Datum06.01.2026 16:14
Quellewww.spiegel.de
TLDRWegen eines anhaltenden Stromausfalls, der rund 28.000 Haushalte in Berlin betrifft, öffnen drei Schwimmbäder im Südwesten kostenlos ihre Duschen für Betroffene. Der Ausfall resultiert aus einem Brandanschlag, der von der linksextremistischen "Vulkangruppe" verübt wurde. Die Polizei ermittelt ohne eindeutige Ergebnisse. Während Notstromaggregate in Betrieb genommen werden, kritisiert der Landesrechnungshof die mangelnde Vorbereitung der Berliner Katastrophenschutzbehörden auf solche Krisen. Innensenatorin Iris Spranger verteidigt das Krisenmanagement der Stadt.
InhaltZehntausende Berlinerinnen und Berliner harren seit vier Tagen ohne Strom aus. Immer mehr Notstromaggregate gehen in Betrieb. Betroffene können sich in drei Badeanstalten gratis waschen und aufwärmen. Im Berliner Südwesten öffnen mehrere Schwimmbäder ihre Duschen: Wegen des anhaltenden Stromausfalls kann ein Großteil der Menschen in dem betroffenen Gebiet nicht duschen, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Solange die Großschadenslage bestehe, sollen drei Bäder rund um die Uhr öffnen. Bei den Bädern handelt es sich um die Schwimmhalle Finckensteinallee, die Schwimmhalle Hüttenweg und das Stadtbad Lankwitz. "Dort können die Menschen hingehen, können duschen", sagte Spranger, man könne sich dort auch aufwärmen oder das Handy laden. Das Angebot stehe ab 14 Uhr zur Verfügung und sei kostenlos. Nach einem Brandanschlag sind seit vier Tagen rund 28.000 Haushalte ohne Strom. Zehntausende Menschen müssen ohne Strom und Wärme in dunklen und kalten Wohnungen oder in Ausweichquartieren ausharren. Manche sind in Hotels gegangen, andere wärmen sich tagsüber in Notquartieren oder anderen Anlaufstellen auf. Nach und nach kehrt ein wenig Normalität in die betroffenen Stadtteile zurück – dank immer mehr Notstromaggregaten, die in Betrieb gehen. Bei Transport, Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung der mobilen Anlagen hilft laut Berliner Innenverwaltung auch die Bundeswehr, ein Betankungseinsatz startete am Abend. Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei spricht von sehr umfangreicher Tatortarbeit. Erste Zeugen würden vernommen, Videomaterial etwa der Verkehrsbetriebe BVG ausgewertet. Die sogenannte "Vulkangruppe", die sich zu dem Anschlag in einem Schreiben bekannte, ist den Ermittlern bereits länger bekannt. Sie griff mutmaßlich schon mehrfach etwa Bahnanlagen oder das Stromnetz an. Nach Einschätzung der Bundesregierung ist jedoch nicht sicher, wer hinter dem aktuellen Anschlag steckt. Eine linksextremistische Motivation sei "nahe liegend", aber die Ermittlungen liefen noch, sagte eine Sprecherin. Berlins Innenverwaltung hatte das Bekennerschreiben am Sonntag als authentisch eingestuft. Was über die "Vulkangruppe" bekannt ist, lesen Sie hier. Berlins Innensenatorin und auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprachen von Linksterrorismus. Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kämen. "Jetzt ist es wichtig, dass auch der Generalbundesanwalt hier die Übernahme des Verfahrens prüft", sagte Spranger. Spranger verteidigte das Krisenmanagement der Hauptstadt. "Wir haben sofort angefangen zu arbeiten, und die Krisenstäbe funktionieren", sagte sie. In seinem jüngsten Jahresbericht hatte der Landesrechnungshof kritisiert, die Berliner Katastrophenschutzbehörden seien organisatorisch und personell nicht ausreichend auf Katastrophen und Großschadensereignisse vorbereitet. Er bemängelte außerdem ungeklärte Zuständigkeiten. Laut Spranger eine überholte Kritik, der Bericht sei Ende November veröffentlicht worden. "Er betrifft den Zeitraum 2023 und 2024", sagte Spranger. Der Vorfall in Berlin zeigt, wie schlecht Deutschland auf derartige Krisenfälle vorbereitet ist. Warum Deutschlands Infrastruktur ein leichtes Ziel ist, lesen Sie hier .