Datum20.10.2025 05:33
Quellewww.zeit.de
TLDRDie EU warnt vor Russlands "Schattenflotte", die bis zu 1.400 Tanker umfasst und Sanktionen umgeht. Diese alten Schiffe gefährden Umwelt und Schifffahrtssicherheit, da sie oft unzureichend versichert sind. Bei Havarien könnten Steuerzahler für Schäden aufkommen. Zudem befürchtet die EU, dass sie als Plattform für Drohneneinsätze dienen könnten. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schlägt vor, strengere Maßnahmen gegen die Schiffe und eine intensivere Zusammenarbeit mit Küstenländern zu ergreifen, während die EU ihre Sanktionen ausweitet.
InhaltMit seiner sogenannten Schattenflotte umgeht Russland Sanktionen. Die Schiffe stellen laut EU-Experten auch eine Gefahr für Umwelt und Schifffahrtssicherheit dar. Russlands sogenannte Schattenflotte bereitet der Europäischen Union zunehmend Sorgen. Bis zu 1.400 Tanker nutzt Russland inzwischen, um die internationalen Ölsanktionen gegen das Land zu umgehen, wie aus einem Arbeitspapier für ein Außenministertreffen an diesem Montag in Luxemburg hervorgeht. "Diese Schiffe tragen nicht nur zur russischen Kriegswirtschaft bei, sondern stellen auch eine erhebliche Gefahr für Umwelt und Schifffahrtssicherheit dar", warnen Experten der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas in dem Dokument. Die sogenannte Schattenflotte besteht hauptsächlich aus alten Schiffen mit schwer nachvollziehbaren Eigentumsverhältnissen. Viele sind laut Experten zudem nicht oder nur unzureichend versichert. Sollte es bei einer Havarie zu einer Ölkatastrophe kommen, müssten daher wohl die Steuerzahler der betroffenen Staaten für die Beseitigung der Schäden an Küstengebieten, Ökosystemen und der Fischerei aufkommen. Mithilfe der Tanker umgeht Russland seit Jahren einen von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl. Nicht nur sind die Eigentümer der Schiffe selbst schwer ausfindig zu machen, auch die Herkunft des geladenen Öls soll verschleiert werden. Dafür wird das Öl mitunter auf hoher See auf andere Tanker umgeladen und die Transponder des satellitengestützten automatischen Schiffsidentifizierungssystems (AIS) ausgeschaltet oder manipuliert. Außerdem befürchtet die EU laut dem Papier, dass die Schiffe als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder Spionageangriffe genutzt werden können. Diesen Verdacht gab es auch nach den mysteriösen Drohnensichtungen in Dänemark, die vor allem in der Hauptstadt Kopenhagen zu erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs geführt hatten. Die EU-Außenbeauftragte Kallas schlägt deshalb nun vor, nicht nur schärfer gegen beteiligte Schiffe und Reedereien vorzugehen, sondern auch noch intensiver mit Küstenländern und solchen Staaten zu kooperieren, unter deren Flagge die Schiffe registriert sind. Diese Staaten sollen im Idealfall ihr Einverständnis geben, dass Schiffe von Marinekräften aus EU-Ländern kontrolliert werden dürfen. Drei EU-Marinemissionen sind dem Papier zufolge bereits im Einsatz, um die Schattenflotte zu überwachen. Auch die Bundeswehr ist daran beteiligt. Zudem will die EU im Zuge des 19. Sanktionspaketes gegen Russland die Zahl der von Hafenverboten und Strafmaßnahmen betroffenen Schiffe von derzeit 444 auf 562 erhöhen.