Datum07.01.2026 19:52
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Artikel thematisiert das Krisenmanagement von Kai Wegner, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, während eines großflächigen Stromausfalls, bei dem er mehrere Stunden auf dem Tennisplatz verbrachte. Dies wirft Fragen zur Ernsthaftigkeit seiner Reaktion auf. Der Text vergleicht Wegners Verhalten mit anderen politischen Fehltritten während Krisen, wie Armin Laschets Lachen während der Hochwasserkatastrophe und Anne Spiegels Urlaub nach der Flut. Solche Verhaltensweisen führten häufig zu erheblichem politischen Druck und Rücktritten.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Verhalten im Fokus“. Lesen Sie jetzt „Urlaub, Lacher, Tennisspiel - Politiker-Patzer mit Folgen“. Im Südwesten Berlin fließt mehrere Tage nach dem Brandanschlag wieder Strom. Lief beim Krisenmanagement alles glatt? Kai Wegner, der Regierender Bürgermeister, muss sich fragen lassen, ob er am ersten Tag des großflächigen Stromausfalls die Lage ernst genug genommen hat. Denn wie am Mittwoch herauskam, hatte der CDU-Politiker mehrere Stunden nach Beginn des Stromausfalls Samstagmittag eine Stunde lang auf dem Tennisplatz verbracht. Am Sonntag noch hatte er auf eine Journalistenfrage zum Tagesablauf am Samstag das Tennisspiel nicht erwähnt. Schon kommt Kritik auf - und manche Erinnerung an andere Fälle, in denen das Verhalten von Politikern in Krisenlagen für Ärger sorgte: Der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) besuchte im Juli 2021 das Hochwassergebiet in Erftstadt. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Fernsehkameras den zahlreichen Opfern der verheerenden Katastrophe sein Mitgefühl aussprach, war im Hintergrund zu sehen, wie Laschet im Gespräch mit anderen lachte. Die Szene kostete ihn viele Sympathien. Zwei Monate später verlor die Union die Bundestagswahl. Im Zusammenhang mit der Ahrtal-Flutkatastrophe trat die Grünen-Politikerin Anne Spiegel im April 2022 als Bundesfamilienministerin zurück. Zuvor war sie als rheinland-pfälzische Landesumweltministerin für den Hochwasserschutz zuständig gewesen - und zehn Tage nach der Flut zu einem vierwöchigen Familienurlaub nach Frankreich aufgebrochen. Die Kritik daran führte letztlich zum Rücktritt von ihrem neuen Amt. Nach monatelanger Kritik an ihrer Amtsführung trat Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) im Januar 2023 von ihrem Amt zurück. Negativ ausgelegt wurde ihr unter anderem ein Foto, das ihren Sohn bei der Mitreise im von ihr genutzten Bundeswehrhubschrauber zeigt. Zudem irritierte sie mit einer Neujahrsbotschaft auf Instagram, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk über den Ukraine-Krieg sprach. Ein Vorgänger Lambrechts, Rudolf Schaping (SPD), stolperte über Homestory-Fotos, die ihn mit seiner neuen Lebensgefährtin im Swimmingpool auf Mallorca zeigten. Die "Bunte" veröffentlichte die Bilder zu einer Zeit, in der der Regierung über die Entsendung deutscher Soldaten nach Mazedonien entscheiden musste. Von da an wurde Scharping in der Öffentlichkeit besonders kritisch beäugt. Die Mallorca-Affäre war einer von mehreren Gründen für Scharpings Entlassung im Juli 2002. © dpa-infocom, dpa:260107-930-511561/1