Iran-Proteste spitzen sich zu – Augenzeuge: Es ist »wie im Krieg«

Datum08.01.2026 22:22

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Proteste im Iran intensivieren sich, mit großen Menschenmengen und gewaltsamen Auseinandersetzungen in Teheran und anderen Städten. Auslöser ist ein Aufruf von Reza Pahlavi, Sohn des ehemaligen Schahs. Die Sicherheitskräfte reagieren mit Tränengas und Gewalt, während das Internet weitgehend abgeschaltet wurde, was zu einem "Internet-Blackout" führt. Bislang sind 45 Demonstranten ums Leben gekommen. Die Proteste, die durch eine Wirtschaftskrise und den Verfall der Währung Rial ausgelöst wurden, haben das gesamte Land erfasst.

InhaltDie Demonstrationen erreichen neue Ausmaße: Videos zeigen große Menschengruppen in Teheran und mehreren Großstädten, brennende Fahrzeuge und eskalierende Gewalt – während die Behörden das Internet weitgehend abschalten. Knapp zwei Wochen nach Beginn der landesweiten Proteste in Iran erreichen die Demonstrationen in Teheran einen Höhepunkt. Videos in sozialen Medien zeigten Menschenmassen in mehreren großen Städten. In Teheran berichteten Augenzeugen von Sicherheitskräften, die mit Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Videos von Aktivisten zeigten brennende Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in Teheran. Auslöser der Großdemonstrationen ist wohl der Aufruf Reza Pahlavis, Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Dieser hatte für Donnerstag und Freitag zu Protesten aufgerufen. Laut der Nachrichtenagentur dpa kehrten daraufhin die Proteste in viele andere Metropolen zurück, nachdem in den vergangenen Tagen vorwiegend Bewohnerinnen und Bewohner der westlichen Provinzen demonstriert hatten. In der Millionenstadt Maschhad im Nordosten berichteten Augenzeugen von großen Protesten. Es sei "wie Krieg", beschrieben Einwohner die Szenen auf den Straßen. Bislang kamen bei den Protesten 45 Demonstranten ums Leben, wie die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights mitteilte. "Die Fakten zeigen, dass die Repressionen von Tag zu Tag gewalttätiger und umfassender werden", sagte Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam. Die Behörden schalteten unterdessen den weltweiten Internetzugang für die Bevölkerung ab. Das Land befinde sich in einem "Internet-Blackout", berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks. Auch Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Donnerstag einen Einbruch des Web-Traffics um etwa 90 Prozent. Auch per Telefon waren Kontakte in Iran zunächst nicht mehr erreichbar. US-Präsident Trump erneuerte eine Drohung an die Staatsführung in Teheran. "Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie anfangen, Menschen zu töten, was sie während ihren Unruhen, die ja häufig vorkommen, gerne tun", sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten Folge des Podcasts "The Hugh Hewitt Show". Die US-Regierung verfolge die Situation aufmerksam. Trump lobte die Iraner als "mutige Menschen". Es war jedoch unklar, wann das Gespräch aufgezeichnet wurde. Die neue Protestwelle erschüttert Iran seit Ende Dezember. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet.