Datum20.10.2025 02:59
Quellewww.spiegel.de
TLDRDeutschland und Island haben eine engere Militärkooperation beschlossen, um sich gegen Bedrohungen aus Russland zu stärken. Verteidigungsminister Pistorius unterzeichnete in Reykjavík eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in der Luft- und Seeraumüberwachung sowie zur Cyberabwehr. Deutschland plant die Nutzung der Hafeninfrastruktur in Island für Kampfschiffe und die temporäre Stationierung von P-8A Poseidon-Aufklärungsflugzeugen. Ziel ist eine verstärkte Effizienz im NATO-Bündnis zum Schutz gegen hybride Angriffe und Störungen der Internetkommunikation.
InhaltVerteidigungsminister Pistorius hat den Nato-Partner Island besucht. Beide Seiten wollen stärker zusammenarbeiten, um sich gegen Angriffe zu wehren. Es geht unter anderem um Luft- und Seeraumüberwachung sowie Cyberabwehr. Die Nato-Partner Deutschland und Island bauen ihre militärische Kooperation vor dem Hintergrund russischer Bedrohungen aus. Dabei will die Bundeswehr auf der Vulkaninsel im hohen Norden auch einen Anlaufpunkt für ihre Kampfschiffe, U-Boote und Versorgungsschiffe haben. Ziel einer in der Hauptstadt Reykjavík unterschriebenen Absichtserklärung ist eine Kooperation im Bereich maritime Logistik, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei einem Treffen mit der isländischen Außenministerin Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir sagte. Island gehörte 1949 zu den Gründungsmitgliedern der Nato, verfügt jedoch bis heute über keine eigenen Streitkräfte. Deutschland möchte in Zukunft die moderne Hafeninfrastruktur auf Island stärker nutzen. Zudem steht die zeitweilige Stationierung von Seefernaufklärungs-Flugzeugen vom Typ P-8A Poseidon im Raum. "Hier im hohen Norden leistet Island einen wichtigen Beitrag zum Schutz der nördlichen Flanke des (Nato-)Bündnisses", sagte Pistorius. Gunnarsdottir wiederum erklärte: "Deutschland ist aus meiner Sicht nun führende Kraft bei der Stärkung von Sicherheit und Verteidigung in Europa." Eine verstärkte Zusammenarbeit solle es mit der deutschen Luftwaffe und Marine sowie beim Schutz gegen hybride Angriffe und Störungen der Internetkommunikation geben. Unter hybrider Kriegsführung wird eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln verstanden, mit der auch die öffentliche Meinung beeinflusst werden kann – bis hin zur Destabilisierung ganzer Gesellschaften. Für Pistorius war Island der erste Stopp einer mehrtägigen Reise: Er wird noch in Kanada und Großbritannien erwartet. Im Vorfeld hatte das Verteidigungsministerium mitgeteilt, Pistorius wolle in allen drei Nato-Staaten Gespräche unter anderem über die sicherheitspolitische Zusammenarbeit, die Kooperation der Streitkräfte und die Zusammenarbeit im Rüstungsbereich führen.