Datum19.10.2025 11:37
Quellewww.spiegel.de
TLDRSören Pellmann, Fraktionschef der Linken im Bundestag, spricht in einem Interview über seinen Herzinfarkt im Juli und kritisiert den Tabu-Umgang mit Krankheiten in der Politik. Trotz anfänglicher Bedenken, seine Schwäche öffentlich zu machen, erhielt Pellmann viel Zuspruch. Er setzt sich für eine Offenheit in Bezug auf gesundheitliche Belastungen ein und beschreibt den stressigen Alltag von Abgeordneten sowie den Umgang mit Alkohol. Nach seinem Infarkt hat er Gewicht verloren und gesündere Gewohnheiten angenommen.
InhaltDruck im Brustbereich und ein Puls von 159: In einem Interview spricht der Linkenvorsitzende Sören Pellmann über seinen Herzinfarkt – und über den Umgang mit Schwäche, Stress und Alkohol in der Politik. Sören Pellmann, Fraktionschef der Linken im Bundestag, hat im vergangenen Juli nach Terminen seiner Partei in Nordrhein-Westfalen einen Herzinfarkt erlitten, jetzt sagte der 48-Jährige der Zeitung "Die Welt": "Abends im Hotel merkte ich Druck im Brustbereich, der Puls ging massiv nach oben." Und weiter: "Meine Smartwatch zeigte einen Puls von 159 an. Keine Stunde nach meiner Ankunft in der Klinik lag ich auf der Intensivstation und war schon operiert." Zum Oktober kehrte Pellmann in den Politikbetrieb zurück. In dem Interview fordert Pellmann einen offeneren Umgang mit Stress und Belastung in der Politik: "Viele Abgeordnete denken, das betreffe sie nicht. Krankheit ist in der Politik wie in der Gesellschaft ein Tabu, ob psychisch oder organisch, Abhängigkeit erst recht", sagte er. Pellmann selbst habe etwa lange überlegt, ob er öffentlich über seinen Herzinfarkt spreche. "Im Büro gab es andere Meinungen: Du zeigst damit Schwäche, du wirkst nicht belastbar, der politische Gegner könnte das ausnutzen", sagte Pellmann. Er habe jedoch hauptsächlich Zuspruch und Genesungswünsche bekommen. Seit seinem Herzinfarkt habe er mehr Sport gemacht, sich gesünder ernährt und dadurch 22 Kilogramm an Gewicht abgenommen. Als Risikofaktoren neben Übergewicht und Bluthochdruck nennt Pellmann unter anderem auch Stress, dem er als Bundestagsabgeordneter ausgesetzt sei. "In Bundestags-Sitzungswochen hat man locker zehn, elf, zwölf Termine am Tag, keine Pausen, keine Auszeit. Man hetzt von Gespräch zu Termin zur Rede im Parlament. Durch soziale Medien ist das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen, gestiegen." Auch sei man als Politiker ständig von Alkohol umgeben: "Man kann in Sitzungswochen von Empfang zu Empfang ziehen und Wein oder Bier trinken", sagte Pellmann. Er glaube deshalb, dass es eine hohe Dunkelziffer von Abgeordneten mit Abhängigkeiten gebe.