Datum07.01.2026 17:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Artikel erläutert die historische Zugehörigkeit Grönlands zu Dänemark und das Interesse der USA, insbesondere unter Donald Trump, an der Insel. Trotz Trumps gescheiterter Kaufangebote bleibt Grönland geopolitisch wichtig, unter anderem wegen seiner Ressourcen und strategischen Lage. Dänemark und die grönländische Regierung lehnen eine Übernahme ab, während Umfragen zeigen, dass viele Grönländer Unabhängigkeit von Dänemark wünschen. Grönland bleibt autonom, hat jedoch weiterhin Verbindungen zur Nato und zur EU, die es als Rohstofflieferanten anerkennt.
InhaltVor Trump wollte bereits ein Politiker Grönland kaufen und gab ein Angebot über 100 Millionen Dollar ab. Warum sich der aktuelle US-Präsident für die Insel interessiert – und wieso sie zu Dänemark gehört. Der Überblick. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. "Dreht Donald Trump jetzt völlig durch?", fragte DER SPIEGEL im Jahr 2019. Der damalige und heutige US-Präsident war gerade mit seinem Kaufangebot für Grönland abgeblitzt . Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen fand deutliche Worte: Erstens entschieden die Grönländer selbst, was mit ihrer Insel passiere und zweitens stünde diese nicht zum Verkauf. Der US-Präsident bezeichnete Frederiksen daraufhin als "nasty" (deutsch: gemein), cancelte einen Staatsbesuch und auch der Rest der westlichen Welt fragte sich, ob Trump noch bei Trost war. Dessen Grönlandfantasie – ein imperialistischer Witz. Rund sechs Jahre, einen US-Präsidenten Trump und einen Maduro-Sturz später, lacht niemand mehr über Trumps Übernahmepläne. Stattdessen blicken die Europäer mit Sorge auf die Zukunft der größten Insel der Welt. Warum interessiert sich Trump so für Grönland, warum gehört die Insel zu Dänemark und welcher US-Politiker hat schon einmal ein Angebot für sie abgegeben? Der Überblick. Hauptstadt: Nuuk Fläche: 2.166.086 km² – davon sind über 80 % permanent von Eis bedeckt, diese Eisdecke ist teils 4 km dick Einwohner: 57.000 Sprachen: Grönländisch, Dänisch Staatsoberhaupt: Dänemarks König Frederik X. Regierungschef: Jens-Frederik Nielsen Grönland liegt auf dem nordamerikanischen Kontinent, gehört politisch und kulturell jedoch seit dem zehnten Jahrhundert zu Europa. Indigene kamen von Nordamerika aus wohl schon ab 2500 v. C. und besiedelten die Insel . Im Jahr 982 dann entdeckte Erik der Rote Grönland. Mit dem Wikinger kamen nordische Siedlungen. Im 18. Jahrhundert erhob dann Dänemark Anspruch, sperrte die Küste für andere Länder und sicherte sich ein Handelsmonopol. Grönland wurde dänische Kolonie. Im Zweiten Weltkrieg stellten die USA Grönland während der deutschen Besatzung Dänemarks unter Schutz. Nach Kriegsende übergaben die USA die Insel dann wieder an Dänemark. Das Land machte es 1953 zum gleichberechtigten Teil des dänischen Königreichs. Offiziell sind Grönländer dänische Staatsbürger. Seit 1979 darf Grönland sich als weitgehend autonomes Überseegebiet selbst verwalten, es gehört jedoch weiter zum Königreich Dänemark und ist damit auch Teil der Nato. Die USA sehen Grönland schon lange als strategisch wichtig an. Während des Kalten Krieges haben sie einen Militärstützpunkt mit Radarstation und Flugplatz nahe Qaanaaq (ehemals dänisch: Thule) errichtet, der bis heute besteht und mittlerweile Pituffik Space Base heißt. Zusätzlich zur Militärbasis sollte Ende der Fünfzigerjahre auch eine Art Geheimstadt entstehen, acht Meter unter dem Eis, mit Unterkünften für bis zu 200 Soldaten und einem mobilen Atomreaktor. Doch das Projekt wurde nie fertiggestellt. Donald Trump spricht immer wieder von "nationaler Sicherheit", wenn er eine Einnahme Grönlands mit militärischer Absicherung zu begründen versucht. Doch das ist nicht alles. Durch die Erderwärmung schmilzt die Eisschicht auf Grönland