Soziales: Wie Obdachlosen in Rheinland-Pfalz im Winter geholfen wird

Datum07.01.2026 07:30

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Rheinland-Pfalz werden obdachlosen Menschen im Winter Kälteiglus als Schlafplätze bereitgestellt, die seit Mitte November an verschiedenen Standorten, wie Neustadt und Kaiserslautern, aufgestellt sind. Diese wetterfesten Iglus bieten Schutz vor der Kälte und werden von städtischen Einrichtungen in Kooperation mit karitativen Organisationen betrieben. Zudem sind Kältebusse in mehreren Städten unterwegs, um obdachlose Menschen mit Schlafsäcken und warmen Mahlzeiten zu versorgen. Eine umfassende Erfassung der obdachlosen und wohnungslosen Personen gestaltet sich jedoch als schwierig.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Soziales“. Lesen Sie jetzt „Wie Obdachlosen in Rheinland-Pfalz im Winter geholfen wird“. Seit Mitte November stehen wieder drei Iglus auf der Festwiese in Neustadt an der Weinstraße. Die halbrunden Kammern bestehen aus wetterfestem Isoliermaterial und haben einen lebensrettenden Zweck: Sie sollen als Schlafplätze vor dem Erfrieren schützen. Aufgestellt hat diese Kälteiglus die Stadt in Kooperation mit der Tagesbegegnungsstätte "Lichtblick". Das Projekt wird nach Angaben eines Sprechers der Stadt inzwischen im dritten Jahr fortgeführt. Neu sind solche Kälteiglus dagegen in Kaiserslautern. Auf der Pfarrwiese der Pfarrei Hl. Martin werden sie derzeit von acht Personen genutzt. Zu den Feiertagen und aufgrund der winterlicheren Temperaturen sei die Nachfrage zuletzt gestiegen, berichtete Pfarrer Andreas Keller. Zum Schutz vor der Witterung seien zusätzlich Zelte über den insgesamt zehn Iglus aufgestellt. "Die Menschen halten sich größtenteils auch tagsüber dort auf. Die Zelte sind mit einer Beleuchtung, einem Elektro-Heißlüfter, einer Kochplatte, einem Wasserkocher und einer Biertischgarnitur ausgestattet." Saisonale Angebote wie die Kälteiglus ergänzen ganzjährige Übernachtungsmöglichkeiten in vielen Teilen von Rheinland-Pfalz. Ein Beispiel ist etwa der Mainzer "NachtRaum". Seit 2023 finden dort bis zu 30 Menschen einen Schlafplatz. Die Nutzung kostet nach einem Beschluss des Stadtrates seit vergangenem Jahr 1,60 Euro pro Tag. Wer die Gebühr nicht zahlen kann, wird einer Stadtsprecherin zufolge allerdings nicht abgewiesen, Entscheidungen über die Zahlungsfähigkeit würden im Einzelfall vor Ort getroffen. Ähnliche Not- oder Kurzzeitunterkünfte, entweder in städtischer oder karitativer Trägerschaft, finden sich etwa in Bad Kreuznach, Trier, Bingen oder Ludwigshafen. Wenn die Temperaturen sinken und es dunkel wird, rücken in einigen Städten die Kältebusse aus. Sie suchen obdachlose Menschen im Freien direkt auf und können gerade bei Minusgraden lebensrettend sein. In Koblenz sind Ehrenamtliche mit dem Bus für den städtischen Verein "Die Schachtel e.V." unterwegs. Geladen hat er Schlafsäcke und Kleidung, eine warme Mahlzeit sowie heiße Getränke. Wer selbst nicht in der Lage sei, zu einer Notunterkunft zu kommen, den könne der Bus dorthin bringen, so der Verein. Zwischen November und März sei das Team in den Abendstunden unterwegs. Weitere Kältebusse sind etwa in Mainz und im Kreis Mainz-Bingen oder in Trier im Einsatz. Wie viele Menschen im Winter auf Angebote wie das der Kälteiglus oder auf Notunterkünfte angewiesen sind, ist nicht so einfach festzustellen. Unterschieden werden muss zwischen obdachlosen und wohnungslosen Menschen. Während obdachlose Personen dauerhaft auf der Straße leben, finden Wohnungslose immer wieder in vorübergehenden Übernachtungsmöglichkeiten einen Schlafplatz und können leichter statistisch erfasst werden. Zum Stichtag 31. 01. 2025 waren nach Angaben des Sozialministeriums in Rheinland-Pfalz 14.500 wohnungslose Personen untergebracht.  Die Erfassung Obdachloser sei dagegen nur sehr eingeschränkt möglich. Bis vor vier Jahren habe das Statistische Landesamt über Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege Daten erfragt. Dabei seien aber zum Beispiel mit 46 obdachlosen Menschen im Jahr 2022 vermutlich nicht alle Betroffenen erfasst worden, so eine Sprecherin des Sozialministeriums. Inzwischen werde diese freiwillige Erhebung wegen der fehlenden validen Ergebnisse nicht mehr durchgeführt. © dpa-infocom, dpa:260107-930-507614/1