Datum06.01.2026 13:40
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Berlin kam es zu einem Stromausfall, der 45.000 Haushalte betraf; aktuell sind noch 25.500 ohne Strom. Die Versorgung von S-Bahnhöfen und Pflegeheimen wurde wiederhergestellt. Ursache war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte. Die Bundesregierung plant Maßnahmen zum besseren Schutz kritischer Infrastrukturen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie fordert eine adäquate Sicherheitsarchitektur, um hybride Bedrohungen effizient abzuwehren und weist auf unzureichende gesetzliche Vorgaben hin.
InhaltDie Versorgung von drei S-Bahnhöfen sowie aller vom Stromausfall betroffenen Pflegeheime ist wiederhergestellt. Weiterhin sind 25.500 Menschen in Berlin ohne Strom. Nach dem Stromausfall im Südwesten Berlins ist die Stromversorgung in drei betroffenen S-Bahnhöfen wiederhergestellt. Das teilte ein Sprecher des Betreibers Stromnetz Berlin mit. Somit könnten die Stationen Mexikoplatz, Nikolassee und Wannsee wieder genutzt werden. Weiterhin sind rund 25.500 Haushalte und etwa 1.200 Unternehmen ohne Strom. Die Tiefbauarbeiten an den zwei Baustellen seien abgeschlossen. Ab heute beginnen die elektrischen Arbeiten. Damit liege man "sehr gut im Zeitplan", sagte der Sprecher. Aktuell seien rund "35 sehr große Notstromaggregate im Einsatz", sagte er weiter. Bis alle Betroffenen wieder am Netz sind, wird es etwa bis Donnerstagnachmittag dauern. "Wir befinden uns immer noch in einer Krisensituation", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bei einer Pressekonferenz. Es gebe aber Fortschritte: So würden inzwischen alle 74 Pflegeheime im betroffenen Gebiet mit Strom versorgt. "Heute gehen alle Supermärkte wieder auf", sagte Wegner weiter, "endlich funktionieren auch die Mobilfunknetze", was etwa im Hinblick auf die Erreichbarkeit von Hilfsstellen für Betroffene wichtig sei. Die Bundeswehr sei seit Montag "vor Ort" und helfe bei der Versorgung mit Treibstoff sowie bei der Verteilung warmer Mahlzeiten an Betroffene. Der Senat kündigte weiterhin an, dass die Hotelkosten für Betroffene vom Land Berlin erstattet würden. Laut Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bieten mehr als 160 Hotels Zimmer zum Selbstkostenpreis an. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verwies zudem darauf, dass drei Schwimmhallen rund um die Uhr kostenlos Duschen und Gelegenheiten zum Aufwärmen sowie zum Laden von Handys anbieten würden. Ursache des Stromausfalls war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte. Am Samstagmorgen waren im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Als Reaktion auf den Brandanschlag fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur. "Hybride Bedrohungen und gezielte Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie Energieversorgung, Logistik oder Kommunikation sind längst Realität", sagte der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. "Sie treffen das Rückgrat unserer Wirtschaft und sind ein direkter Angriff auf staatliche Handlungsfähigkeit und unsere Gesamtverteidigung." Deutschland brauche eine Sicherheitsarchitektur, die der hybriden Bedrohungslage gerecht werde, sagte Lösch. Die Bundesregierung will mit einem Gesetz verpflichtende Vorgaben für Einrichtungen der sogenannten Kritischen Infrastruktur (Kritis) schaffen, um Deutschland etwa besser vor Sabotage zu schützen. Der entsprechende Entwurf wird dem BDI zufolge jedoch der realen Bedrohungslage nicht gerecht. Er setze statt eines klaren und wirksamen Schutzrahmens auf zusätzliche Regulierung und ein überhastetes Verfahren mit kurzer Beteiligung der Experten. "Kritische Infrastrukturen lassen sich so nicht resilient machen", sagte Lösch. Erforderlich sei stattdessen eine Sicherheitsarchitektur, die auf einer tragfähigen Partnerschaft zwischen Staat und Betreibern kritischer Infrastrukturen aufbaut und digitale wie physische Risiken integriert betrachte. Angesichts der steigenden hybriden Angriffe sollten zudem geltende Transparenzpflichten kritisch überprüft werden. Transparenz dürfe nicht dazu führen, dass Angriffsflächen eröffnet oder Verwundbarkeiten für potenzielle Angreifer sichtbar werden. "Sicherheitsrelevante Details dürfen weder öffentlich zugänglich sein, noch in falsche Hände geraten", forderte der BDI-Experte.