Datum07.01.2026 09:47
Quellewww.zeit.de
TLDREin Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin führte zu einem weitreichenden Stromausfall, der mehr als 100.000 Menschen betraf. Ursprünglich sollte die Stromversorgung bis Donnerstag ausbleiben, doch dank erfolgreicher Reparaturen wurde sie bereits am Mittwoch ab 11 Uhr wiederhergestellt. Der Vorfall, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, wird als "Linksterrorismus" eingeordnet. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Sabotage und Brandstiftung. Die Täter rechtfertigen ihre Tat im Kontext von Umweltschutz, verwehren sich aber gegen Spekulationen über ausländische Einmischung.
InhaltDer Stromausfall in Berlin sollte eigentlich bis Donnerstag anhalten. Laut Bürgermeister Kai Wegner wird die Versorgung jedoch bereits heute ab 11 Uhr wiederhergestellt. Der Stromausfall im Südwesten Berlins soll bereits im Laufe des heutigen Mittwochs und somit früher als erwartet wieder vollständig behoben werden. "Wir fahren heute ab 11.00 Uhr das Stromnetz in den betroffenen Gebieten schrittweise wieder hoch", teilte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf X mit. Die Reparaturen am Ort des Kabelbrands, der den Ausfall verursacht hatte, konnten demnach "erfolgreich abgeschlossen werden", schrieb Wegner. "Möglich wurde das auch, weil wir die Großschadenslage ausgerufen und damit die notwendigen Kräfte und Abläufe gebündelt haben." Zuvor hatte die Bild-Zeitung berichtet, dass der Stromzugang bereits um 11.00 Uhr für alle Verbraucher wiederhergestellt werde. "Wir arbeiten an einer Wiederversorgung heute im Laufe des Tages", sagte ein Sprecher der Firma Stromnetz Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Demnach war der Ausfall, der am Samstag begonnen hatte, der längste in der Nachkriegsgeschichte der Hauptstadt. Ursprünglich war der Senat davon ausgegangen, dass die Stromversorgung erst am Donnerstag wiederhergestellt wird. Am Mittwochmorgen waren nach Angaben des Betreibers noch knapp 20.000 Haushalte und 850 Betriebe ohne Strom. Notstromaggregate hatten am Vortag dem Senat zufolge ermöglicht, dass im betroffenen Gebiet alle Supermärkte und Pflegeheime wieder arbeiten konnten. Nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Betriebe hatten zeitweise keinen Strom. Einwohnerinnen und Einwohner der betroffenen Gebiete wurden unter anderem mit der Verteilung warmer Mahlzeiten und vom Land Berlin bezahlten Hotelübernachtungen unterstützt. Dabei waren unter anderem Kräfte der Bundespolizei und der Bundeswehr im Einsatz. "Es ist mir persönlich wichtig, dass wir jetzt die Menschen beim Wiederhochfahren unterstützen, damit insbesondere Heizungsanlagen keinen Schaden nehmen", schrieb Wegner. Ursache des Ausfalls war ein Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte. Laut einem Bekennerschreiben soll es sich um eine der sogenannten Vulkangruppen handeln, die bereits seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen. Wegner sprach dabei von "Linksterrorismus", auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann warf den mutmaßlichen Saboteuren linksextremen "Terror" vor. Ursprünglich hatte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt, am Montag übernahm die Bundesanwaltschaft den Fall. Sie ermittelt wegen des Verdachts auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe. Die mutmaßlichen Saboteure haben derweil laut mehreren Medienberichten ein zweites Bekennerschreiben veröffentlicht. Die Tat richte sich "nicht gegen Menschen", sondern gegen eine Infrastruktur, die täglich die Umwelt zerstöre, heißt es darin laut Berichten unter anderem des Tagesspiegels, der Bild-Zeitung und des RBB. Bereits im ersten Schreiben war Umweltschutz als ein Motiv genannt worden. In dem zweiten Schreiben widersprechen die mutmaßlichen Täter zudem Spekulationen, der Anschlag sei angeblich aus dem Ausland gesteuert. "Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren", heißt es darin. "Wer nun behauptet, hinter jeder Form von Sabotage müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigert sich der Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren." Auf sozialen Medien war es in den vergangenen Tagen zu Gerüchten gekommen, russische Geheimdienste könnten hinter dem Anschlag stehen. Darauf würden angeblich bestimmte Formulierungen im ersten Bekennerschreiben schließen lassen. Berliner Sicherheitsbehörden sowie Behörden des Bundes widersprachen dem jedoch. "Wir sehen dieses Bekennerschreiben als authentisch an und können damit sagen, es kommt aus dem linksextremistischen Bereich", sagte Berlins Polizeivizepräsident Marco Langer.