Datum07.01.2026 08:48
Quellewww.spiegel.de
TLDRIn Berlin wurde ein Anschlag auf das Stromnetz verübt, welcher linksextremen Tätern zugeschrieben wird. Ein neues Bekennerschreiben der "Vulkangruppe" weist Spekulationen über russische Beteiligung zurück. Der Brand an einer Kabelbrücke führte zu einem Stromausfall, der mehr als 45.000 Haushalte betroffen hat. Die Polizei betrachtet das Schreiben als authentisch. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen terroristischer Aktivitäten aufgenommen. Aktuell sind noch etwa 19.900 Haushalte ohne Strom, die Wiederherstellung wird für den Nachmittag erwartet.
InhaltDie Polizei ordnet den Sabotageakt an Stromkabeln in Berlin klar linksextremen Tätern zu. Doch es kursieren auch Spekulationen zu einer russischen Beteiligung. Darauf geht ein neues Bekennerschreiben ein. Wenige Tage nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung Berlins ist ein weiteres Schreiben der "Vulkangruppe" aufgetaucht. In dieser sogenannten Richtigstellung auf dem linken Portal "knack.news" werden unter anderem Spekulationen um die Beteiligung eines ausländischen Staates zurückgewiesen. "Dass Menschen hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen, passt nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden", heißt es in dem Schreiben. "Also wird ein äußerer Feind konstruiert." Den deutschen Behörden liegen derzeit keine Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Anschlag um eine "False Flag"-Aktion eines ausländischen Geheimdienstes handelt. Das erfuhr der SPIEGEL aus Sicherheitskreisen. Auch Berlins Polizei-Vizepräsident Marco Langner betonte mit Blick auf Russland: "Darauf gibt es bislang gar keine Hinweise." Und weiter: "Die Prüfungen, die wir vorgenommen haben in Zusammenarbeit mit dem BKA, weisen eben auf diese ›Vulkangruppe‹ hin – und zwar sehr deutlich. Wir sehen dieses Bekennerschreiben als authentisch an und können damit sagen, es kommt aus dem linksextremistischen Bereich." Am Morgen des 3. Januar war an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal ein Feuer ausgebrochen, das wichtige Versorgungsleitungen zerstörte. Der Brand führte zu einem Stromausfall im Südwesten Berlins, von dem in der Spitze mehr als 45.000 Haushalte betroffen waren. Der Blackout umfasste auch Pflegeeinrichtungen für alte und kranke Menschen. Wenig später verschickten anonyme Urheber, die sich als "Vulkangruppe: Den Herrschenden den Saft abdrehen" bezeichneten, ein Bekennerschreiben. Demnach sollte das Ziel ihres Anschlags ein Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde sein, um "die Ausbeutung der Erde zu unterbrechen". Der Angriff sei "ein Akt der Notwehr und der internationalen Solidarität mit allen, die die Erde und das Leben schützen". Nun meldeten sie sich erneut, "weil nach unserer ersten Erklärung vieles bewusst missverstanden oder verzerrt wurde". Das Handeln richte sich "nicht gegen Menschen, sondern gegen eine Infrastruktur, die tagtäglich Menschen, Umwelt und Zukunft zerstört". Gleichzeitig sehe man die Situation der Menschen vor Ort. "Niemand von uns ignoriert, dass der Ausfall von Strom für viele eine reale Belastung bedeutet – insbesondere für Alte, Kranke, Kinder und all jene, die ohnehin am Rand dieser Gesellschaft stehen. Diese Härten sind nicht zufällig, sondern Ergebnis eines Systems, das kritische Versorgung zentralisiert, profitorientiert organisiert und bewusst verwundbar macht." Sogenannte Vulkangruppen, die von den Sicherheitsbehörden im militant-anarchistischen Spektrum verortet werden, beschäftigen die Ermittler schon seit Jahren. (Lesen Sie hier, was über die "Vulkangruppen" bekannt ist.) Nach dem Stromausfall im Südwesten Berlins am Samstag sind weiterhin rund 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom. Das teilte der Betreiber Stromnetz Berlin mit. Ab 11 Uhr soll der Strom im Berliner Südwesten wieder hochgefahren werden, wie der RBB und die "Bild"-Zeitung melden. Dann sollen alle Haushalte und Gewerbebetriebe wieder am Netz sein. Die Bundesanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe.