Datum19.10.2025 20:59
Quellewww.zeit.de
TLDRTufan Erhürman, der Kandidat der sozialdemokratischen CHP, hat die Präsidentschaftswahl in Nordzypern im ersten Wahlgang mit 62,8 Prozent gewonnen und damit den konservativen Präsidenten Ersin Tatar abgelöst. Erhürman plant, die Gespräche zur Zypernfrage wieder aufzunehmen und setzt sich für eine föderale Lösung sowie eine engere Anbindung Nordzyperns an die EU ein. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 65 Prozent. Der Präsident der international anerkannten Republik Zypern, Nikos Christodoulidis, gratulierte Erhürman.
InhaltIn Nordzypern hat der Sozialdemokrat Tufan Erhürman den konservativen Präsidenten Tatar schon im ersten Wahlgang besiegt. Das könnte Bewegung in die Zypern-Frage bringen. Im international nicht anerkannten Nordzypern zeichnet sich ein Machtwechsel ab. Tufan Erhürman von der sozialdemokratischen Partei CHP hat die Präsidentschaftswahl bereits im ersten Wahlgang deutlich gewonnen. Der Oppositionspolitiker kam nach Angaben der Wahlbehörde auf 62,8 Prozent der Stimmen und überschritt damit die notwendige absolute Mehrheit. Der bisherige Präsident, der konservative Politiker Ersin Tatar, der dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan politisch nahesteht, kam demnach nur auf 35,8 Prozent der Stimmen. Eine Stichwahl ist damit nicht erforderlich. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 65 Prozent. Erhürman sagte unter Applaus seiner Anhänger, er werde als Präsident für alle da sein. Er sitzt sich für eine föderale Lösung des Zypernkonflikts unter Vermittlung der Vereinten Nationen ein. Erhürman hatte angekündigt, die Gespräche mit der griechisch-zyprischen Seite wieder aufnehmen zu wollen – mit dem Ziel, eine gerechte Machtteilung zwischen beiden Volksgruppen zu erreichen. Zudem strebt er eine engere Anbindung Nordzyperns, wo etwa 380.000 Menschen leben, an die Europäische Union an. "Jeder Winkel dieser Insel wird Europa sein", hatte er im Wahlkampf versprochen. Zypern ist nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention seit 1974 de facto geteilt. Die ganze Insel ist seit 2004 Mitglied der EU. Aufgrund der faktischen Teilung der Insel findet das EU-Recht jedoch nur im Süden Anwendung. UN-Blauhelme überwachen die rund 180 Kilometer lange Pufferzone zwischen den beiden Seiten. Nikosia ist die einzige geteilte Hauptstadt der Welt. Der Präsident der international anerkannten Republik Zypern, Nikos Christodoulidis, gratulierte dem Wahlsieger. "Ich spreche dem neuen Führer der türkisch-zyprischen Volksgruppe meine Glückwünsche aus", hieß es in einer Erklärung von Christodoulidis. "Ich bekräftige meinen festen politischen Willen und meine Entschlossenheit, weiterhin zur Wiederaufnahme der substanziellen Verhandlungen zur Lösung der Zypernfrage beizutragen", fügte er hinzu, wie der zyprische Rundfunk berichtete.