Datum08.01.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Hamburg sorgt der Winterdienst für Diskussionen, da viele Straßen und Wege trotz Schnee gefährlich glatt bleiben. Der Fokus liegt auf großen Straßen, während kleinere und Gehwege vernachlässigt werden, was gesundheitliche Risiken für Bürger birgt. Politische Entscheidungen behindern eine umfassende Räumung. Zudem könnten der Schulunterricht und Bahnfahrten durch bevorstehenden Schneesturm beeinträchtigt werden. In anderen Nachrichten wurde ein größerer Kokainfund gemacht und die Arbeitslosenzahl in Hamburg bleibt stabil. Vincorion Advanced Systems verzeichnet Wachstumsaufträge im Rüstungssektor.
InhaltDas Elbvertiefungs-Schnee-Spezial am Mittwoch – mit Aussicht auf ein stürmisches Wochenende, möglichem Unterrichtsausfall und 44 Kilogramm Kokain Liebe Leserin, lieber Leser, treffen sich zwei Schneeflocken, sagt die eine: Komm, wir sorgen in Hamburg für ein bisschen Chaos. Sagt die andere: Ach, das schaffst du auch allein. Diesen Witz erzählte mir ein Kollege in der Kantinen-Schlange, und tatsächlich kann man seit ein paar Tagen in Hamburg kaum einen Schritt tun, ohne in ein Gespräch darüber verwickelt zu werden, was die Mitarbeiter des Winterdienstes eigentlich beruflich machen. Ich verstehe das. Aber es trifft die Falschen. Die Leute vom Winterdienst sind um ihren Job nicht zu beneiden, sie rackern sich ab, ohne dass ihr Tun merklich Erfolg zeitigen würde: Die größeren Straßen sind bestens befahrbar, alle anderen – sowie die Fuß- und Fahrradwege – sind vereist und teils spiegelglatt, jeder kämpft da für sich allein. Das aber ist nicht das Versagen des Winterdienstes, sondern sein Auftrag: Große Straßen frei, Rest egal. Und dieser Auftrag ist eine politische Entscheidung – die man so treffen kann, aber auch anders treffen könnte. Dass sie so getroffen wurde, wie sie getroffen wurde, ist sogar plausibel – in einer Stadt, in der es nur alle 15 Jahre nennenswert schneit, sind die Ressourcen fürs Schneeräumen nachvollziehbarerweise begrenzt, und irgendwo muss man anfangen. Es ist aber ein Fehler, ein paar Meter weiter wieder aufzuhören. Und nur weil eine Entscheidung plausibel ist, muss sie nicht richtig sein – diese ist es nicht, denn sie gefährdet gerade die Gesundheit von Tausenden Hamburgerinnen und Hamburgern, und es ist, wie es ist: Für viele von ihnen fängt Staatsversagen schon bei einem schlecht geräumten Trottoir an. Um das alles zu debattieren (und in der Folge hoffentlich auch zu ändern), bleibt nicht viel Zeit – der Schnee von gestern ist, sobald er getaut ist, schnell vergessen. Jetzt gerade aber liegt das Eis auf den Wegen, jetzt müssen schnelle, pragmatische Lösungen her. Ist es etwa wirklich nötig, dass gerade 100 Kontrolleure durch die Stadt ziehen und nachsehen, ob die Hamburger Hauseigentümer ordnungsgemäß geräumt haben, um gegebenenfalls Bußgelder zu verhängen? Wenn die alle eine Schaufel und ein Eimerchen Salz in die Hand bekämen, hätte der Winterdienst schon 100 Mitarbeiter mehr. Und vielleicht könnten ja auch die Kräfte, die gerade – nur so eine Idee – an der Hamburger Olympia-Kampagne arbeiten, sich für ein paar Tage nützlich machen? Es wäre ein starkes Signal für Zusammenhalt, Flexibilität und Sportsgeist. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Florian Zinnecker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Wegen eines erwarteten Schneesturms könnte am morgigen Freitag der Unterricht an einzelnen Hamburger Schulen ausfallen. "Wir beobachten die Lage und sind insbesondere mit dem Deutschen Wetterdienst im Austausch", sagte ein Sprecher der Schulbehörde. Die Schulen würden heute noch einmal über die geltenden Regeln informiert. Demnach können Eltern generell bei einer nachweisbaren Gefährdungslage für den Schulweg entscheiden, ob ihr Kind zur Schule gehen soll oder nicht. Ist Letzteres der Fall, müssten die Kinder aber bei der Schule abgemeldet werden. Zudem könnten die einzelnen Schulen "aufgrund von Erfahrungswerten entscheiden, den Unterrichtsbetrieb am Freitag einzuschränken oder ganz abzusagen", sagte der Sprecher. Immer müsse aber eine Notbetreuung angeboten werden, die gegebenenfalls auch gemeinsam durch mehrere Schulen organisiert werden könne. Die Deutsche Bahn reduziert von heute Nachmittag an wegen des Winterwetters vorsorglich den Fernverkehr. Sie erwartet in den nächsten Tagen "spürbare Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs", wie es in der Mitteilung heißt. Von den Einschränkungen sind demnach unter anderem die Fernverkehrsverbindungen von Hamburg nach