Datum07.01.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Elbvertiefung thematisiert die Klimapolitik Hamburgs, die bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgase um 70 % anstrebt. Der aktuelle Fortschritt zeigt einen Rückgang von 43 % seit 1990, jedoch bleibt Skepsis aufgrund langsamer Entwicklungen in Verkehr und Heizungen. Zusätzlich wird die Übernahme der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) durch die Stadt und MSC behandelt, die Kleinaktionäre drängt, während die Gründerszene in Hamburg durch ein neues Institut gefördert werden soll.
InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – mit dem vorläufigen Ende des Streusalz-Verbots, einem Squeeze-out bei der HHLA, dazu Strom, Fußball und Alkohol vor Jahren habe ich dem damaligen Chef des Umweltbundesamts Jochen Flasbarth eine Wette angeboten. Es ging um die deutschen Klimaziele für 2020; das Land werde sie weit verfehlen, habe ich behauptet. Die Wette hätte ich verloren, hätte Flasbarth sie angenommen, und das sollte mich in meinen Urteilen vorsichtiger werden lassen. Offenbar neige ich dazu, die Folgen eines gemächlichen, unspektakulären Fortschritts zu unterschätzen. Um einen solchen Fortschritt geht es gerade. Gestern hat der Senat eine Zwischenbilanz seiner Klimapolitik vorgestellt. Der Hamburger Klimaplan sieht bis 2030 einen um 70 Prozent verringerten Treibhausgasausstoß vor, gemessen am Stand von 1990. Dem neuen Bericht zufolge ist der Stadtstaat auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen. Probleme sähen sie am ehesten im Straßenverkehr, sagte das Regierungsduo Tschentscher und Fegebank bei der Vorstellung des Papiers. Das liege am schleppenden Fortschritt der Elektromobilisierung, mithin außerhalb der eigenen Zuständigkeit. Ich bin auch diesmal skeptisch, aber, siehe oben. Gegenüber 1990 stieß Hamburg 2023 ungefähr 43 Prozent weniger Treibhausgase aus. Das ist ein bescheidener Rückgang, gemessen am bundesdeutschen Durchschnitt, was auch mit dem hiesigen Bevölkerungswachstum und den vielen Industriebetrieben zu tun haben dürfte. Aber es ist unbestreitbar ein erheblicher Fortschritt, der zudem einem recht stetigen Trend folgt. Allerdings liegen Einwände nahe. Das fängt mit den veralteten Daten an: Zahlen von anno 2023, vorgestellt Anfang 2026? Das Umweltbundesamt hat vor gut einem halben Jahr den deutschen Treibhausgasausstoß von 2024 bekannt gegeben. Es bedurfte eines Volksentscheids, damit Hamburg sich demnächst auf aktuellere Angaben stützen kann. Im kommenden Sommer muss der Stadtstaat eine Schätzbilanz der Treibhausgasentwicklung für das vergangene Jahr vorlegen, das haben die Bürger durchgesetzt. Ein weiteres Problem ist der schleppende Fortschritt bei den privaten Heizungen. Hier tut sich kaum mehr als im Straßenverkehr. Darauf angesprochen sagte der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher: "Da muss mal was passieren", und dass der technische Fortschritt bei der Entwicklung effizienter Wärmepumpen ihn zuversichtlich stimme. Halten wir fest: Da muss mal was passieren. Zudem, das sprach Tschentscher selbst an: Ein deutlich überproportionaler Anteil der vermiedenen Treibhausgase wurde in der Industrie eingespart. Das ist, jedenfalls teilweise, kein Fortschritt, sondern Folge der Krise. Wenn sich die Produktion von Kupfer oder Aluminium ins Ausland verlagert, nützt das dem Klima nicht. Und schließlich weiß man dank bundesweit ermittelter Daten bereits, wie sich der Treibhausgasausstoß 2024 entwickelt hat. Tendenz: Das Tempo des Fortschritts sinkt. In einigen Wochen werden die 2024er-Zahlen auch für Hamburg bekannt gegeben, wir halten Sie auf dem Laufenden. Haben Sie einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Umwelt- und Energiesenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sieht Hamburg besser als Berlin geschützt vor Anschlägen auf die Energieinfrastruktur. Das Netz von Deutschlands zweitgrößter Stadt sei engmaschiger und habe nur einige wenige große Knotenpunkte, sagte Fegebank mit Blick auf den Anschlag auf das Berliner Stromnetz. "Das heißt, im Ernstfall haben wir verschiedene alternative Wege, schnell wieder den Stromkreislauf herzustellen." In Berlin waren am Dienstag noch immer rund 25.000 Haushalte und 1.200 Geschäfte ohne Strom. Um die Gründerszene an Hamburgs Hochschulen zu stärken, fordert die CDU-Bürgerschaftsfraktion die Einrichtung eines hochschulübergreifenden Instituts als "Start-up-Motor". "Zwischen 2020 und 2024 entstanden an allen staatlichen Hochschulen zusammen nur 121 Start-ups. Für einen Wissenschafts- und Innovationsstandort ist das ein alarmierendes Signal", sagte die Wissenschaftsexpertin der Fraktion, Anna von Treuenfels-Frowein. Das Hamburg Institute for Venture & Entrepreneurship (HIVE) soll mit einem oder mehreren Lehrstühlen unternehmerische Kompetenzen stärken und den Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis fördern, heißt es in einem Antrag für die Bürgerschaftssitzung in der kommenden Woche. Die Stadt Hamburg und die Schweizer Reederei MSC machen den nächsten Schritt, um bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) das alleinige Sagen zu erhalten. Am Montagabend teilten sie mit, dass sie die verbliebenen Kleinaktionäre aus dem Unternehmen drängen und abfinden wollen. Dieses "Squeeze-out" wollen sie bei der Hauptversammlung der HHLA am 11. Juni beschließen. Rechtlich ist das Herausdrängen der Akionäre möglich, weil Stadt und MSC jetzt mehr als 95 Prozent der Anteile halten. Dabei legt ein externer Gutachter den Wert der Barabfindung fest, Aktionäre müssen diese annehmen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Eigner die HHLA danach von der Börse nehmen, doch das Ganze könnte noch dauern. Einzelne Aktionäre haben angekündigt, sich gegen das Herausdrängen per Klage zu wehren. Die HHLA ist Deutschlands größter Hafenkonzern, sie betreibt drei der vier Containerterminals in Hamburg und eine europaweite Güterbahn-Tochter namens Metrans. Der rot-grüne Senat hatte 2023 angekündigt, knapp die Hälfte der HHLA an die Reederei MSC aus der Schweiz zu verkaufen, um den lange vor sich hin dümpelnden Hafen zu beleben. Künftig will Hamburg 51 Prozent der Anteile halten und MSC 49 Prozent. MSC ist die größte Reederei der Welt, und gegen den Einstieg gab es Widerstand aus der Belegschaft, von der Gewerkschaft ver.di und aus den Fraktionen von CDU und Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft. Die CDU hatte die HHLA einst selbst an die Börse gebracht. Beim Börsengang Ende 2007 kostete die Aktie 53 Euro, nach einem kurzen Aufstieg fiel der Kurs dauerhaft weit unter den Wert. Am Montagabend kostete die Aktie 21,30 Euro. Kristina Läsker • Angesichts der heftigen Schneefälle hat die Verkehrsbehörde das Verbot von Streusalz auf Gehwegen und Nebenflächen bis zum 21. Januar aufgehoben. "Wir wollen, dass alle sicher durch die Stadt kommen", sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) • Die Einrichtungen des Winternotprogramms für Obdachlose sind derzeit zu 90 Prozent ausgelastet. Wegen der Minusgrade seien die Öffnungszeiten der Übernachtungsstätten angepasst worden: von 15 Uhr am Nachmittag bis 11 Uhr am folgenden Vormittag, teilte die Sozialbehörde mit Stefan Kuntz führte den HSV zurück in die Bundesliga. Nun hört er überraschend auf – und der Klub reagiert erstaunlich gelassen. Was steckt dahinter? Das