Datum06.01.2026 19:56
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Iran eskaliert die Gewalt gegen Demonstranten, wobei in den letzten zehn Tagen mindestens 27 Menschen, darunter fünf Minderjährige, getötet wurden. Sicherheitskräfte haben über tausend Personen festgenommen. Die Proteste, ausgelöst durch hohe Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Misere, erstrecken sich mittlerweile auf 26 der 31 Provinzen. Menschen demonstrieren unter Slogans gegen das Regime und rufen nach dem in Exil lebenden Schah-Sohn. Gleichzeitig gerät die iranische Währung weiter unter Druck und hat erheblich an Wert verloren.
InhaltDas iranische Regime geht weiter brutal gegen Demonstranten vor. In nur zehn Tagen starben mindestens 27 Menschen, darunter fünf Minderjährige. Sicherheitskräfte sollen zudem mehr als tausend Personen festgenommen haben. Seit Beginn der neuen Proteste in Iran haben Sicherheitskräfte nach Angaben von Aktivisten Dutzende Menschen getötet, darunter auch Minderjährige. Mindestens 27 Menschen seien von den Sicherheitskräften "durch Schüsse oder andere Gewalt" getötet worden, erklärte die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen am Dienstag. Unter den Getöteten seien fünf Kinder. Insgesamt wurden laut IHR seit Beginn der Proteste vor zehn Tagen mehr als tausend Menschen festgenommen. Aus Sicht von IHR-Chef Mahmud Amiry-Moghaddam ist "das Regime derzeit instabiler denn je". Die Proteste dauern seit mittlerweile zehn Tagen an. Iran sieht sich derzeit mit der größten Protestwelle seit 2022 konfrontiert. Damals hatte der Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini im Polizeigewahrsam massive Proteste ausgelöst. Amini war wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung festgenommen worden. Auslöser der aktuellen Protestwelle ist die Wut über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage in Iran. Zunächst demonstrierten Ende Dezember vor allem Händler und Ladenbesitzer in Teheran, ihnen schlossen sich rasch auch zahlreiche Studierende an. Landesweit haben sich die Proteste nach jüngsten IHR-Angaben auf mindestens 26 der 31 Provinzen ausgeweitet. Bei dem jüngsten Protest in Teheran hatten Menschenrechtsorganisationen zuvor den Einsatz von Tränengas gegen Demonstranten auf dem Markt der Hauptstadt gemeldet. In den von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Online-Videos war zu hören, wie Demonstranten in Anspielung auf den im Exil lebenden Schah-Sohn Resa Pahlavi den Slogan riefen "Pahlavi wird zurückkehren". Ein weiterer Slogan richtete sich gegen das seit 1989 amtierende geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Khamenei. Daraufhin feuerten die Sicherheitskräfte Tränengas auf die Demonstranten. Inmitten schwerer Proteste gegen die autoritäre Staatsführung in Iran gerät die Landeswährung weiter unter Druck. Ein Euro kostete auf dem freien Devisenmarkt erstmals mehr als 1,7 Millionen Rial, wie iranische Finanzportale berichteten. Die Währung hat damit seit Ausbruch der Demonstrationen vor mehr als einer Woche noch einmal mehr an Wert verloren.