Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Wenn plötzlich die Haare weg sind

Datum20.10.2025 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRIm aktuellen Newsletter wird über vielfältige Themen aus Hamburg berichtet. Ein persönlicher Beitrag beleuchtet die Schwierigkeiten eines Schülers mit einem misslungenen Haarschnitt vor der Einschulung, der durch kreative Lösung mit Wimperntusche positiv aufgenommen wurde. Weitere Schwerpunkte sind schwere Fahrradunfälle, PKW-Brände, die steigende Zahl von Organspenden und die geplante Reform der Organspende-Gesetze. Zudem erinnert Musiker Udo Lindenberg an Klaus Doldinger und die Hamburger Fußballvereine haben wenig Erfolg in ihren letzten Spielen.

InhaltDie Elbvertiefung am Montag – mit erneuten schweren Radunfällen in Hamburg, brennenden Autos und bemalten Kuchentellern an Hauswänden Langhaarschneider sind eine tückische Sache. Dreht man einmal unaufmerksam am Rädchen, ist schnell nur noch ein Millimeter eingestellt, was fiese Konsequenzen haben kann. Vor einigen Wochen gab es in meinem Haushalt eine kleine Langhaarschneiderfehleinstellung. Ich möchte aus familienpolitischen Gründen nicht ins Verursacherdetail gehen, plötzlich jedenfalls hatte einer meiner Söhne äußerst kurze Haare an der Stelle, an der Punks in den Achtzigern ihre Haare lang wachsen ließen. Es war der Tag vor seiner Einschulung, was die Lage nicht schöner machte. Kennen Sie dieses Video mit den fünf Phasen der Trauer? Die Giraffe im Treibsand? Nach vielen, vielen Lügen (So schlimm ist das gar nicht!), Flüchen (Drecksgerät, elendiges!), Nachrasuren (Das krieg ich wieder hin!), nach dem Anprobieren etlicher Mützen und Käppis, Tipps der wunderbaren Frisörin um die Ecke, diversen Einkäufen im dm, Rossmann UND Budni hat sich mein Sohn für folgendes Szenario entschieden: Wenn schon auffallen, dann gleich richtig. Also habe ich ihm am Einschulungsmorgen alle verbliebenen Haarstummel mit pinker Wimperntusche bemalt. Ich möchte an dieser Stelle allen Menschen, die vor einigen Wochen einen sechsjährigen Jungen mit sehr, sehr pink leuchtenden Haaren und einer Schultüte durch Eimsbüttel haben laufen sehen, einen Gruß schicken. Wirklich alle, die Kioskbesitzerinnen, die Nachbarn, die Eltern der anderen Kinder, die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleiterin, haben ausschließlich begeistert gelächelt, es gab viele High Fives und aus der Ferne gehobene Daumen. Inzwischen sind die Haare meines Sohns nachgewachsen, sie dürften beim ursprünglich anvisierten Zentimeter gelandet sein. Aber Haare, das hat mir die Geschichte mal wieder gezeigt, sind eben eine sensible Sache, ich glaube, das gilt für überhaupt alle Menschen. Und wenn man sie auf einmal nicht mehr hat, kann das bitter sein. Erwachsene jedoch behandeln ihren Haarverlust gar nicht bis selten mit pinker Wimperntusche. Über deren Methoden hat meine Kollegin Viola Diem neulich so einiges in Erfahrung gebracht, ich kann Ihnen ihr Interview mit Lars Huxsohl sehr empfehlen, Sie finden es weiter unten in diesem Newsletter. