Krieg in der Ukraine: Trump drängte Ukraine offenbar zur Annahme von Russlands Bedingungen

Datum20.10.2025 00:57

Quellewww.zeit.de

TLDRUS-Präsident Donald Trump drängte während eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj offenbar zur Annahme von Russlands Bedingungen, darunter Gebietsabtretungen im Donbass. Trump warnte vor der "Zerstörung" der Ukraine, falls keine Vereinbarungen mit Russland zustande kämen. Berichten zufolge führte das Treffen zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen den beiden, und Selenskyjs Delegation empfand es als enttäuschend. Trump lehnte die Lieferung von Waffen ab und äußerte verwirrende Sicherheitsgarantien für beide Länder. Selenskyj betonte die Ablehnung jeglicher Zugeständnisse an Russland.

InhaltDer US-Präsident hat bei seinem Treffen mit Wolodymyr Selenskyj Medienberichten zufolge Gebietsabtretungen gefordert. Sonst drohe der Ukraine die "Zerstörung". US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen am Freitag im Weißen Haus Medienberichten zufolge zu von Russland vorgeschlagenen Gebietsabtretungen aufgefordert. Das berichten die Financial Times und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend unter Berufung auf Insider. Demnach verlangte Trump, dass die Ukraine die komplette Region Donbass, zu der die Gebiete Donezk und Luhansk gehören, an Russland abgibt – obwohl Russland derzeit nur einen Teil der Region kontrolliert. Die US-Regierung machte sich den Medien zufolge damit Forderungen zu eigen, die der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag in einem Telefonat mit Trump gemacht habe. Im Gegenzug zu den Gebieten im Donbass soll die Ukraine nach Putins Vorstellung demnach einige kleine Gebiete in den Regionen Cherson und Saporischia zurückerhalten. Die Ukraine habe die Forderungen abgelehnt, hieß es in den Berichten. Trump habe Selenskyj gewarnt, der Ukraine drohe die Zerstörung, wenn keine Abkommen mit Russland zustande komme. Trump rückte im Lauf des Gesprächs den Berichten zufolge jedoch von der Forderung nach weiteren Gebietsabtretungen ab. Nach dem Treffen rief er öffentlich zu einem Waffenstillstand an den gegenwärtigen Frontlinien auf. Selenskyj schloss sich dieser Position in Äußerungen gegenüber Reportern an.  Zuvor war es den Medienberichten zufolge zu einem Streit zwischen Trump und Selenskyj gekommen – ähnlich wie bei dem Treffen zwischen Trump und Selenskyj Anfang des Jahres im Weißen Haus. Laut der Financial Times schrien sich Trump und Selenskyj immer wieder an, wobei Trump "die ganze Zeit" geflucht habe. Reuters zitierte Insider, wonach Trump mehrfach unflätige Ausdrücke benutzt habe. Das Treffen sei für die ukrainische Delegation eine klare Enttäuschung gewesen, hieß es in dem Reuters-Bericht weiter unter Berufung auf mit dem Gespräch vertraute Personen.  "Es war ziemlich übel", sagte demnach eine der Personen. Trump habe es abgelehnt, Tomahawk-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern. Stattdessen habe er davon geredet, sowohl der Ukraine als auch Russland Sicherheitsgarantien zu geben, was die ukrainische Delegation als verwirrend empfunden habe. Trump soll laut Financial Times Putins Positionen teilweise wortwörtlich wiederholt haben. So soll er mit Blick auf den Krieg von einer russischen "Spezialoperation" gesprochen haben – die gängige Sprachregelung der russischen Führung in Bezug auf den Einmarsch in der Ukraine. Während des Treffens soll Trump zudem Landkarten der Ukraine beiseite gefegt haben. Er sei es "leid", die Karten mit dem Frontverlauf immer wieder zu sehen, soll Trump gesagt haben. "Diese rote Linie, ich weiß noch nicht einmal, wo das ist. Ich war noch nie dort", zitiert die Zeitung den US-Präsidenten. Auch bezüglich seiner Einschätzung über den Zustand der russischen Wirtschaft scheint Trump wieder eine Kehrtwende gemacht zu haben. Russlands Wirtschaft gehe es "großartig", soll Trump Selenskyj gegenüber gesagt haben. Kürzlich hatte Trump noch den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands vorhergesagt. Eine Stellungnahme der US-Regierung und des ukrainischen Präsidialamtes zu den Berichten lag zunächst nicht vor. Selenskyj sagte am Sonntagabend in seiner abendlichen Videoansprache, die Ukraine werde dem Aggressor nichts geben und werde auch nichts vergessen. "Wir sehen klar, dass dieses Russland eine langfristige Bedrohung ist."