Datum08.01.2026 02:07
Quellewww.spiegel.de
TLDRUS-Präsident Donald Trump verkündet, dass Venezuela mit Ölverkäufen ausschließlich US-Produkte erwerben darf. Diese Entscheidung folgt auf eine angespannte Kontrolle der US-Regierung über die venezolanischen Ölreserven, die als Reaktion auf einen Coup gegen Präsident Maduro kam. Trump und Vizepräsident JD Vance betonen, dass der Ölverkauf nur im Interesse der USA erfolgen darf, während demokratische Senatoren das Vorgehen als Diebstahl kritisieren. Die US-Regierung plant zur gleichen Zeit eine Lockerung von Sanktionen, um den Verkauf venezolanischen Öls zu ermöglichen.
InhaltDie USA kontrollieren nach ihrem Coup die gewaltigen Ölreserven in Venezuela. Präsident Trump stellt nun klar, wofür das Land die Erlöse aus seinen Rohstoffen ausgeben darf: Waren "made in USA". Venezuela wird nach den Worten von US-Präsident Donald Trump mit den Einnahmen aus Ölverkäufen nur in den USA hergestellte Produkte erwerben. "Ich wurde gerade darüber informiert, dass Venezuela mit den Einnahmen aus unserem neuen Öldeal ausschließlich in den USA hergestellte Produkte kaufen wird", erklärte Trump am Mittwoch in seinem Onlinedienst Truth Social. Dazu gehörten landwirtschaftliche Produkte, Maschinen, medizinische Geräte und Energieausrüstung, fuhr er fort. Trump sprach von einer "weisen Entscheidung". Offen ließ er, welche Wahlmöglichkeiten das Land bei dieser "weisen Entscheidung" hatte. Vizepräsident JD Vance sagte dem rechten Sender Fox News laut Vorabmeldung, dass Venezuela nur Öl verkaufen dürfte, wenn dies den US-Interessen helfe. "Wir kontrollieren die Energiereserven und wir sagen der Regierung: Ihr dürft das Öl verkaufen, solange es den nationalen Interessen der USA entspricht. Ansonsten nicht", so Vance. Zuvor hatte US-Energieminister Chris Wright erklärt, dass die US-Regierung "auf unbestimmte Zeit" den Verkauf des venezolanischen Öls kontrollieren werde. Trump hatte am Dienstag bereits verkündet, dass die Übergangsregierung in Caracas den USA 30 bis 50 Millionen Barrel Öl liefern werde, das zum Marktpreis verkauft werde. Die US-Demokraten hatten schockiert reagiert: Die Pläne der US-Regierung kämen einem Diebstahl von Öl gleich, hieß es aus der Partei. Der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut bezeichnete das Vorhaben als "irrsinnigen Plan". "Sie sprechen davon, das venezolanische Öl für einen unbestimmten Zeitraum mit Waffengewalt zu stehlen, um damit Druck auf das Land auszuüben und es zu kontrollieren. Der Umfang und die Irrsinnigkeit dieses Plans sind absolut erschütternd", sagte Murphy gegenüber Reportern. Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdölvorkommen der Welt, bis 2005 war das Land einer der wichtigsten Öllieferanten der USA. Allerdings ist die derzeitige Fördermenge dafür recht gering – Experten zufolge ist das auf einen jahrelangen Mangel an Investitionen in die Infrastruktur sowie US-Sanktionen zurückzuführen. Am Mittwoch kündigte die US-Regierung eine Lockerung von Sanktionen gegen Venezuela an. Ziel sei es, den Transport und den Verkauf venezolanischen Öls auf dem Weltmarkt zu ermöglichen. Welche Sanktionen genau gelockert werden sollen und wann, ging aus der Ankündigung nicht hervor. Alle Erlöse aus dem Verkauf werden demnach zunächst auf von den USA kontrollierten Konten bei weltweit anerkannten Banken verbucht. Unklar ist, wie transparent diese Vorgänge ablaufen werden. Energieminister Wright hatte eingeräumt, dass hier noch Klärungsbedarf besteht. Das Ölgeschäft ist für Venezuelas Regierung die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle. Zuletzt war China der größte Abnehmer für venezolanisches Erdöl. US-Konzerne sollen nach der Ansicht Trumps nun kräftig investieren und die marode Ölindustrie in Venezuela wieder aufbauen. Außenminister Rubio sagte, dass künftig "amerikanische, westliche und andere Unternehmen" Zugang zum venezolanischen Markt bekommen sollten. Viele Demokraten werfen dem Präsidenten vor, Venezuela nur wegen seiner Ölreserven angegriffen zu haben. Die Festnahme von Maduro wegen angeblicher Drogendelikte sei nur ein Vorwand gewesen. US-Streitkräfte hatten in der Nacht zum Samstag bei einem Militäreinsatz Ziele in Venezuela angegriffen, Staatschef Nicolás Maduro und dessen Frau Cilia Flores gefangen genommen und in die USA gebracht. Die USA hatten im Uno-Sicherheitsrat argumentiert, Maduros Festnahme sei eine "chirurgische Strafverfolgungsmaßnahme" gegen einen "Drogenterroristen" gewesen. An dieser Auslegung gibt es erhebliche Zweifel. Vier Tage nach der Festnahme Maduros hat die deutsche Bundesregierung das Vorgehen der Vereinigten Staaten erstmals kritisiert. Die USA hätten im Sicherheitsrat "nicht überzeugend dargelegt, dass ihr Vorgehen völkerrechtskonform war", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. Eine eindeutige rechtliche Bewertung des US-Vorgehens nahm die deutsche Regierung aber noch nicht vor. Aus der Opposition war die Bundesregierung für ihre Zurückhaltung in der Frage scharf kritisiert worden. Venezuela, Kuba, Haiti: Die USA betrachten Lateinamerika seit jeher als ihre Einflusssphäre. Diese Politik begann vor 200 Jahren mit einer Doktrin, auf die sich nun auch Donald Trump beruft. Lesen Sie hier mehr über Amerikas Lizenz zum Angriff .