SPD plant höhere Steuern für extrem hohe Erbschaften

Datum07.01.2026 04:07

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie SPD plant eine Reform der Erbschaftssteuer, um extrem hohe Erbschaften stärker zu besteuern und bestehende Steuerschlupflöcher zu schließen. SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Miersch betont, dass reiche Erben mehr zur Finanzierung des Gemeinwohls beitragen sollten. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das im ersten Quartal erwartet wird, könnte über die Gleichheit der Übergaberegelungen entscheiden. 2024 wurden Rekordzahlen in Erbschaften und Schenkungen gemeldet, und Übertragungen von Betriebsvermögen bleiben oft steuerfrei, während normale Erben stark belastet werden.

InhaltJedes Jahr werden in Deutschland Milliardenvermögen vererbt. Doch gerade bei extrem hohen Nachlässen finden sich oft Steuerschlupflöcher. Laut der SPD soll damit bald Schluss sein. Von Omas Häuschen bis Opas Unternehmen, oder andersherum – das Thema Erbschaft und vor allem die angemessene Besteuerung ebendieser sorgt in Deutschland immer wieder für Diskussion. Die SPD will zur Erbschaftssteuer bald nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts einen Reformentwurf vorlegen. Dabei sollen "sehr hohe Erbschaften stärker als bislang besteuert werden", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Matthias Miersch, der "Rheinischen Post". "Reiche Erben müssen sich mehr am Gemeinwohl beteiligen, das ist eine Frage der Gerechtigkeit. Bislang gibt es viel zu viele Schlupflöcher, sodass normale Erben besteuert werden, Super-Erben sich aber drücken können", so der SPD-Politiker. Das Verfassungsgericht werde voraussichtlich im ersten Quartal ein Urteil fällen, sagte Miersch. Es geht dabei um die Frage, ob Begünstigungen bei der Übergabe von Betrieben gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen. Miersch machte deutlich, dass eine höhere Besteuerung im Erbfall Unternehmen nicht schaden müsse. "Andere Länder machen es vor, wie man Betriebe schont und dennoch extreme Erbschaften und Vermögen gerechter besteuert. Es geht ja nicht um eine geerbte Eigentumswohnung oder das Elternhaus. Wir reden hier über hohe Millionensummen", sagte der SPD-Politiker. (Lesen Sie hier  mehr – Wie sich Deutschland ums Erbe zofft.) Erbschaften sind ein mächtiger Wohlstandsfaktor. Sie bilden eine enorme Kapitalwelle, die sich von Jahr zu Jahr weiter auftürmt. 2024 verzeichneten die Finanzverwaltungen Erbschaften und Schenkungen von insgesamt 121,5 Milliarden Euro, eine Rekordsumme. Die tatsächliche vererbte Summe dürfte mehr als dreimal so hoch sein. Die Finanzämter erfassen nur Erbschaften und Schenkungen, die über den Freibeträgen liegen. Tatsächlich profitieren die reichsten Firmenerben am meisten von Ausnahmeregeln – das zeigen Berechnungen für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung. Während sich die Steuerbefreiung von Betriebsvermögen bis zu einer halben Million Euro demnach im einstelligen Prozentbereich bewegte, blieben Vermögen über 250 Millionen Euro zu 91,6 Prozent steuerfrei. Der Fiskus schont also nicht nur Opas Häuschen – sondern eben auch Omas Konzern. Oder andersherum. Viele Deutsche fürchten die Erbschaftsteuer, vor allem wenn es um die Weitergabe ihrer Eigenheime geht. Dabei ist das eigentliche Problem der Umgang mit Superreichen. Mehr dazu lesen Sie in einer ausführlichen Analyse hier .