Datum07.01.2026 21:54
Quellewww.spiegel.de
TLDRSturmtief "Elli" bringt ab Freitag heftigen Schnee, Eis und Kälte nach Deutschland. Besonders betroffen sind die Nordhälfte und die Mittelgebirge, während der Süden milder mit Regen rechnen kann. In Hamburg wurden wegen des Winterwetters Beerdigungen abgesagt und Schulen wechseln teilweise in den Distanzunterricht. Die Deutsche Bahn warnt vor spürbaren Beeinträchtigungen im Bahnverkehr, insbesondere im Norden. Die Bevölkerung wird aufgefordert, sich mit Lebensmitteln einzudecken und unnötige Fahrten zu vermeiden.
InhaltDeutschland zittert, schuld ist "Elli": Das Sturmtief bringt uns heftigen Wind, Eis und Schnee. In Hamburg wurden vorsorglich Beerdigungen abgesagt, auf Fehmarn wird ein Lebensmittelvorrat empfohlen. Viele Teile Deutschlands liegen seit Tagen unter einer dauerhaften Schnee- und Eisdecke – und das wird in den kommenden Tagen, wenn man sich die Wetteraussichten ansieht, so bleiben. Mehr noch: Die Lage wird vor allem Richtung Wochenende turbulent. Zunächst gibt es am Mittwochabend und Donnerstag gebietsweise weiterhin immer wieder Niederschläge, die oft als Schnee auf den Boden fallen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. In der Nacht auf Freitag zieht dann ein Sturmtief auf direktem Weg nach Mitteleuropa und bringt noch mehr Schnee und Glatteis mit sich. "Sturmtief Elli übernimmt die Regie in einem echten Wetterkrimi", kündigt DWD-Experte Adrian Leyser Sturm an. Betroffen ist vor allem die Nordhälfte des Landes: "Im Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die zehn oder regional bis zu zwanzig Zentimeter Neuschnee zusammenkommen", so Leyser Sturm. Dabei kann der kräftige Wind die lockere Schneedecke verwehen und zu größeren Behinderungen auf Straßen und Wegen führen. Ähnliche Schneemengen seien in den Mittelgebirgen möglich. Milder ist es dagegen im Süden und Westen – ruhiger jedoch nicht: Dort bringt der stürmische Wind vorübergehend milde Atlantikluft, sodass die Niederschläge mitunter bis in höhere Lagen in Regen übergehen und zu Tauwetter führen. Der DWD warnt dort vor gefrierendem Regen und Glatteis. Die Höchsttemperaturen liegen am Freitag zwischen minus 6 Grad an der Oder und bis plus 8 Grad am Oberrhein. Am Samstag verlagert sich das Sturmtief dann über Deutschland südostwärts. "Rückseitig wird die Kaltluft wieder nach Süden geführt, sodass auch im Süden und Westen der Regen wieder in Schnee übergeht", sagt Leyser Sturm. Zum Sonntag beruhigt sich das Wetter langsam wieder. Die stürmischen und eiskalten Aussichten sorgen schon jetzt für Aufregung – und Planänderungen: In Hamburg wurden wegen des erwarteten Winterwetters mehrere Beerdigungen und Trauerfeiern abgesagt: Alle für Freitag und Samstag geplanten Termine müssten verschoben werden, insgesamt seien 33 Beisetzungen und 13 Trauerfeiern betroffen, bestätigte der Sprecher der Hamburger Friedhöfe, Lutz Rehkopf, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Als Grund nannte Rehkopf die Gefahr durch Schneebruch von Ästen. Die für den Donnerstag geplanten Trauerfeiern und Beisetzungen könnten jedoch wohl noch wie gewohnt stattfinden. Von Donnerstagabend bis Montagmorgen blieben aus Sicherheitsgründen zudem alle acht Friedhöfe des Trägers geschlossen, so Rehkopf weiter. Dazu zählt der größte Parkfriedhof der Welt, der Ohlsdorfer Friedhof. Auch bei der Deutschen Bahn wirkt sich das Winterwetter stark auf den Verkehr vor allem im Norden und Nordosten aus. Sie erwartet in den nächsten Tagen "spürbare Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs", wie es in einer Mitteilung heißt. Ab Donnerstagnachmittag gelten daher Einschränkungen unter anderem bei den Fernverkehrsverbindungen nach