auf den Straßen entsprechende Verhältnisse herrschen – etwa durch überfrierende Nässe. Erwischt Sie die Polizei mit Sommerreifen bei Schnee und Eis, fallen ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg an. Werden andere Verkehrsteilnehmer behindert oder kommt es zu einem Unfall, erhöht sich die Strafe auf bis zu 120 Euro. Zudem kann die Haftpflichtversicherung bei der Schadensabwicklung Ärger machen. Zunehmend greifen Deutsche nach den milden Wintern der letzten Jahre zu Ganzjahresreifen. Der Vorteil: Sie können sich den halbjährigen Reifenwechsel in der Werkstatt sparen. Gerade in flachen norddeutschen Regionen und Großstädten, wo es selten vereiste Straßen gibt, können Ganzjahresreifen sinnvoll sein. Allerdings sind Sie in ihren Eigenschaften immer nur ein Kompromiss. Beim Bremsweg auf Schnee bieten Winterreifen nach wie vor die beste Performance. Zudem nutzen sich Allwetterreifen wegen ihrer speziellen Gummimischung schneller ab. Wenn Sie in den Skiurlaub reisen oder gar in einer schneereichen Region wohnen, können unter Umständen Schneeketten erforderlich sein. Verpflichtend werden sie, wenn Sie auf ein blaues Schild stoßen, das Schneeketten zeigt. Das gilt übrigens auch für Fahrzeuge mit Allradantrieb. Montiert werden Schneeketten auf der Antriebsachse, also heute meist vorne. Bei Allradantrieben gelten die Hinweise in der Betriebsanleitung. Damit Sie im Schneetreiben und bei eisiger Kälte nichts falsch machen, sollten Sie die Montage von Schneeketten einmal in Ruhe ausprobiert haben. Hierfür werden online diverse Hausmittel empfohlen. Essig hilft jedoch nicht, wenn es sehr kalt ist, und er kann Gummidichtungen oder Lack angreifen. Spiritus hinterlässt Schlieren. Auf heißes Wasser sollten Sie in jedem Fall verzichten, durch den plötzlichen Temperaturschock kann die Scheibe springen. Und chemische Enteisungssprays können die Umwelt belasten. Es bleibt nur der ungeliebte Plastikkratzer. Dabei sollten Sie behutsam vorgehen: Schmutzpartikel können wie Schmirgelpapier wirken und Glasflächen oder den Lack beschädigen. Der ADAC empfiehlt daher, kurz vor dem Abstellen die Scheibenwaschfunktion zu nutzen. Beschleunigen können Sie das Auftauen geringfügig, wenn Sie eine halbe Stunde vor dem Kratzen ein oder zwei Wärmeflaschen auf das Armaturenbrett legen. Achtung: Ein kleines Guckloch freizumachen und loszufahren, reicht nicht aus. Sie müssen für eine gute Rundumsicht sorgen, andernfalls droht ein Bußgeld. Wer sich morgendliches Kratzen ersparen will, spannt von außen eine Frostschutzfolie auf die Scheibe. Niemand wünscht sich arktische Temperaturen im Cockpit, kuschelig warm fährt es sich am besten. Autos mit Standheizung sind hier besonders komfortabel: Diese wärmt nicht nur schonend den Motor auf, sondern auch den Innenraum vor Fahrtantritt. Der Motor muss dafür nicht gezündet werden. Nicht erlaubt ist, einen Benziner oder Diesel minutenlang warmlaufen zu lassen, um das Auftauen zu beschleunigen (Bußgeld 80 Euro). Die Abgase schaden der Umwelt und der Dauerbetrieb im Leerlauf zudem dem Motor. Mit eisfreien Scheiben sorgen Sie für gute Sicht. Sie müssen aber auch an die anderen Verkehrsteilnehmenden denken und möglichst das ganze Auto von Schnee befreien. Das gilt auch für das Dach: Während der Fahrt können sich sonst Schneemassen oder gar Eisplatten lösen und nachfolgende Fahrzeuge gefährden oder Ihnen auf die Frontscheibe rutschen und die Sicht nehmen. Um Ihr Auto von Schnee zu säubern, empfiehlt sich der gute alte Besen. Hier hilft warmes Wasser, gießen Sie es rundum auf den Türrahmen. Gewaltsam aufreißen sollten Sie festgefrorene Türen keinesfalls, sonst können die Gummidichtungen reißen. Bei vereisten Schlössern helfen chemische Sprays. Wer die nicht zur Hand hat, kann den