Datum07.01.2026 07:02
Quellewww.spiegel.de
TLDRDeutschland verfehlt 2025 erneut die europäischen Klimaschutzvorgaben, was zu potenziellen Strafen von bis zu 34 Milliarden Euro führen könnte. Die CO₂-Emissionen sanken nur um 1,5 Prozent, während die Emissionen in den Sektoren Gebäude und Verkehr stiegen. Trotz eines Anstiegs bei E-Autos und Wärmepumpen bleibt der Fortschritt unzureichend. Die Studie von Agora Energiewende zeigt, dass Deutschland bis 2030 jährlich 36 Millionen Tonnen CO₂ einsparen muss, um die Klimaziele zu erreichen, und fordert verbesserte Rahmenbedingungen.
InhaltDie CO₂-Emissionen sind in Deutschland 2025 laut einer Studie nur um 1,5 Prozent gesunken – halb so viel wie 2024. Für die Bundesregierung könnte das teuer werden. Deutschland verliert beim Klimaschutz an Tempo. Die Treibhausgasemissionen sanken 2025 nur um 1,5 Prozent auf 640 Millionen Tonnen CO₂ – weniger als die Hälfte der Einsparungen von 2024. Das zeigt die am Mittwoch veröffentlichte Jahresauswertung der Denkfabrik Agora Energiewende. Zwar hält Deutschland das im Klimaschutzgesetz festgelegte Gesamtziel von 662 Millionen Tonnen demzufolge ein. Doch Deutschland verfehlt abermals die europäischen Klimaschutzvorgaben für Gebäude und Verkehr. Die Folgen könnten teuer werden. Im Gebäudesektor stiegen die Emissionen 2025 um 3,2 Prozent auf 104 Millionen Tonnen, bedingt durch einen kalten Jahresbeginn. Zwar wurden erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft – rund 300.000 Stück. Doch die meisten Häuser werden weiterhin fossil beheizt. Im Verkehr erhöhten sich die Emissionen um 1,4 Prozent auf 145 Millionen Tonnen, weil mehr Benzin und Diesel abgesetzt wurde. Es ist bereits das fünfte Mal in Folge, dass der Sektor zu viel ausstößt. Der Anteil von E-Autos an Neuzulassungen stieg zwar auf knapp 20 Prozent (545.000 Fahrzeuge), doch das Tempo reicht nicht. Beide Bereiche zusammen stießen somit im vergangenen Jahr 42 Millionen Tonnen CO₂ zu viel aus. Bis 2030 könnten sich nach Berechnungen der Denkfabrik in den Problemsektoren kumuliert über ein Jahrzehnt bis zu 224 Millionen Tonnen CO₂ zu viel ansammeln. Das würde die Bundesrepublik zwingen, zusätzliche Emissionszertifikate bei anderen EU-Mitgliedstaaten zu kaufen – für bis zu 34 Milliarden Euro. "Dabei zeigt der Trend beim Absatz von strombetriebenen Technologien wie E-Autos und Wärmepumpen international nach oben und auch in Deutschland ging es 2025 leicht bergauf", sagt Agora-Direktorin Julia Bläsius. Es komme nun darauf an, diese Entwicklungen zu fördern. Positive Signale kommen aus der Energiewirtschaft: Die Emissionen sanken um 1,5 Prozent, trotz historisch schwachen Windaufkommens. Strom aus Solaranlagen kompensierte diese Einbußen. Mit einem Zubau von 17,5 Gigawatt und vielen Sonnenstunden lieferten sie mehr Strom als Braunkohle-, Steinkohle- und Gaskraftwerke. Damit erreichte Solarstrom erstmals Platz zwei im nationalen Erzeugungsranking, heißt es in der Studie. Erneuerbare Energien deckten insgesamt 55,3 Prozent des Stromverbrauchs. Den größten Emissionsrückgang verzeichnete laut der Studie die Industrie mit minus 7,2 Prozent – allerdings nicht als Folge kluger Klimaschutzpolitik: Produktionsrückgänge bei Stahl und Chemiegrundstoffen ließen die Emissionen um elf Millionen Tonnen sinken, bedingt durch schwache Nachfrage und globale Überkapazitäten. Um das Klimaziel 2030 zu erreichen, müsste Deutschland von 2026 an jährlich durchschnittlich 36 Millionen Tonnen CO₂ einsparen – viermal so viel wie 2025. Agora-Direktorin Bläsius fordert: "Attraktive Strompreise, ein verlässlicher CO₂-Preispfad und zielgerichtete Förderung sind entscheidend."