fragt ZEIT-Autor Daniel Jovanov; lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Artikel. Man kann eine Nachricht klein machen, indem man sie klein formuliert. Genau das tut der Hamburger SV einen Tag nach Neujahr, als er den Abschied von Stefan Kuntz bekannt gibt. Ein paar nüchterne Sätze, ein Dank, der Aufstieg wird erwähnt, fast beiläufig. Kein Pathos, keine große Verabschiedung. Dabei geht mit Kuntz nicht irgendwer. Er ist der Mann, der den HSV zurück in die Bundesliga (Z+) geführt hat, der nach fünf vergeblichen Anläufen unter dem früheren Sportvorstand Jonas Boldt einen Neuanfang verkörperte. Warum also, das fragen sich gerade viele, ist der Abschied dann so seltsam kühl? Als Stefan Kuntz im Mai 2024 als Sportvorstand antrat, war das eine große Sache. Kuntz war lange selbst Spieler, 1996 wurde er Europameister, er trainierte viele Jahre die U21-Nationalmannschaft und war Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern. Er ist bekannt für seine freundliche, charismatische Art, fast immer hat er ein Lächeln im Gesicht und ist sich für keinen Spaß zu schade. Der 63-Jährige sollte dem HSV sportliche Kompetenz, Erfahrung und vor allem ein Gesicht geben. Man setzte große Hoffnung in ihn. "Wenn ich irgendwann gehe, will ich im Spiegel zu mir sagen können: Ich habe jeden Stein umgedreht", wurde Kuntz in der HSV-Doku Always Hamburg des ZDF zitiert. Kuntz kam in einer Phase, in der der Verein zunehmend zu zweifeln begann, ob die Rückkehr in die Bundesliga überhaupt noch gelingen würde. Sein Auftrag war klar – und am Ende lieferte er das, woran seine Vorgänger gescheitert waren: Im Mai 2025 stieg der HSV nach sieben Jahren in der 2. Liga wieder in die Erste Fußballbundesliga auf. Das gelang, weil Kuntz auf die richtigen Leute setzte. Allerdings nicht immer aus voller Überzeugung: Nach der Freistellung von Trainer Steffen Baumgart im November 2024 hat Kuntz sich mal einige Absagen geholt – wie vom SC Paderborn, der seinen Coach Lukas Kwasniok mitten in der Saison nicht für eine Million Euro Ablöse gehen lassen wollte –, mal fand er im Aufsichtsrat keine Unterstützer, wie bei seinem ehemaligen Mitspieler Bruno Labbadia, den er als Trainer verpflichten wollte. Als dann der Interimstrainer und vormalige Co-Trainer Merlin Polzin gute Ergebnisse holte und sich die Stimmung rund um den Klub drehte, ging Kuntz mit dem damals 34-Jährigen ins volle Risiko. Und der Plan ging auf. Warum trotz der sofortigen Trennung wohl kein Zeitdruck zur Nachbesetzung gesehen wird, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de. "Mit diesem Text muss ich etwas loswerden, das gesundheitsethisch sicherlich nicht korrekt ist, aber: Bitte, bitte, hört nicht alle auf zu trinken! Sonst werden die nächsten Monate, die wettertechnisch eh nicht die größte Freude versprechen, noch trister." Seit 42 Jahren trinkt ZEITmagazin-Chefredakteur Kilian Trotier keinen Alkohol. Warum er trotzdem skeptisch auf den Dry January blickt In der Reihe "elbwärts" steht am kommenden Samstag Georg Philipp Telemanns Burlesque auf dem Programm. Die Texte sind doppelbödig, und auch wenn der Witz und Humor im 18. Jahrhundert anders war: Es darf gelacht werden. Es musizieren: Sönke Tams-Freier (Bass), Simone Eckert (Viola da gamba), Anke Dennert (Cembalo) und Ulrich Wedemeier (Laute). "Burlesque", 10.1., 19 Uhr; Lichtwarksaal, Neanderstraße 22; Karten an der Abendkasse oder per Mail unter hamburger-ratsmusik@t-online.de Der Zugführer in der S1 in Richtung Poppenbüttel: "Sie müssen nicht immer nur die ersten zwei Türen benutzen. Der Zug hat viel mehr Türen, und die sind alle bezahlt." Gehört von Barbara Bruss Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.