Datum07.01.2026 16:03
Quellewww.zeit.de
TLDRNach einem tagelangen Stromausfall in Berlin, verursacht durch einen Brandanschlag auf das Stromnetz, sind wieder alle Haushalte versorgt. Etwa 100.000 Menschen waren betroffen. Die Bewohner lernten, wie abhängig sie von Elektrizität sind, und setzten Kerzen sowie Speichermittel wie Powerbanks ein. Der Vorfall wurde als der längste Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte bezeichnet. Trotz der schwierigen Umstände zeigten viele Menschen Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftsgeist. Das Krisenmanagement wird von einigen Anwohnern positiv bewertet.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Stromausfall“. Lesen Sie jetzt „Berlin nach dem Blackout: "Man merkt, wie abhängig wir sind"“. Manchmal sind es schwierige Erfahrungen, die einen schätzen lassen, was man im Alltag hat. Nach dem tagelangen Stromausfall im Berliner Südwesten sind das die einfachen Dinge. "Wir haben uns gefreut, dass das Warmwasser ging", erzählt ein 86-Jähriger. Zum Zähneputzen, Rasieren und so. "Ach, ist das schön." Die Heizung sei dann auch langsam wiedergekommen. Eigentlich hatte er seinen Koffer schon gepackt, um ins Hotel zu ziehen. "Dann hat sich meine Frau nochmal umgedreht: "Sag' mal, warum brennt denn unsere Lampe auf dem Balkon draußen?" Da war der Strom wieder da", erzählt der Mann, der seit gestern wieder Strom hat. Nach dem tagelangen Blackout gibt es nun auch für Tausende andere Berlinerinnen und Berliner, die betroffen waren, gute Nachrichten. Die Energieversorgung für das Gebiet ist wieder angelaufen - alle Haushalte sind nach Angaben der Landesregierung wieder versorgt. Nach einem Brandanschlag auf das Stromnetz blieb es zwischenzeitlich in rund 45.000 Haushalten dunkel. Die ersten Tage hätten sie in der Wohnung ausgehalten, erzählt der 86-Jährige. Eine Freundin habe sie mal zum Essen eingeladen und dann hätten sie dort duschen können. Tagsüber hätten sie sich in anderen Stadtteilen herumgetrieben. Fragt man Leute, wie sie den Stromausfall geschafft haben, erzählen sie von warmer Kleidung und Powerbanks. "Es gibt Schlimmeres", sagt eine Passantin am Mexikoplatz. Aber man sei ganz schön gefangen und es sei kalt gewesen. Sie hätten Kerzen angezündet und sich warm angezogen. "Es gab viel Fürsorge und Hilfsbereitschaft", erzählt eine andere Frau, die seit Sonntag Strom hat. Am Rohgarten in Berlin-Nikolassee zieht eine Mutter ihre Tochter mit dem Schlitten zur Kita. "Die letzten Tage waren anstrengend", erzählt die 46-Jährige. Man habe ja nicht gewusst, wann die Normalität zurückkomme. In ihrer Wohnung sei es nur dunkel gewesen, Heizung und Warmwasser hätten funktioniert, daher sei sie sehr dankbar, denn andere habe es schlimmer getroffen. Die Familie habe sich mit Lichterketten und Kerzen beholfen, zusammengesessen und Spiele gespielt. Der Stromausfall war der längste der Berliner Nachkriegsgeschichte. Nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) waren insgesamt rund 100.000 Menschen betroffen. Ursache für den Blackout war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, den eine linksextremistische Gruppierung für sich reklamiert hat. "Ein bisschen beängstigend" sei natürlich, dass man mit relativ einfachen Mitteln so viel Infrastruktur lahmlegen könne, sagt ein Passant am Mexikoplatz, an dem es auch am Mittwoch eisig kalt ist. Noch ist nicht klar, wie gut alle Menschen den Stromausfall bei Minustemperaturen überstanden haben. Eine 62-Jährige in Nikolassee erzählt, der Stromausfall sei für sie persönlich eine Belastung gewesen. "Man merkt einfach, wie abhängig wir alle sind." Ihr habe, bevor der Notstrom dagewesen sei, vor allem die Kälte zu schaffen gemacht. Am Wochenende hätte sie sich mehr Informationen gewünscht, übers Handy sei das aber nicht möglich gewesen. Durch die Straßen fährt derweil ein Polizeiwagen, es ertönen Lautsprecherdurchsagen, unter anderem mit der Bitte, private Notstromaggregate vom Netz zu nehmen. In einer Nebenstraße steht ein dieselbetriebenes Notstromaggregat, das die Umgebung stundenweise versorgt. Am Abend hatte das THW Diesel nachgefüllt, etwa 40 Nachbarn standen daneben und schauten zu, manche sprachen zum ersten Mal miteinander, stellten sich einander vor. Als der Notstrom wieder lief, gab es Jubel und Applaus. Zurück zum Mexikoplatz. Nach Meinung des 86-Jährigen war das Krisenmanagement in Ordnung. Die Polizei sei abends mit Scheinwerfern und Lautsprechern durch die Straßen gefahren. "Haben sie jut jemacht." Ob er sich nach der Erfahrung nun anders vorbereite auf Stromausfälle? Ja, antwortet der Mann. Er wisse noch nicht wie, aber sie würden darüber nachdenken. "Wir hoffen, dass es nicht nochmal passiert." © dpa-infocom, dpa:260107-930-510627/1