Datum20.10.2025 02:36
Quellewww.spiegel.de
TLDRJan Böhmermanns Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" im Haus der Kulturen der Welt in Berlin zog über 30.000 Besucher an und zählt zu den bestbesuchten der Institution. Die Schau thematisiert Hassparolen und Medienwahrnehmung. Ein geplanter Auftritt des Rappers Chefket am 7. Oktober wurde aufgrund von Antisemitismusvorwürfen abgesagt; er trug ein umstrittenes T-Shirt. Böhmermann räumte ein, die Veranstaltung nicht geplant haben sollten, während Chefket den Vorwurf zurückwies.
InhaltJan Böhmermanns Schau "Die Möglichkeit der Unvernunft" wurde überschattet vom Streit über ein abgesagtes Konzert von Rapper Chefket. Nach drei Wochen ist nun Schluss – und es gibt eine erste Bilanz. Drei Wochen lang war die Ausstellung des bekannten TV-Moderators und Satirikers Jan Böhmermann in Berlin zu besichtigen – und für das Haus der Kulturen der Welt (HKW) war es offenbar ein Erfolg: Mehr als 30.000 Menschen haben die Ausstellung besucht, erklärte es. Damit gehöre das Projekt mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" zu den bestbesuchten in der HKW-Geschichte. In der Ausstellung waren Hassparolen auf Postkarten und Exponate zwischen echtem Leben und Medienwirklichkeit zu sehen. Vor dem Haus der Kulturen der Welt ragten von der Freiheitsstatue nur noch Kopf und Arm aus einem Wasserbecken. Darüber prangen auf Englisch die Sätze: "Ihr habt es endlich geschafft! Ihr Verrückten! Ihr habt es vermasselt!" Die Anspielung auf die Schlussszene des Filmklassikers "Planet der Affen" (1968) nach dem Untergang der Menschheit empfing die Besucher des Projekts. Die Ausstellung stehe auch für eine Kommunikation, die sich ändern müsse, hatte Böhmermann ("ZDF-Magazin Royale") zur Ausstellungseröffnung gesagt. Für die Schau galt ein strenges Handy-, Foto- und Filmverbot. Für Schlagzeilen hatte vor allem gesorgt, dass bei der Ausstellung für den 7. Oktober – dem Jahrestag des Terrorangriffs aus Israel – ein Auftritt des Rappers Chefket geplant war (hier mehr über die Hintergründe des Falls). Unter anderem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte die geplante Veranstaltung scharf kritisiert: Der Rapper trage auf Fotos ein T-Shirt mit einem Motiv des gewünschten Staates Palästina ohne Israel, so der Vorwurf. Dieses Motiv sei nach Ansicht der Bundesregierung als antisemitisch zu betrachten. Später sagte Böhmermann bei einer Gesprächsveranstaltung mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im HKW: "Wir hätten diese Veranstaltung an dem Tag, am 7. Oktober, niemals planen sollen." (Mehr zu dem Gespräch der beiden erfahren Sie hier .) Chefket selbst wies den Vorwurf des Antisemitismus jüngst im Gespräch mit dem SPIEGEL zurück. Auf die Nachfrage, ob ihm nicht bewusst gewesen sei, dass das T-Shirt als Leugnung des Existenzrechts Israels verstanden werden könne, sagte er: "Ich sehe da keinen Antisemitismus. Ich sehe auch in meiner Solidarität mit Palästina keinen Antisemitismus." Hier können Sie das ganze Gespräch mit Chefket lesen. Am 7. Oktober 2023 hatten Terroristen der Hamas und anderer Islamistengruppen in Israel ein Massaker verübt, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden waren. Das Ereignis löste den Gazakrieg aus, bei dem Zehntausende Palästinenser getötet wurden.