Aufrüstung der Bundeswehr: Pistorius will weitere F-35-Kampfjets in den USA bestellen

Datum20.10.2025 06:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRVerteidigungsminister Boris Pistorius plant den Kauf von 15 zusätzlichen F-35 Kampfjets aus den USA, um die NATO-Anforderungen zu erfüllen. Die Gesamtbestellung würde auf 50 Jets steigen, mit einem Budget von 2,5 Milliarden Euro. Die F-35 sollen die veralteten Tornados ablösen und im Ernstfall US-Atomwaffen ins Ziel bringen. Zudem gibt es Spannungen im deutsch-französischen Kampfjet-Programm FCAS, das durch Differenzen zwischen Dassault und Airbus gefährdet ist. Ein Konflikt muss bis Jahresende gelöst werden, um das Projekt fortzuführen.

InhaltUm die Nato-Anforderungen zu erfüllen, soll die Bundeswehr nach SPIEGEL-Informationen 15 weitere Hightech-Kampfjets bekommen. Der Milliardenauftrag aus Deutschland dürfte bei US-Präsident Trump gut ankommen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Verteidigungsminister Boris Pistorius will nach SPIEGEL-Informationen weitere 15 Kampfjets vom Typ F-35 aus amerikanischer Produktion bestellen. In vertraulichen Papieren für die Haushaltsausschuss des Bundestags ist die entsprechende "Ergänzungsbeschaffung von Luftfahrzeugen des Typs F-35A" unter den militärischen Vorhaben seines Hauses gelistet. Für die 15 weiteren Hightech-Kampfjets des US-Herstellers Lockheed Martin rechnen die Planer von Pistorius mit einem nötigen Budget von 2,5 Milliarden Euro, so die als Verschlusssache eingestuften Papiere. Bisher hatte die Bundeswehr 35 Modelle des Kampfjets bestellt, die ersten Modelle sollen 2027 bei der Luftwaffe eintreffen. Die F-35 wird bei der Luftwaffe den arg in die Jahre gekommenen Tornado ablösen. Strategisch ist die Erneuerung der Luftwaffen-Flotte wichtig, da die F-35 in Zukunft auch die sogenannte Nukleare Teilhaber sicherstellen sollen. In einem Ernstfall würden die F-35 wie bisher die Tornados dazu eingesetzt, in Deutschland eingelagerte US-Atomwaffen ins Ziel zu bringen. Aus Sicht der Luftwaffe ist die Beschaffung von weiteren F-35 unabdingbar. In Sicherheitskreisen hieß es, nur durch die größere Flotte könne die Bundeswehr die neuen Nato-Anforderungen erfüllen. Dazu hat die Bundeswehr kürzlich auch 20 weitere Kampfjets vom Typ Eurofighter bestellt. Das Bündnis hat wegen seine Verteidigungs- und Abschreckungspläne wegen der russischen Bedrohung deutlich verstärkt, die Luftüberlegenheit gilt als zentrales Element des neuen Konzepts. Bisher galt eine neue milliardenschwere F-35-Order wegen des engen Verteidigungshaushalts als Wunschdenken, wegen der Ausnahmeregel für sicherheitsrelevanten Ausgaben hat Minister Pistorius jetzt reichlich Beinfreiheit. Dass er nun einen weiteren Milliardenauftrag an Lockheed Martin vergeben will, dürfte dem Weißen Haus gefallen. US-Präsident Donald Trump hat immer wieder klargemacht, seine Industrie müsse von den zusätzlichen europäischen Investitionen in die eigene Verteidigung profitieren. Mit der neuen Bestellung würde die deutsche F-35-Flotte auf insgesamt 50 Jets wachsen. Damit stellt sich auch die Frage, ob die Luftwaffe einen weiteren Standort für die Kampfjets der fünften Generation öffnen muss. Die bisher bestellten F-35 werden am Fliegerhorst Büchel stationiert, in unterirdischen Silos lagern dort auch die amerikanischen Atom-Waffen. Der Umbau des Flugplatzes für die High-Tech-Jets ist derart komplex, dass die Kosten von einst geplanten 700 Millionen auf zwei Milliarden Euro stiegen.  Dassault-Chef Eric Trappier Der geplante Großeinkauf in den USA dürfte auch die Zweifel am deutsch-französischen Projekt zum Bau eines neuen Kampfjets befeuern. Das Projekt FCAS wird kurz vor der zweiten Phase, in der ein Demonstrator des Jets entstehen soll, durch einen Streit zwischen den beiden Industriepartnern, dem französischen Flugzeugbauer Dassault und Airbus, gelähmt. Bis Ende des Jahres müssen die Regierungen in Berlin und Paris eine Lösung herbeiführen, heißt es in den letzten Monaten, sonst sei das Projekt tot. Aus deutscher Sicht ist Dassault für den Streit verantwortlich. Entgegen den Planungen, die eine 50:50-Aufteilung bei Entwicklung und Bau des Kampfjets der sechsten Generation vorsahen, beansprucht Dassault eine Vorreiterrolle. Erst kürzlich hatte der Chef des Flugzeugsbauers Berlin regelrecht provoziert. "Die Deutschen können ruhig murren. Wir wissen hier, wie es geht", sagte Eric Trappier. Auf die Frage, ob Dassault den neuen Kampfjet auch allein bauen könnte, wurde er deutlich: "Die Antwort lautet Ja".