Datum08.01.2026 21:45
Quellewww.zeit.de
TLDRDomo Chemicals stellt die Produktion an seinen drei deutschen Standorten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg ein, nachdem Verhandlungen für ein Massedarlehen gescheitert sind. Über 500 Mitarbeiter sind betroffen, während die Insolvenzverwaltung die Anlagen sicher herunterfahren wird. Die Insolvenz könnte auch Auswirkungen auf Zulieferfirmen haben. Der Druck auf die deutsche Chemieindustrie wächst, was auch andere Unternehmen wie Dow Chemical betrifft. Die Lage sorgt für besorgte Reaktionen, einschließlich von Bundeskanzler Friedrich Merz.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Chemieindustrie“. Lesen Sie jetzt „Keine finanziellen Mittel mehr - Domo stellt Produktion ein“. Das belgische Chemieunternehmen Domo Chemicals stellt an seinen drei deutschen Standorten den Betrieb endgültig ein. Die Produktion in Sachsen-Anhalt und Brandenburg werde ab sofort gestoppt und in einen Notbetrieb versetzt, teilte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung Flöther & Wissing mit. Grund für diese Entscheidung sei, dass die Verhandlungen mit den Gläubigern um ein kurzfristiges sogenanntes Massedarlehen gescheitert sind, hieß es. Die drei Tochtergesellschaften des Konzerns hatten Ende des vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Die Aussicht auf "eine dringend benötigte Zwischenfinanzierung hat sich heute zerschlagen", sagte Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstagabend. Die über 500 Beschäftigen sowie die zuständigen Behörden seien über die gescheiterten Finanzierungsgespräche informiert worden, erklärte er. Andere Unternehmen der Domo-Gruppe sind nicht betroffen. Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. In Premnitz hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeiter. Die drei Unternehmen gehören zu Domo Chemicals, einer Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gent (Belgien). Die Insolvenz der drei Tochtergesellschaften könnte auch Auswirkungen auf andere Firmen in der Region haben, etwa solche, die Stoffe an Domo liefern. In Leuna und Premnitz wurde vor allem Kunststoff produziert, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird. Die Anlagen an den zwei Standorten sollen nun sicher heruntergefahren werden, sagte Flöther. Ob sie ohne Schäden wieder angefahren und weiter genutzt werden können, "ist die große Frage". "Für die Anlagen und den Chemiestandort, aber auch für die Gläubiger wäre das jedenfalls eine Katastrophe", so der Insolvenzverwalter. Die chemische Industrie steht seit Monaten unter erheblichem Druck. "Die Lage der deutschen chemischen Industrie erfüllt uns alle mit großer Sorge", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kurz vor Weihnachten im Bundestag. Unter anderem hatte der US-Konzern Dow Chemical vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) Ende 2027 geschlossen werden soll. Laut der Gewerkschaft IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen. © dpa-infocom, dpa:260108-930-517579/1