Datum07.01.2026 06:36
Quellewww.spiegel.de
TLDRStefan Gelbhaar, ein Grünen-Politiker, sieht sich erneut Vorwürfen von Belästigung gegenüber. Ein kürzlich veröffentlichter Chatverlauf zeigt jahrelange Kommunikation zwischen Gelbhaar und einer jüngeren Frau, die sich um ein Praktikum bei ihm bewarb. Die Unterhaltungen, die von 2011 bis 2021 stattfanden, enthielten persönliche und unangemessene Kommentare von Gelbhaar. Während sein Anwalt die Vorwürfe zurückweist, beschreibt die Frau die Annäherungsversuche als moralisch verwerflich. Gelbhaar betont, dass die Kommunikation privat und gleichberechtigt gewesen sei.
InhaltVor einem Jahr wurden Belästigungsvorwürfe gegen Stefan Gelbhaar publik – die sich teilweise als falsch herausstellten. Nun ist ein neuer Chatverlauf aufgetaucht. Er soll Grenzüberschreitungen des Grünenpolitikers belegen. Vor einem Jahr sorgte der Name Stefan Gelbhaar für eine große Krise bei den Grünen . Der rbb sendete Anschuldigungen junger Frauen gegen den früheren Bundestagsabgeordneten aus Berlin – musste sie aber später zurückziehen. Teile der Berichterstattung waren falsch, Gelbhaar bestritt die Vorwürfe. Der Skandal für die Grünen mitten im Bundestagswahlkampf war dennoch perfekt. Nun hat der Berliner "Tagesspiegel" einen Chatverlauf veröffentlicht, der nahelegt, dass Vorwürfe gegen Gelbhaar nicht komplett aus der Luft gegriffen sind. Demnach dokumentiert der Chatverlauf einen jahrelangen Austausch zwischen Gelbhaar und einer Frau, die sich für ein Praktikum bei ihm interessierte. Die Frau war zum Zeitpunkt der Chats zwischen 22 und 25 Jahre alt, Gelbhaar rund 20 Jahre älter. Der Kontakt begann bereits 2011, als die Betroffene noch minderjährig war. Strafrechtlich relevant ist das nicht, ein unangemessenes Machtgefälle allerdings. Intensiv wurde der Austausch zwischen 2018 und 2021. In den Chats kommentierte Gelbhaar demnach Bilder der Frau auf Instagram, schickte Herzaugen- und Flammen-Emojis. Im Dezember 2018 schrieb er: "Ich kiek’ mir deine Bilder zu gern an." Wiederholt soll er ihr Aussehen und ihre Bikini-Fotos gelobt haben. Die Frau kommentierte stattdessen Gelbhaars politische Inhalte und fragte wiederholt konkret nach einem Praktikum. Statt klarer beruflicher Gespräche soll der Austausch immer wieder ins Private gewandert sein. "Wenn ich das alles lese, wird mir ganz anders", sagte die Frau nun dem "Tagesspiegel". Die Annäherungsversuche Gelbhaars empfinde sie im Rückblick als "moralisch verwerflich". Gelbhaars Anwalt weist die Vorwürfe zurück. Die Chats seien "eine unverfängliche, wechselseitige und gleichberechtigte Kommunikation". Gelbhaar habe niemanden bedrängt, alles sei privat gewesen. Die Betroffene erwidert im "Tagesspiegel": "Ich wollte ein Praktikum, kein privates Date."