Datum07.01.2026 07:30
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Jahr 2025 erzielte Deutschland mit über 21,4 Milliarden Euro Einnahmen aus dem Emissionshandel einen Rekord. Der CO₂-Preis ist gestiegen, was Auswirkungen auf Verbraucher hat, insbesondere bei Kraftstoffen. Das Geld fließt in den Klima- und Transformationsfonds, der Projekte zur Energiewende und Klimaschutz finanziert. Trotz des Anstiegs der Einnahmen sanken die CO₂-Emissionen nur um 1,5 Prozent, was Deutschland hohe Klimastrafen einbringen könnte. Ab 2028 soll der nationale Emissionshandel durch ein europäisches System abgelöst werden.
InhaltDeutschland hat 2025 aus dem Verkauf von Verschmutzungsrechten so viel Geld eingenommen wie noch nie. Mit dem Jahreswechsel ist der CO₂-Preis erneut gestiegen – mit Folgen für die Verbraucher. Der Verkauf von Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten hat Deutschland im vergangenen Jahr einen Einnahmerekord beschert. Aus dem europäischen und dem nationalen Emissionshandel kamen 2025 mehr als 21,4 Milliarden Euro zusammen, wie die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Berlin mitteilte. 2024 lag der Wert bei 18,5 Milliarden. Die DEHSt gehört zum Umweltbundesamt (UBA). Das Geld fließt vollständig in den Klima- und Transformationsfonds, aus dem Energiewende- und Klimaschutz-Maßnahmen finanziert werden. Mit dem Geld wird etwa die energetische Gebäudesanierung gefördert, der Umbau der Industrie Richtung Klimaneutralität, die Wasserstoffwirtschaft oder der Ausbau des Ladesäulennetzes für Elektroautos. Emissionsberechtigungen werden seit 2008 verkauft. Die seitdem erzielten Gesamterlöse überschritten den Angaben zufolge im Dezember die 100-Milliarden-Euro-Marke. "Der Emissionshandel hat sich zum zentralen sektorübergreifenden Klimaschutzinstrument entwickelt", wird UBA-Präsident Dirk Messner in einer Mitteilung zitiert. Zusammen mit anderen Maßnahmen setze die CO2-Bepreisung entscheidende Impulse für den klimaschonenden Umbau der Gesellschaft. Die Bepreisung von Treibhausgasen soll Wirtschaft und Verbrauchern einen Anreiz geben, weniger fossile Brennstoffe zu verwenden. Es gibt ein europäisches und ein nationales Handelssystem. Kraftwerke, große Industrieanlagen, der innereuropäische Luftverkehr sowie der Seeverkehr benötigen die europäischen Berechtigungen. Pro Tonne ausgestoßenem CO2 müssen sie ein Zertifikat bei der Emissionshandelsstelle abgeben. Die Menge der zugeteilten Berechtigungen wird jährlich gesenkt, um die Emissionen schrittweise immer stärker zu begrenzen. Die europäischen Zertifikate kosteten 2025 im Schnitt 73,86 Euro (2024: 65 Euro) Im nationalen Emissionshandelssystem geht es darum, den klimaschädlichen CO2-Ausstoß in den Bereichen Wärme und Verkehr zu senken. Erfasst werden die Brennstoffe Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssig- und Erdgas sowie Kohle. Seit 2024 wird die Abgabe auch auf die Verbrennung von Abfällen erhoben. Die CO2-Abgaben werden etwa bei den Gaslieferanten oder Unternehmen der Mineralölindustrie erhoben, die diese dann an die Verbraucher weiterreichen. Im Unterschied zu den europäischen Zertifikaten werden die nationalen bislang nicht verknappt. Außerdem waren die Preise für die Berechtigungen bislang festgelegt. Im europäischen Handel beliefen sich die Auktionserlöse 2025 auf 5,4 Milliarden Euro (2024: 5,5 Milliarden Euro). Im nationalen Handel wurden 16 Milliarden Euro eingenommen, rund drei Milliarden Euro mehr als 2024. Hauptgrund für den Anstieg war der höhere Preis der nationalen Berechtigungen: Kosteten die Zertifikate je Tonne Kohlendioxid 2024 noch 45 Euro, waren es ein Jahr später 55 Euro. Zum 1. Januar ist der CO2-Preis erneut gestiegen, auf einen Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Das dürften zunächst vor allem Autofahrer zu spüren bekommen haben, der Preis für Benzin und Diesel ist dadurch um mehrere Cent teurer geworden. Im neuen Jahr werden innerhalb des vorgegebenen Korridors erstmals auch die nationalen Berechtigungen versteigert. Die Auktionen an der Leipziger Energiebörse EEX sollen laut DEHSt im Juli beginnen. Der nationale Emissionshandel soll ab 2028 durch einen europäischen Emissionshandel für Brennstoffe größtenteils abgelöst werden. Die Einführung war ursprünglich schon für 2027 vorgesehen. Sie wurde aber verschoben, um große Preissprünge für Verbraucher beim Tanken und Heizen vorerst zu vermeiden. Trotz aller Anstrengungen, den CO2-Ausstoß über den Zertifkatehandel einzudämmen, sind die Emissionen vergangenes Jahr laut einer Studie lediglich um 1,5 Prozent zurückgegangen. Deutschland drohen deshalb woohl hohe Klimastrafen. Lesen Sie hier mehr dazu.