Schafe stürmen Penny-Markt: »Ich habe die Polizei angerufen und gesagt: ›Ich habe ein Schafproblem‹«

Datum07.01.2026 18:02

Quellewww.spiegel.de

TLDRIm Penny-Markt in Burgsinn stürmten etwa 50 Schafe hinein, nachdem sich ein Teil einer Herde von 600 Tieren verirrt hatte. Marktleiter Jürgen Kippes schildert, wie er mit dem unerwarteten Besuch umging und schließlich die Schafe mit Hilfe eines Lärms vom Kassenband wieder nach draußen lockte. Die Polizei und der Schäfer wurden informiert, und der finanzielle Schaden durch die tierische Störung hielt sich in Grenzen. Kunden erlebten die Situation als amüsant und dokumentierten sie in sozialen Medien.

InhaltWas macht man, wenn plötzlich 50 Schafe im Supermarkt stehen? Penny-Marktleiter Jürgen Kippes hat es erlebt. Hier schildert er, wie er die Herde wieder losgeworden ist. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. SPIEGEL: Herr Kippes, ihr Penny-Markt im unterfränkischen Burgsinn hat bundesweit Schlagzeilen gemacht: Am Montagmorgen verirrten sich ungefähr 50 Schafe in das Geschäft. Wie haben Sie die Situation erlebt? Kippes: Ich war hinten im Laden und habe Konserven ausgepackt. Auf einmal hat die Kollegin an der Kasse gerufen: "Kommt bitte vor." Es klang dringend. Jürgen Kippes ist Marktleiter des Penny-Discounter im unterfränkischen Burgsinn (Landkreis Main-Spessart) SPIEGEL: Und Sie haben sich auf den Weg gemacht? Kippes: Ich habe erst mal gerufen: "Wir kommen gleich, kannst schon mal auflegen lassen." Für mich war in dem Moment klar: Okay, wir brauchen eine zweite Kasse. Dann habe ich mich mit einem Kollegen auf den Weg nach vorn gemacht. Und auf einmal sehen wir die Schafe. Sie stehen bei den Selbstscannerkassen und machen: "mäh, mäh, mäh." SPIEGEL: Haben Sie denn eine Idee, wie und warum sich die Schafe in Ihren Markt verirren konnten? Kippes: Der Schäfer hat es mir mittlerweile erklärt. Eigentlich umfasst seine Herde ja 600 Schafe und ein kleiner Teil hatte sich da herausgelöst. Die Gruppe hat sich dann verirrt und ist schließlich bei mir auf dem Parkplatz aufgetaucht. Von dort kam dann offenbar eine Kundin in den Markt. Sie hatte in der Tasche wohl irgendetwas, das geraschelt hat – dem Geräusch sind die Schafe dann hinterher, weil sie dachten, es gibt Futter. Die Kundin ist dann aber gar nicht weit in den Markt hinein, sondern direkt in den Kassenbereich, vielleicht wollte sie nur Zigaretten kaufen. Deswegen sind die Schafe auch gleich dort gelandet. Und da haben sie sich dann ein bisschen verkeilt. SPIEGEL: Wie haben sie reagiert, als sie die Situation erfasst hatten? Kippes: Ich habe den Schäfer gesucht: Ich habe gedacht, der Schäfer geht einkaufen. "Wo ist denn der? Geht der wirklich mit seinen Schafen in den Supermarkt? Das geht doch nicht!" Das waren die Dinge, die mir durch den Kopf gingen. Ich bin dann auch eine Weile durch den Markt gelaufen und habe ihn gesucht. Irgendwann wurde mir dann klar: Hier ist kein Schäfer. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. SPIEGEL: Waren denn weitere Kunden da? Kippes: Sogar recht viele, am Tag davor war ja Sonntag und am Tag darauf in Bayern Feiertag. Die Leute fanden es ziemlich lustig, haben Bilder und Videos gemacht. Minuten später sind dann ja auch schon die ersten Aufnahmen in sozialen Medien aufgetaucht. SPIEGEL: Und die Schafe? Kippes: Die haben sich nicht stören lassen. Die standen einfach da und haben Kot abgelassen ohne Ende. Nicht mal gefressen haben sie etwas. Aber okay, wenn die beim Obst gewesen wären, hätten wir die Abteilung wohl zumachen können. SPIEGEL: Wie sind Sie Ihre ungebetenen Besucher wieder losgeworden? Kippes: Das war ganz schön schwierig. Die Schafe waren ja schon ziemlich breit und wuschig. Wir haben sie gepackt, versucht, sie wegzuschieben oder zu ziehen, aber die Tiere waren einfach zu schwer. Die haben sich nicht bewegt, einfach nur gemäht. Nach vielleicht 20 Minuten hat dann eine Mitarbeiterin einfach mal aufs Kassenband geschlagen, und zwar richtig heftig – und die Schafe sind schnurstracks wieder raus. SPIEGEL: Sie hat gewissermaßen den bellenden Schäferhund ersetzt. Kippes: Das kann sein. Dass die Schafe ein Geräusch gehört und gedacht haben: "Ah, wir müssen weg." SPIEGEL: Wobei, ganz weg waren sie ja noch nicht. Kippes: Genau, sie standen an der Leitplanke vor dem Markt. Ich habe dann die Polizei angerufen und gesagt: "Ich habe ein Schafproblem." Die haben erst mal laut gelacht, sind dann aber schnell gekommen. Und der Schäfer auch, der hat die Herde dann abgeholt. SPIEGEL: Wie sah ihr Markt denn anschließend aus? Haben Sie einen größeren Schaden zu beklagen? Kippes: Eigentlich nicht. Es gab eine ziemliche Sauerei an der Kasse, weil die Tiere ja so viel Kot abgelassen haben, aber das ließ sich relativ schnell entfernen. Insofern war es auch praktisch, dass am Dienstag Feiertag war, da hat eine Reinigungsfirma den Markt komplett sauber gemacht. Aber der finanzielle Schaden ist minimal. Den werden wir dem Schäfer auch nicht in Rechnung stellen. SPIEGEL: Und was bekommen Sie von Freunden und Bekannten zu hören? Kippes: Ich habe eine ganze Menge an WhatsApp-Nachrichten bekommen. Interessanterweise haben ganz schön viele Leute die Geschichte erst nicht geglaubt: Die haben auf Social Media das Video gesehen und wollten von mir wissen, ob es KI ist. Nee, das ist Penny Burgsinn live.