Datum07.01.2026 07:23
Quellewww.spiegel.de
TLDRVenezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hat in einer Fernsehansprache jegliche ausländische Kontrolle über Venezuela, insbesondere durch die USA, zurückgewiesen. Dies geschah nach dem US-Militäreinsatz, bei dem der ehemalige Präsident Nicolás Maduro gefangen genommen wurde. Rodríguez betonte die Standhaftigkeit des venezolanischen Volkes gegen ausländischen Einfluss und äußerte scharfe Kritik am US-Einsatz, bei dem zahlreiche Sicherheitskräfte ums Leben kamen. Währenddessen erhöht Washington den Druck auf venezolanische Führungspersonen wie Innenminister Diosdada Cabello, um die Kontrolle über das Land zu stabilisieren.
InhaltDiktator Maduro ist weg, seine Nachfolgerin Rodríguez verspricht einen geregelten Übergang. Dass Venezuela aus den USA regiert werde, verneint die Interimspräsidentin. Doch laut Medienberichten droht Washington bereits. Wenige Tage nach der Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro durch US-Einsatzkräfte hat die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez jegliche ausländische Kontrolle über ihr Land verneint. "Die Regierung Venezuelas regiert unser Land, niemand sonst, es gibt keinen ausländischen Akteur, der Venezuela regiert", sagte Rodríguez am Dienstag in einer Fernsehansprache während eines Treffens mit Wirtschaftsvertretern. In Washington sieht man das anders. US-Präsident Donald Trump hatte nach dem Einsatz in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gesagt, Washington habe mittlerweile die Kontrolle über das Land inne. Ein US-Medienbericht legt zudem nahe, dass Venezuelas Innenminister Diosdada Cabello unmittelbar unter Druck gesetzt wird. Das US-Militär hatte Maduro und dessen Frau am Samstag in Caracas gefangen genommen und in die USA gebracht. Er wird beschuldigt, sich mit von Washington als "terroristisch" eingestuften Guerillagruppen sowie mit Drogenkartellen verbündet zu haben, um "Tonnen von Kokain in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln". Mehr Hintergründe über den Übergriff lesen Sie hier . Rodríguez äußerte sich in scharfen Worten über den US-Einsatz. "Nach dem schrecklichen Angriff der Regierung der Vereinigten Staaten auf Venezuela bleibt das venezolanische Volk standhaft und mobilisiert, um unser Vaterland zu verteidigen", sagte sie und ergänzte: "Dies ist ein Volk, das nicht aufgibt, wir sind ein Volk, das sich nicht ergibt." Die bei dem Einsatz getöteten kubanischen und venezolanischen Sicherheitskräfte bezeichnete Rodríguez als "Märtyrer". Laut der venezolanischen Regierung sind mindestens 24 Soldaten getötet worden. "In Gedenken: 24 Sterne wurden von der feigen Hand des Imperiums aus unserem bolivarischen Firmament gerissen", hieß es in der Mitteilung der venezolanischen Streitkräfte. Rodríguez hat eine Woche Trauer zum Gedenken an die Opfer des US-Angriffs angeordnet. Insgesamt wurden bei dem US-Militäreinsatz mindestens 55 Menschen getötet, darunter Dutzende kubanische Leibwächter Maduros. Die USA erhöhen derweil den Druck auf Caracas. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag von drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr, hat Washington Innenminister Cabello über Mittelsmänner gewarnt, dass er an der Spitze einer Zielliste stehe, sollte er die Zusammenarbeit verweigern. Ihm drohe ein ähnliches Schicksal wie Maduro, der in den USA wegen "Drogen-Terrorismus" vor Gericht steht. Hintergrund ist die US-Strategie, sich für eine Übergangsphase auf Schlüsselfiguren aus Maduros Machtapparat zu stützen, darunter Cabello und Verteidigungsminister Vladimir Padrino. Die Regierung in Washington bezweifelt einem Insider zufolge, dass die Opposition um die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado in der Lage wäre, den Frieden im Land zu sichern. Stattdessen folge man einer Einschätzung des Geheimdienstes CIA, wonach Maduros engste Vertraute am besten geeignet seien, das Land vorübergehend zu führen und ein Chaos zu verhindern. Als Druckmittel dienen den USA dem Bericht zufolge nicht nur Drohungen. Washington habe auch die Finanzanlagen von Interimspräsidentin Delcy Rodríguez in Katar identifiziert und könne diese beschlagnahmen. Zu den Forderungen der USA gehören die Öffnung der Ölindustrie für US-Firmen, ein Vorgehen gegen den Drogenhandel sowie die Beendigung der Zusammenarbeit mit Kuba und Iran.