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Maria Rossbauer In den vergangenen Tagen gab es wieder zwei schwere Fahrradunfälle. Ein 58 Jahre alter Radfahrer ist in Barmbek von einem abbiegenden Lastwagen erfasst und verletzt worden. Der 49 Jahre alte Lkw-Fahrer habe das Fahrrad offenbar übersehen, teilte die Polizei mit. Der Radfahrer stürzte und geriet unter den Tanklaster. Beide Beine des Mannes sind überrollt worden. Die Verletzungen seien schwer, aber nicht lebensbedrohlich, sagte der Polizeisprecher. Außerdem war am Freitag ein Radfahrer schwer verletzt worden, der bei Rot auf die Langenhorner Chaussee fuhr. Dort kam es zum Zusammenstoß mit einem Auto. Der Radfahrer wurde schwer am Kopf verletzt. Am Wochenende brannten in Hamburg mehrere Autos, ein Elektroauto in Eimsbüttel und zwei weitere Fahrzeuge in Hummelsbüttel. Verletzt wurde niemand, wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei bei dem Elektroauto von einem technischen Defekt als Brandursache aus, bei den beiden Autos in Hummelsbüttel jedoch handelt es sich offenbar um Brandstiftung. Die Polizei ermittelt und sucht nach möglichen Tätern. 2024 wurden in Hamburg 161 Organe gespendet, wie aus Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation hervorgeht, im Jahr davor waren es 154, 2022 sogar nur 96. Trotz der leichten Steigerung werden dringend mehr Spenderorgane benötigt. Nach Angaben von Eurotransplant warteten Anfang 2025 rund 8.300 Patientinnen und Patienten in Deutschland auf ein Spenderorgan. In Deutschland ist eine Organspende derzeit nur erlaubt, wenn jemand zu Lebzeiten seine Zustimmung dazu gegeben hat. Ende September jedoch beschloss der Bundesrat, einen Gesetzentwurf zur Reform der Organspende in Deutschland auf den Weg zu bringen. Dem Entwurf nach würde künftig jeder Bürger grundsätzlich als Organspender gelten, sofern er zu Lebzeiten nicht widersprochen hat. • Der Musiker Udo Lindenberg hat seinen kürzlich verstorbenen musikalischen Weggefährten Klaus Doldinger gewürdigt. "Schwer zu glauben, dass die Jazz- und Filmmusikwelt jetzt echt ohne dich klarkommen muss…", schrieb Lindenberg auf seinen Social-Media-Kanälen. "Du warst mir oft ein großer Lehrer, ein echter Pionier und auch jetzt bist du uns schon mal vorausgegangen…". Lindenberg war 1971 der erste Schlagzeuger in Doldingers Band Passport, die internationale Jazz-Geschichte schrieb, er trommelte auch die Tatort-Titelmelodie ein, die Klaus Doldinger 1970 komponiert hatte • Die HSV-Männer verloren am Wochenende 2:1 gegen RB Leipzig und stehen damit aktuell auf dem zehnten Platz der Bundesliga, St. Pauli verlor 3:0 gegen TSG 1899 Hoffenheim und rutschte auf den 14. Platz. Die HSV Frauen spielten gegen Carl Zeiss Jena im Volksparkstadion 1:1 und sind nun auf Platz zwölf • Gestern ist im Hamburger Ortsteil Fünfhausen ein Reh zwischen den Metallstreben eines Hoftores eingeklemmt und von der Freiwilligen Feuerwehr befreit worden. Das Tier blieb unverletzt Lars Huxsohl ist Torwart bei Eintracht Norderstedt – und er vermittelt Fußballer zur Haartransplantation in die Türkei. Er selbst war auch schon da. ZEIT:Hamburg Redakteurin Viola Diem hat mit ihm darüber gesprochen, warum er das bei sich machen ließ und wie das Ganze überhaupt funktioniert. Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Interview: DIE ZEIT: Herr Huxsohl, würden Sie sagen, Fußballspielern sind ihre Haare wichtiger als anderen Menschen? Lars Huxsohl: Ich denke schon. Die meisten achten schon sehr drauf. ZEIT: Woran merkt man das? Huxsohl: Wenn zum Beispiel besondere Spiele anstehen, haben eigentlich alle einen freshen Haircut. Bei den Profis eh, aber auch bei uns bei Eintracht Norderstedt. Vor unserem Pokalspiel gegen den FC St. Pauli Mitte August war, glaub ich, kein Einziger dabei, der nicht vorher beim Friseur war. Fußballer haben inzwischen auch einen krassen Einfluss auf Haartrends. Joshua Kimmich vom FC Bayern München hat zum Beispiel gerade einen Burst-Fade-Cut, dabei werden die Haare am Hinterkopf in Form eines V rasiert. Wenn die Kinder das sehen, wollen die das auch. Ich überlege selber, ob ich mir den schneiden lasse. ZEIT: Joshua Kimmich ist für Millionen von Menschen im Fernsehen zu sehen. Warum achtet man in der Regionalliga bei Norderstedt so sehr auf die Haare? Huxsohl: Viele Fußballer haben ein großes Ego und stehen auch deswegen auf dem Feld. Bei mir ist das auf jeden Fall auch ein Faktor. Und das überträgt sich dann auf die Frisur. ZEIT: Sie haben sich vor sieben Jahren Haare transplantieren lassen, da waren Sie erst 22 Jahre alt. Wie ist es dazu gekommen? Huxsohl: Ich war damals gerade aus den USA zurück, da hatte ich in New Hampshire meinen MBA gemacht. Auf Fotos, die während unserer Spiele bei Norderstedt gemacht wurden, fiel mir dann auf, dass es da oben sehr licht wurde. Es war offensichtlich, dass ich Haarausfall habe. Ich dachte: Boah, nee, das geht nicht! ZEIT: Leiden auch andere in Ihrer Familie an Haarausfall? Huxsohl: Ja, fast alle. Mein Opa hat fast gar keine Haare mehr. Mein Onkel hat auch sehr drunter gelitten. Auch mein älterer Bruder ist betroffen. Für mich stand fest: Für eine Glatze bin ich zu jung. ZEIT: Was finden Sie daran eigentlich so schlimm? An Männern wie Pep Guardiola sieht man doch, wie gut das aussehen kann. Huxsohl: Das ist typabhängig. Guardiola hat zum Beispiel einen guten Bart. Dann sieht das natürlich besser aus als bei mir mit den paar Stoppeln. Wie sein Umfeld darauf reagiert hat, dass er sich operieren ließ, und warum es Lars Huxsohl bald eine zweite OP machen lassen will, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung des Gesprächs auf zeit.de. fraujule*, 42, schreibt Sprüche und Parolen auf alte Kuchenteller und befestigt sie nachts heimlich an Hamburgs Hausfassaden. Warum sie das macht und wie es dazu kam, erzählte sie ZEIT:Hamburg Autorin Kristina Läsker. Lesen Sie hier das Protokoll. Vom 23. bis 26. Oktober geht das Festival "Fluctoplasma" mit fast 100 Veranstaltungen voller Kunst und Diskurs in die sechste Runde, diesmal unter dem Motto "Visions Beyond the West". Eröffnet wird das Festival am Donnerstagabend im MARKK; nach einer Keynote der Kuratorinnen zum Auftakt und einer kurzen Museumsführung bieten Nadina Memagić und Asmir Šabić mit "Balkanodrom" Kabarett, Musiktheater, Texte und bosnischen Sevdah. Das kolumbianisch-deutsche Duo Cosmica Bandida und Clubdance mit dem DJ-Kollektiv Mastika Sounds verlängern den Abend mit Musik und Beats in die Nacht. "fluctoplasma 2025 – Visions Beyond the West", Festival vom 23. bis 26.10.; Auftaktveranstaltung am 23.10. ab 18 Uhr; MARKK, Rothenbaumchaussee 64; Tickets gibt es hier In einem Restaurant. Der Kellner kommt mit unserem Essen in den Händen – steuert aber einen anderen Tisch an. Ich gebe ihm ein Zeichen, dass es vermutlich unsere Bestellung ist. Mit einem feinen Lächeln stellt er die Speisen vor uns ab. "Ach ja", meint er, "Sie sind ja der Tisch 16. Wissen Sie, ich mache hier seit acht Jahren ein Praktikum, und die Tischnummern sitzen noch nicht." Gehört von Marilies Brinkmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.