und im Arktischen Meer. Dadurch werden nicht nur neue mögliche Handelsrouten in der Arktis freigelegt, sondern auch der Zugang zu Bodenschätzen. Trump interessiert sich für die Insel also vor allem aus geopolitischen Gründen: als Militärbasis und Teil einer Handelsroute. Und wegen der Rohstoffe. Hinzu kommt, dass eine Einnahme Grönlands eine Machtdemonstration in Richtung Europa wäre. Grönland ist reich an Bodenschätzen . Es gibt dort unter anderem seltene Erden, also wichtige Metalle, die man beispielsweise für die Herstellung von Smartphones benötigt. Auch Kupfer, Graphit und Lithium, sowie Öl und Gas sollen dort zu finden sein. 23 der 34 von der EU für den grünen und digitalen Wandel als kritisch eingestuften Rohstoffe liegen auf Grönland, wie Mineralforscher Jakob Kløve Keiding vom Geologischen Dienst für Dänemark und Grönland dem Magazin "GEO " sagte. Schon 2023 hat die EU ein Abkommen mit Grönland geschlossen, um es als strategischen Rohstofflieferanten zu sichern. Mehr dazu lesen Sie hier . Trump hatte schon 2019 in seiner ersten Amtszeit einen Besitzanspruch auf Grönland geäußert. Die Dänen hatten zunächst an einen Scherz geglaubt. Seitdem hat der US-Präsident seine Ansprüche auf die Arktisinsel mehrfach erneuert und dabei auch militärische Gewalt nicht ausgeschlossen, um Grönland unter seine Kontrolle zu bringen. Auch Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller und Regierungssprecherin Karoline Leavitt äußerten sich ähnlich. Außenminister Marco Rubio hat offenbar einen Kauf der Insel ins Auge gefasst, dem ist auch Trump nicht abgeneigt. Grönland und Dänemark haben sich gegen die Vorstöße der USA ausgesprochen. Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen und der grönländische Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen reagierten mit einer gemeinsamen Stellungnahme: "Man kann nicht einfach ein anderes Land annektieren", hieß es darin. "Grönland gehört den Grönländern." Sieben europäische Länder haben sich mit der Arktisinsel Grönland solidarisiert. "Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark. Theoretisch ist ein Verkauf nicht ausgeschlossen, allerdings nur, wenn Dänemark und die Grönländer zustimmen. Diese haben dies in der Vergangenheit allerdings vehement abgelehnt. Eine andere Inselgruppe dagegen hat Dänemark bereits vor mehr als 100 Jahren an die USA verkauft. 1917 wechselten die Westindischen Inseln, die seitdem Amerikanische Jungferninseln heißen, für 25 Millionen Dollar in Gold den Besitzer. Das dänische Parlament hatte den Deal abgewickelt, ohne die Bewohner der karibischen Inselgruppe zu befragen. Rund 30 Jahre später erreichte Dänemark eine weitere Anfrage aus den USA. 1946 legte US-Außenminister James Byrnes seinem dänischen Amtskollegen ein Angebot über 100 Millionen US-Dollar für Grönland vor. US-Zeitungen berichteten darüber erst 1977. Motivation für das Kaufangebot waren damals nicht die unter dem Eis vermuteten Bodenschätze, sondern militärische Gründe. Grönland liegt im Nordatlantik, beziehungsweise im Arktischen Ozean, in strategisch wichtiger Nähe zu dem damaligen Feind im Kalten Krieg – der Sowjetunion. Strategische Käufe haben in den USA Tradition. Schon 1867 verhökerte Russland die Kolonie Alaska – für 7,2 Millionen Dollar. Erst zeterten die US-Amerikaner über die "Gefriertruhe". Bis sie Gold entdeckten, und dann Öl. Mehr dazu lesen Sie hier. 85 Prozent der Grönländer sind dagegen, dass ihr Land Teil der USA wird. Nur sechs Prozent sprechen sich laut einer Umfrage von 2025 dafür aus. Doch die Umfrage zeigt auch: Eine Mehrheit der Befragten, 56 Prozent, ist für die vollständige Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark. Zwar bietet Dänemark wirtschaftliche Unterstützung und militärische Sicherheit, trotzdem wünschen sich viele Grönländer langfristig politische Unabhängigkeit.