Berlin: Kai Wegner spielte offenbar Tennis während des Stromausfall

Datum07.01.2026 17:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner steht unter Druck, nachdem bekannt wurde, dass er während eines mehrtägigen Stromausfalls, der 100.000 Menschen betraf, Tennis spielte, statt sich dem Krisenmanagement zu widmen. Die Opposition kritisiert seine Inaktivität, während Wegner angibt, immer erreichbar gewesen zu sein und sich aktiv um die Situation gekümmert zu haben. Der verheerende Stromausfall, ausgelöst durch einen Brandanschlag, war der längste in der Nachkriegsgeschichte der Stadt. Grüne Spitzenkandidaten äußern Entsetzen über Wegners Verhalten.

InhaltWährend des tagelangen Stromausfalls in Berlin hatte der Regierende Bürgermeister erklärt, "den ganzen Tag am Telefon" zu sein. Tatsächlich ging Kai Wegner jedoch wohl zum Tennis. Die Opposition reagiert scharf. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat während des Stromausfalls in den vergangenen Tagen offenbar weniger Zeit mit Krisenmanagement verbracht als bislang behauptet. Tatsächlich habe der CDU-Politiker am Samstagmittag Tennis gespielt, berichtet der RBB. Die Senatskanzlei habe die Information auf Nachfrage bestätigt und erklärt, Wegner sei jedoch stets erreichbar gewesen. Auf eine entsprechende SPIEGEL-Anfrage reagierte die Senatskanzlei kurzfristig nicht. Wegner hatte sich zuletzt gegen Vorwürfe rechtfertigen müssen. Die Opposition hatte ihm vorgeworfen, er sei nicht bereits am ersten Tag des Stromausfalls in den betroffenen Stadtteilen im Südwesten der Hauptstadt gewesen. Auch der sonstige Umgang mit dem Brandanschlag einer mutmaßlich linksextremen Gruppe sorgte in Berlin für Kritik. Wegner hatte sich rechtfertigt und erklärt, er sei vom ersten Moment an in das Krisenmanagement eingebunden gewesen. "Ich habe mich weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren." Er habe sich "zu Hause in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne", so der Regierende Bürgermeister am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Er sei auch nicht im Urlaub gewesen, wie einige Nachrichtenseiten zunächst berichtet hatten. Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom. Der Spitzenkandidat der Berliner Grünen, Werner Graf, zeigte sich auf SPIEGEL-Anfrage schockiert von Wegners Handeln. Er sagte: "Ehrlich gesagt bin ich fassungslos. Der Regierende war Tennis spielen, obwohl er bereits wusste, dass 45.000 Berliner Haushalte ohne Wärme und Licht in einer Notlage waren und während Menschen in Gefahr gerieten. Das entspreche nicht den Erwartungen, die Berlinerinnen und Berliner an das Amt des Regierenden Bürgermeisters hätten. Nach Angaben Wegners waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen, viele mussten in Notunterkünften und kalten Wohnungen ausharren. Erst nach vier Tagen konnte die Stromversorgung im Laufe des Mittwochs wieder hergestellt werden. Es handelt sich um den längsten entsprechenden Ausfall in der Nachkriegsgeschichte der Stadt.