Norddeich-Mole, Kiel, Westerland/Sylt, Rostock, Binz/Rügen und Kopenhagen. Zudem seien Fernzüge auf einigen Schnellfahrstrecken vorsorglich langsamer unterwegs als gewohnt – zwischen Wolfsburg und Berlin, Hannover und Würzburg sowie Frankfurt und Köln müssten Fahrgäste daher mit Verspätungen und verpassten Anschlüssen rechnen, teilte die Bahn mit. Wer sich bereits ein DB-Ticket für Donnerstag, Freitag oder Samstag gekauft hat, könne dies daher auch an einem späteren Tag oder bereits am Mittwoch verwenden, erklärte die Bahn. Die Zugbindung sei aufgehoben, reservierte Sitzplätze könnten zudem kostenfrei storniert werden. Was während der Coronapandemie schon die Regel war, kehrt aufgrund des Winterwetters nun zurück: Viele Schulen wechseln in den Distanzunterricht. Mehrere Kreise etwa in Niedersachsen kündigten an, den regulären Präsenzbetrieb nicht aufrechtzuerhalten. Einige Verwaltungen verwiesen darauf, dass trotz eines pausenlosen Einsatzes der Räumdienste die Schulbeförderung mit Bussen nicht sichergestellt werden könne. Auch Hamburg schließt ein generelles "Schneefrei" nicht aus, wie es aus der Schulbehörde hieß. Die Einrichtungen würden spätestens am Donnerstag in einem Schulbrief noch einmal über die geltenden Regeln informiert. Menschen in den besonders betroffenen Landesteilen sollten sich, wenn möglich, überwiegend zuhause aufhalten, raten Experten. Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber etwa hat die Bevölkerung vorsichtshalber aufgefordert, nicht notwendige Fahrten zu vermeiden, Gegenstände im Freien zu sichern, sowie den aktuellen Wetter- und Warnmeldungen der offiziellen Stellen zu folgen. Außerdem sei es sinnvoll, sich mit Lebensmitteln für mindestens drei Tage einzudecken, damit der Wohnbereich während der schwierigen Wetterlage nicht verlassen werden muss. Die Stadt Fehmarn habe alle notwendigen Stellen in Bereitschaft versetzt. Ähnlich äußerte sich der Kreis Ostholstein. Auch andere europäische Länder hält der Winter im Griff. In Paris, der Hauptstadt Frankreichs, sorgte Schneefall für ein Verkehrschaos. Der Busverkehr in der gesamten Stadt wurde am Mittwoch vorübergehend eingestellt. Auch bei Straßenbahnen, der Metro und den Regionalzügen gab es wegen des Wetters Störungen. An den Flughäfen der Stadt wurden die Flüge am Morgen reduziert. Im nordfranzösischen Lille wurde der Busverkehr ebenfalls eingestellt. In Tschechien sackte mancherorts die Temperatur in den zweistelligen Minusbereich ab. In Brünn (Brno) wurde ein obdachloser Mann tot aufgefunden, der wahrscheinlich an Unterkühlung gestorben war. Hilfsorganisationen riefen dazu auf, Schlafsäcke, warme Kleidung und Decken für Menschen auf der Straße zu spenden. Auch im Osten der Slowakei waren zahlreiche Straßen blockiert. In Kosice, der zweitgrößten Stadt des Landes, konnten die öffentlichen Verkehrsmittel mehrere Haltestellen in hügeligen Stadtteilen nicht anfahren. Auch die Müllabfuhr konnte Teile der Großstadt nicht erreichen. In Ungarn fielen zahlreiche lokale Züge im Großraum Budapest und in einigen anderen Regionen aus. Ungeräumte Straßen führten fast im ganzen Land zu Verkehrsbehinderungen. Am Flughafen Budapest kam es vor allem wegen Verzögerungen bei der Enteisung der Flugzeuge zu zahlreichen Verspätungen. Starke Schneefälle und orkanartige Stürme unterbrachen in Kroatien die Verkehrsverbindungen zwischen dem Binnenland und der dalmatinischen Küste. Dutzende Reisende saßen in der Nacht zum Mittwoch im Schnellzug von Zagreb nach Split fest, weil die Lokomotive im Bahnhof Knin im gebirgigen dalmatinischen Hinterland nicht mehr weiterfahren konnte. Zugleich sperrten die Behörden die Autobahn, die die Hauptstadt Zagreb und die Adriametropole Split verbindet.