Norddeich-Mole, Kiel, Westerland/Sylt, Rostock, Binz/Rügen und Kopenhagen betroffen. Kunden, die ein Ticket für eine Reise von Donnerstag bis Samstag gekauft haben, können dieses zu einem späteren Zeitpunkt nutzen, wie die Bahn weiter mitteilte. Wegen der winterlichen Bedingungen hat der Hamburger Fußball-Verband (HFV) alle Punkt-, Pokal- und Freundschaftsspiele im Amateurbereich bis einschließlich Sonntag abgesagt. Die vorherrschenden Platzverhältnisse ließen auf den Sportplätzen keine regulären Spielbedingungen zu, teilte der Verband mit. • In einer Wohnung in Schnelsen sind am Dienstagabend 44 Kilogramm Kokain beschlagnahmt worden. Wie die Polizei mitteilte, wurden bei dem Einsatz zudem drei Männer in Untersuchungshaft genommen • In einer bewegenden Trauerfeier in der Dreieinigkeitskirche in St. Georg haben Familie, Freunde und Weggefährten Abschied von Schauspieler Rolf Becker genommen • Die Zahl der Arbeitslosen in Hamburg ist im Dezember im Vergleich zum Vormonat minimal um 207 auf 92.581 Menschen gesunken. Die Arbeitslosenquote bleibe damit bei 8,2 Prozent, teilte die Agentur für Arbeit Hamburg mit. Vor einem Jahr lag die Quote bei 7,9 Prozent Wirtschaftskrise? Fachkräftemangel? Eine Firma in Wedel kann sich vor Aufträgen und Bewerbungen kaum retten. Ein Besuch bei Vincorion Advanced Systems, die Elektronik für Panzer herstellt. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Kristina Läsker. Der Natodraht auf dem Zaun glitzert im Herbstlicht, er ist noch neu. Erst seit Kurzem ist das Werksgelände im Wedeler Gewerbegebiet damit gesichert, auf dringenden Rat der Polizei. Denn hier, nahe der Hamburger Landesgrenze, sitzt Vincorion Advanced Systems GmbH, ein Rüstungsunternehmen – und eine der Boom-Firmen der Region. Über Jahrzehnte war die Firma geschrumpft, nun aber geht Auftrag für Auftrag ein. Und mit dem Wachstum wächst auch die Reibung: Immer mehr Menschen bewerben sich, gleichzeitig lehnen manch andere das Unternehmen radikal ab. Im Sommer steckten Unbekannte sogar das Auto des Geschäftsführers in Brand. Im Pförtnerhaus ist zu erahnen, was den Aufschwung antreibt. Auf einem Bildschirm an der Wand drehen sich Panzer vom Typ Leopard, so elegant, als wären sie Sportwagen. Doch der Leopard ist einer der stärksten Kampfpanzer der Welt. In Wedel werden dafür komplexe Elektronikteile gefertigt, dazu Systeme zur Energieversorgung, auch für andere Panzer wie den Puma oder den Boxer. Vincorion liefert außerdem Stromgeneratoren für den Eurofighter und für Luftabwehrsysteme wie Patriot oder Iris-T. Die ukrainischen Soldaten schießen damit Raketen aus Russland ab. Im Gebäude gegenüber dem Pförtnerhaus kommt Kajetan von Mentzingen ins Büro geeilt. Der 51-jährige Ingenieur – Anzug, rosa Hemd, Hornbrille – leitet das Unternehmen seit 2023. Bis eben steckte er in einem Meeting zu einem neuen Großauftrag: Vincorion soll mobile Generatoren für die Bundeswehr entwickeln. Solche Generatoren sollen beispielsweise die Energieversorgung in Feldlazaretten sicherstellen, falls es in Städten wie Hamburg etwa durch Sabotage zu Stromausfällen kommt. Was nach Krise und Krieg klingt, ist für von Mentzingen Alltag. Vincorion arbeitet an Lösungen für Ernstfälle. Damit will der Firmenchef das Wachstum weiter befeuern. Wie sich ein Sonder-Aufschwung durch die Zeitenwende äußert, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de. "Es gab kein fließendes Wasser, beheizt wurde er durch einen Kanonenofen, und die Nutzfläche beträgt gerade mal 44 Quadratmeter" ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa über die wiedereröffnete Bücherstube Stolterfoht, einst "Ort der intellektuellen Resilienz und des kulturellen Neuanfangs in der jungen Bundesrepublik" Die fünf Hamburger Pressefotografen Klaus Bodig, Jürgen Joos, Andreas Laible, Ronald Sawatzki und Stephan Wallocha haben mit Hamburg hautnah – ikonische Pressefotografie und ihre Geschichte von den 1980ern bis heute einen umfangreichen Bildband zusammengestellt. Eine Auswahl ihrer Fotos aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Show ist bis Ende Januar in der Haspa-Filiale im Deutschlandhaus zu sehen. Haspa-Filiale Gänsemarkt, Valentinskamp 95; Mo, Mi, Fr 9.30 bis 16 Uhr; Di und Do 9.30 bis 18 Uhr In einem Kosmetiksalon in Ottensen. Der Kosmetiker umschließt kurz mit seinen Händen die weiße, rundliche Maniküre-UV-Lampe und trommelt darauf: "Eine Glaskugel." Kundin: "Und, was sagt die Glaskugel für nächstes Jahr?" – "Dass ich nächstes Jahr auch noch hier sitze." – Kundin: "Hoffentlich mit Freude." Gehört von Wiebke Neelsen Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.