Wohnfläche: Wohnungen in Deutschland werden im Schnitt erstmals nicht größer

Datum07.01.2026 08:51

Quellewww.zeit.de

TLDRErstmals seit Jahrzehnten sinkt die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berichtet. Nach einem Anstieg von 69 auf 94 Quadratmeter seit 1965 könnte die durchschnittliche Fläche bis 2050 auf etwa 88,5 Quadratmeter schrumpfen. Ursachen sind der Anstieg der Einpersonenhaushalte und hohe Immobilienpreise, die größere Wohnungen unerschwinglich machen. Der Trend hin zu kleineren, energieeffizienten Wohnungen wird als notwendige Anpassung an demografische und wirtschaftliche Veränderungen gesehen.

InhaltErstmals seit Jahrzehnten ist die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland nicht gewachsen. Die Wohnfläche werde sogar schrumpfen, sagen Ökonomen voraus. Nach Jahrzehnten kontinuierlich wachsender Wohnflächen deutet sich einer Studie zufolge eine Trendwende an. Erstmals seit Beginn der Erhebungen stagniere die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland und dürfte in den kommenden Jahren sogar schrumpfen, heißt es in einer der ‍Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). ​ Allein seit 1965 habe sich die durchschnittliche Wohnungsgröße ‌von 69 auf 94 Quadratmeter erhöht und damit um mehr als ein Drittel. Parallel dazu habe sich ⁠die Wohnfläche pro Person von knapp 20 auf ​gut 49 Quadratmeter mehr als verdoppelt. Doch seit etwa 2005 werden Neubauwohnungen wieder kleiner, fanden die Berliner Forscherinnen und Forscher heraus. Das mache sich nach und nach auch ⁠im Bestand bemerkbar. Bis 2050 dürfte die durchschnittliche Wohnung etwa sechs Quadratmeter kleiner sein als heute und bei etwa 88,5 Quadratmetern liegen. "Über Jahrzehnte haben steigende Einkommen und der Wunsch nach mehr Komfort dazu geführt, dass unsere Wohnungen immer größer wurden", sagte DIW-Immobilienexperte und Studienautor Konstantin Kholodilin. "Doch die Wachstumsphase scheint vorbei. Der Rückgang der Neubaugrößen signalisiert einen strukturellen Wandel auf dem gesamten Wohnungsmarkt." Ursache dafür sind demnach kleinere Haushalte und gestiegene Immobilienpreise. Die Entwicklung in Deutschland ähnele der in vielen anderen Industrieländern. In Belgien, ‍Japan oder Norwegen seien Neubauwohnungen bereits um die Jahrtausendwende durchschnittlich kleiner geworden, in Frankreich, Polen und Russland wenige Jahre später. Die demografische Entwicklung gilt ⁠als Hauptfaktor für die durchschnittliche Wohnungsgröße. Der Anteil der Einpersonenhaushalte in Deutschland hat sich dem DIW zufolge seit den 1960er Jahren auf 41 Prozent verdoppelt. In Großstädten wie Berlin oder München liegt er sogar bei rund 50 ⁠Prozent.  Der starke Anstieg der Immobilienpreise seit 2010 verschärfe die Entwicklung. Viele Menschen könnten sich ⁠größere Wohnungen nicht mehr leisten. Für Bauträger wiederum seien kleine Wohnungen wirtschaftlich attraktiver. Obwohl die durchschnittliche Haushaltsgröße ‌in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geschrumpft ist, dominieren im Bestand nach wie vor große Wohnungen. Aus dieser Diskrepanz schließt das DIW, dass der Wohnungsmarkt vor einer Anpassung steht. "Wenn neue Wohnungen kleiner werden, ⁠ist dies kein Rückschritt, sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten", sagte Co-Autor Sebastian Kohl. "Kleinere, gut geschnittene ‍und energieeffiziente Wohnungen werden die zentrale Wohnform der Zukunft sein und sie sind ein Schlüssel, um den großen Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken."