Europäisches Autorenkino: Ungarischer Filmemacher Béla Tarr ist tot

Datum06.01.2026 15:21

Quellewww.zeit.de

TLDRDer ungarische Filmemacher Béla Tarr ist im Alter von 70 Jahren gestorben, nachdem er an einer langen Krankheit litt. Tarr war eine bedeutende Figur im europäischen Autorenkino, bekannt für Filme wie "Satanstango" und "Das Turiner Pferd". Die Europäische Filmakademie würdigte ihn als herausragenden Regisseur und politische Stimme. Tarr erhielt 2023 den Ehrenpreis beim Europäischen Filmpreis und widmete sich zuletzt der Filmausbildung. Seine Werke zeichnen sich durch lange, ungeschnittene Einstellungen aus, oft in Zusammenarbeit mit László Krasznahorkai.

Inhalt"Satanstango", "Das Turiner Pferd" und "Die Werckmeisterschen Harmonien": Der ungarische Regisseur Béla Tarr ist gestorben. Bekannt war er für seine kunstvollen Filme. Im Alter von 70 Jahren ist der ungarische Filmemacher Béla Tarr gestorben. Er habe an langer und schwerer Krankheit gelitten, berichtet die ungarische Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Familie. Tarr war einer der bekanntesten Regisseure des europäischen Autorenkinos.  "Die Europäische Filmakademie trauert um einen herausragenden Regisseur und eine Persönlichkeit mit starker politischer Stimme, der nicht nur von seinen Kollegen hoch geschätzt, sondern auch vom Publikum weltweit gefeiert wurde", schrieb die Akademie dazu. Tarr erhielt 2023 den Ehrenpreis beim Europäischen Filmpreis. 2011 gewann Tarr bei der Berlinale den Großen Preis der Jury für seinen Film "Das Turiner Pferd". Dies war sein letzter Spielfilm. Wie er danach mehrfach sagte, habe er "alles gesagt", was er mit dem Kino ausdrücken wollte. In seiner letzten Lebensphase widmete sich Tarr vor allem der Filmausbildung und kulturellen Arbeit.  Tarrs Filme werden oft als einnehmend und philosophisch beschrieben, mit minutenlangen, sorgsam choreografierten Einstellungen ohne Schnitt. Viele seiner Werke entstanden in Zusammenarbeit mit dem Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai. Er wurde mit Filmen wie dem mehr als sieben Stunden langen "Satanstango" von 1994 oder "Die Werckmeisterschen Harmonien" aus dem Jahr 2000 bekannt. 2013 gründete er zudem die internationale Filmschule "film.factory" in Sarajevo zusammen mit anderen Regisseuren.