Schlüssel mit einem Feuerzeug oder das Schloss mit einem Föhn aufwärmen. Vorbeugen können Sie, indem Sie Autoschlösser mit (Kriech-)Öl und Gummidichtungen mit einem Pflegemittel behandeln. Die Reifen sind Ihr Kontakt zur Fahrbahn, deshalb ist neben wintertauglichen Pneus auch eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern ratsam. Der Bremsweg auf glatter Straße kann trotzdem fünfmal so lang sein wie auf trockenem Asphalt. Gerade bei Glätte und Schneematsch gilt deshalb: Fahren Sie vorsichtig und halten Sie ausreichend Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen. Um ein Gefühl für die Straßenverhältnisse zu bekommen, empfiehlt sich eine sachte Bremsprobe, sofern keine Gefahr für andere besteht. Vermeiden Sie ruckartige Lenkbewegungen. Kommen Sie trotzdem einmal ins Schleudern, bremsen Sie und lenken Sie rasch, aber gefühlvoll gegen.  Fahren Sie generell niedertourig im hohen Gang, das erzeugt mehr Grip auf den Rädern und Sie kommen besser voran. Bei Autos mit manueller Schaltung klappt das Anfahren auf glatter Straße im zweiten Gang besser, so verhindern Sie ein Durchdrehen der Räder. Bei älteren Automatikmodellen empfiehlt sich bei langsamer Fahrt eine niedrigere Gangstufe, weil so mehr Drehzahl und mehr Motorbremswirkung anliegt. Dann müssen Sie selbst weniger bremsen, das reduziert die Rutschgefahr. Moderne Autos verfügen häufig über einen Wintermodus, so rollen Sie automatisch mit einer höheren Übersetzung an. Darüber hinaus sorgen elektronische Assistenzsysteme wie ESP dafür, dass Sie in allen Fahrzuständen möglichst guten Grip haben. Kälte verlangt Elektroautos viel ab. Das fängt bei der Heizung an: Beim Verbrenner sorgt die Abwärme des Motors für behagliche Temperaturen. Bei E-Autos funktioniert das nicht, deshalb ist die Heizung bei ihnen der größte Stromfresser. Dafür hat jeder Stromer eine Standheizung, mit der sich der Wagen vorwärmen lässt, zum Beispiel per App. Für den Betrieb gilt: Das Heizungsgebläse frisst deutlich mehr Energie als eine Sitz- oder Lenkradheizung. Auch der Akku leidet bei niedrigen Temperaturen, die Reichweite kann beachtlich sinken. In besonders schneereichen Wintern kann es passieren, dass sich Autos festfahren. Gut ist, wenn Sie für diese Situation rechtzeitig vorsorgen: Mit einer kleinen Schaufel im Kofferraum, mit der Sie die Schneemassen um die Räder beseitigen können. Anschließend hilft ein Beutel mit Split oder Sand, den sie möglichst dicht vor das durchdrehende Rad streuen. Auch eine alte Fußmatte oder Zweige von einem Ast eignen sich. Den besten Grip bekommen die Räder in gerader Position. Dann den Wagen mit kleinen Bewegungen nach vorne fahren und wieder zurückrollen lassen. Suchen Sie nach Helfern, die diese Schaukelbewegung mit den Händen unterstützen. Wenn das auch nichts bringt, lassen Sie sich per Abschleppseil von einem anderen Autofahrer aus der Misere ziehen – oder rufen Sie den Pannendienst.  Bei beschlagenen Scheiben ist Feuchtigkeit im Innenraum der Auslöser. Wenn Ihr Auto keine spezielle Funktion gegen beschlagene Scheiben hat, stellen Sie die Belüftungsdüsen so ein, dass das Gebläse auf die Fenster gerichtet ist. Lassen Sie die Klimaanlage eine Weile laufen, sie zieht das Wasser aus der Luft. Fußmatten nehmen Feuchtigkeit von nassen Schuhen auf, nehmen Sie sie zum Trocknen mit in die Wohnung. Ihre Kleidung sollten alle Mitfahrenden vor der Fahrt abklopfen und keinen Schnee mit ins Auto tragen. Mit Jacke, Mütze und Handschuhen sollten Sie sich nicht ans Steuer setzen: Dicke Kleidung führt dazu, dass der Sicherheitsgurt nicht richtig anliegt, das kann bei einem Unfall zu Verletzungen im Bauchraum führen. Handschuhe schränken den Halt am Lenkrad ein, schwere Winterstiefel erschweren es, die Pedale präzise zu betätigen.