Wehrdienst: Bundeswehr verdoppelt ihre Besuche an Schulen in kürzester Zeit

Datum08.01.2026 07:28

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Bundeswehr hat ihre Schulbesuche seit 2021 stark erhöht, von 2558 auf 5527 Besuche im Jahr 2025. Besonders in Niedersachsen, Sachsen und Berlin stiegen die Zahlen, während Bremen einen Rückgang verzeichnete. Die Besuche, durchgeführt von Jugendoffizieren zur Aufklärung über Sicherheitspolitik, sind umstritten. Kritiker, insbesondere die Linksfraktion, sehen darin eine Militarisierung der Bildung und fordern ein Ende dieser Aktivitäten. Die Steigerung könnte mit der "Zeitenwende" und dem neuen Wehrdienstgesetz zusammenhängen, das seit Jahresbeginn gilt.

InhaltDie Bundeswehr wird seit 2021 deutlich häufiger in Klassenzimmern vorstellig. Das geht aus einer Kleinen Anfrage hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Allerdings fällt die Präsenz je Bundesland sehr unterschiedlich aus. Die Bundeswehr hat ihre Besuche an deutschen Schulen und Hochschulen deutlich ausgeweitet. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der Besuche mehr als verdoppelt, von 2558 Auftritten im Jahr 2021 auf zuletzt 5527 Auftritte im Jahr 2025. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. In fast allen Bundesländern stieg demnach die Zahl der Besuche über die Jahre immer deutlicher an. Einen besonders starken Zuwachs verzeichnete etwa Niedersachsen; waren es hier 2021 noch 145 Besuche, schaute die Truppe hier im vergangenen Jahr insgesamt 776 an Schulen vorbei. In Sachsen stieg die Zahl der Besuche von 115 auf 334, in Berlin von 26 auf 135. Einen starken Rückgang verzeichnete hingegen der Stadtstaat Bremen. Dort kam die Bundeswehr vor fünf Jahren noch 57 Mal an Schulen vorbei, im vergangenen Jahr lediglich 28 Mal. Für das vergangene Jahr hat die Bundeswehr in ihrer Antwort auch eine Auflistung nach Schultyp unternommen. Auffällig ist, dass die Truppe ebenso häufig bei Schülerinnen und Schülern der unteren Klassen vorstellig war, wie in den älteren Jahrgängen. Seltener werden Berufsschulen besucht, noch seltener Hochschulen. Von den insgesamt mehr als 5500 Besuchen im vergangenen Jahr entfielen nur 122 auf Hochschulen. In Sachsen, dem Saarland und Bremen gab es gar keine Hochschulbesuche. Die Besuche der Bundeswehr an Schulen werden von sogenannten Jugendoffizieren durchgeführt, offiziell, um über Sicherheitspolitik aufzuklären. Die Auftritte sind umstritten – gerade mit Blick auf die nun gestarteten neuen Wehrdienst. Während die einen die Besuche als Bildungsarbeit loben, wittern die anderen einen versteckten Werbefeldzug, abgehalten in einem Schutzraum Minderjähriger. Die Linke behauptet in ihrer Anfrage an die Bundesregierung, die Jugendoffiziere würden Schülerinnen und Schülern ein Berufsbild vermitteln, "das auf Subordination und Gehorsam beruht und damit dem schulischen Bildungsauftrag zuwiderläuft". Die Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke, bildungspolitische Sprecherin der Linken, kritisiert die Arbeit der Jugendoffiziere scharf. Sie drängt auf einen Stopp der Schulbegehungen und warnt vor einer "Militarisierung der Bildung". "Minderjährige werden aggressiv von der Bundeswehr umworben", sagte Gohlke dem SPIEGEL, "dabei bräuchte es statt Druck in Richtung Uniform und Kriegslogik endlich massive Investitionen in gute Schulen, soziale Sicherheit und eine Politik, die Jugendlichen echte Zukunftschancen statt Kasernenhöfe bietet." Die Steigerung der Präsenz könnte durch die von Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Anfang 2022 verkündete "Zeitenwende" befeuert worden sein. Unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine gelobte Scholz eine Verbesserung der Verteidigungsstärke, die Bundeswehr erhielt deutlich mehr Mittel. Seit Jahresbeginn gilt auch ein neues Wehrdienstgesetz. Alle 18-jährigen Männer und Frauen, sollen künftig einen Fragebogen erhalten, mit dem ihre Eignung und ihre Motivation für die Bundeswehr erhoben wird. Männer müssen diesen dann verpflichtend ausfüllen, Frauen können ihn freiwillig abgeben.