Datum07.01.2026 10:56
Quellewww.zeit.de
TLDRDer deutsche Einzelhandel verzeichnete 2023 mit einem Umsatzplus von 3,6 Prozent den größten Anstieg seit der Corona-Pandemie. Inflationsbereinigt beträgt der Zuwachs 2,4 Prozent. Ein Sondereffekt durch Umstrukturierungen im Internet- und Versandhandel, vermutlich von Amazon, verzerrt jedoch die Zahlen. Branchenexperten warnen, dass dies keine verlässliche Basis für 2025 darstellt, da die Konsumstimmung stagnierte und die Werte von vor der Pandemie nicht erreicht wurden. Folgen für den Einzelhandel könnten gravierend sein.
InhaltIm vergangenen Jahr konnte der deutsche Einzelhandel seinen Umsatz um 3,6 Prozent steigern. Laut dem Handelsverband verzerrt ein Sondereffekt den Wert jedoch nach oben. Der deutsche Einzelhandel hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr deutlich steigern können. Die Einnahmen seien um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. Inflationsbereinigt liegt der Anstieg demnach bei 2,4 Prozent. Damit fiel er doppelt so hoch aus wie 2024 und war zudem der größte Zuwachs seit Beginn der Corona-Pandemie 2020. Den Wiesbadener Statistikern zufolge trug ein starkes erstes Halbjahr zum Umsatzplus bei. Dabei kam demnach ein Sondereffekt zur Geltung: Durch die Umstrukturierung eines größeren Unternehmens im Internet- und Versandhandel kamen Umsätze dazu, die in Deutschland bisher nicht erfasst worden seien. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Verweis auf Brancheninsider, dass es sich bei dem Unternehmen um den US-Konzern Amazon handelt. Insgesamt seien dadurch die Einnahmen des Einzelhandels im ersten Halbjahr inflationsbereinigt um 3,8 und im zweiten um 1,1 Prozent gestiegen. Der Sondereffekt lässt den Anstieg damit größer wirken als er faktisch ist. "Insofern ist das noch keine solide Grundlage, um das Jahr 2025 für den Einzelhandel und seine Umsätze einzuordnen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Zudem verwies Genth auf Erfahrungswerte, wonach das Statistische Bundesamt seine erste Schätzung nachträglich häufig nach unten korrigiere. 2025 sei "für viele Handelsunternehmen ein eher schwieriges Jahr" gewesen. "Die Konsumstimmung machte keine Fortschritte und konnte nie die Werte der Vor-Corona-Zeit erreichen." Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.