Datum20.10.2025 08:13
Quellewww.spiegel.de
TLDRRussland umgeht mit einer Schattenflotte westliche Sanktionen durch den Einsatz alter Tanker, die eine Gefahr für Umwelt und Sicherheit darstellen. Schätzungen zufolge handelt es sich um 600 bis 1.400 Schiffe, die nicht klar versichert sind und Öltransporte verschleiern. Diese Tanker könnten auch als Basis für Drohnenangriffe genutzt werden. Die EU plant verstärkte Kontrollmaßnahmen durch Marineoperationen und will die Zahl sanktionierter Schiffe erhöhen. Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten ist für diese Schritte erforderlich.
InhaltRussland umgeht mit seiner Schattenflotte westliche Sanktionen. Experten der EU sehen die alten Tanker als Gefahr für die Umwelt und die Sicherheit. Sie dienen wohl auch als Startplattform für Drohneneinsätze in Europa. Schiffe der russischen Schattenflotte bedrohen offenbar die Umwelt und die Sicherheit. Laut einem Arbeitspapier für ein EU-Außenministertreffen in Luxemburg erhöhen sie die Gefahr für Umweltkatastrophen und können etwa den Einsatz von russischen Drohnen unterstützen. Dem Dokument zufolge geht es schätzungsweise um 600 bis 1.400 Tanker. "Diese Schiffe tragen nicht nur zur russischen Kriegswirtschaft bei, sondern stellen auch eine erhebliche Gefahr für Umwelt und Schifffahrtssicherheit dar", schreiben Experten der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas in dem Papier. Seit mehreren Jahren versucht der Kreml, mit der Schattenflotte einen von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen. Dafür werden meist veraltete Schiffe mit schwer nachvollziehbaren Eigentumsverhältnissen gechartert und verschiedene Methoden genutzt, um die Herkunft von Ölladungen zu verschleiern. Mitunter wird der Transponder des satellitengestützten automatischen Schiffsidentifizierungssystems (AIS) ausgeschaltet oder manipuliert. Manchmal wird Öl auf hoher See zwischen Tankern umgeladen. Unglücke könnten demnach Ölkatastrophen und andere Meeresverschmutzungen verursachen. Die Folgen für Küstengebiete, Ökosysteme und die Fischerei sind verheerend. Da viele der Schiffe unklare Eigentumsverhältnisse haben und laut den Experten nicht oder nur unzureichend versichert sind, müssten im Falle einer Havarie wohl die Steuerzahler der Küstenstaaten für die Beseitigung der Schäden aufkommen. Zudem wird davor gewarnt, dass Schiffe der Schattenflotte als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder Spionageangriffe genutzt werden können. Diesen Verdacht gab es auch nach den mysteriösen Drohnensichtungen in Dänemark. Diese hatten vor allem in der Hauptstadt Kopenhagen zu erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs geführt. Die EU-Außenbeauftragte Kallas schlägt nun vor, noch intensiver mit Küstenländern und solchen Staaten zu kooperieren, unter deren Flagge die Schiffe registriert sind. Diese Staaten sollen im Idealfall ihr Einverständnis geben, dass Schiffe von Marinekräften aus EU-Ländern kontrolliert werden dürfen. Dem Text zufolge sind drei EU-Marinemissionen bereits seit Juni 2025 damit beauftragt, die Schattenflotte zu überwachen und Informationen über sie zu beschaffen. Dazu gehört unter anderem die Operation "Aspides". An der Mission ist auch die deutsche Bundeswehr beteiligt. Damit die EU-Außenbeauftragte ihre Pläne umsetzen kann, braucht sie die Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten. Gleiches gilt für weitere Sanktionen. Geplant ist dem Dokument zufolge, dass die Zahl der von Hafenverboten und Strafmaßnahmen betroffenen Schiffe im Zuge des 19. Pakets mit EU-Russland-Sanktionen von derzeit 444 auf 562 erhöht wird.