Getarnte Tanker: EU will verstärktes Vorgehen gegen Russlands Schattenflotte

Datum19.10.2025 19:17

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie EU plant ein verstärktes Vorgehen gegen Russlands "Schattenflotte", die Sanktionen durch das Transportieren von Öl unter falscher Flagge umgeht. Nach Schätzungen fahren 600 bis 1400 russische Tanker unter Flaggen von Drittstaaten wie den Cayman-Inseln. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas fordert bilaterale Vereinbarungen mit diesen Flaggenstaaten, um die Flotte effektiver zu kontrollieren. Die EU und G7 streben an, Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft weiter zu reduzieren, während bereits über 400 Schiffe sanktioniert wurden.

InhaltSeit es wegen des Überfalls auf die Ukraine sanktioniert wurde, baut Russland eine "Schattenflotte" auf, mit der es Sanktionen unterläuft. Dagegen will die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nun vorgehen. Es gibt Schätzungen, nach denen jeder fünfte Liter Erdöl von russischen Schiffen transportiert wird, die quasi unter falscher Flagge fahren: Seit dem Frühjahr 2022, als Sanktionen gegen Russland verhängt wurden, die den russischen Ölhandel unterbinden sollten, baut Russland eine "Schattenflotte" auf, mit der es diese Sanktionen unterläuft. Divergierenden Schätzungen zufolge sind zurzeit 600 bis 1400 russische Öltanker unterwegs, die ihre wahre Herkunft durch Registrierung in anderen Staaten verbergen. Viele dieser Schiffe gehören zu den am schlechtesten gewarteten, ältesten Rostbeulen auf den Weltmeeren. Der Mechanismus dahinter ist einfach. Mitte 2022 entschieden die G7 und einige Partnerstaaten, die russischen Öleinnahmen dadurch einzudämmen, dass sie einen "Preisdeckel" für russisches Öl definierten, den sogenannten Oil Price Cap (OPC). Zugleich verhängte die EU ein Einfuhrverbot für russisches Öl. Russland reagierte schnell mit dem Aufbau der sogenannten Schattenflotte: Tankern, die unter der Flagge von Staaten fahren, die sich der OPC-Regelung nicht unterwarfen und die Öl folglich zum gängigen Weltmarktpreis transportieren und handeln können. Viele der oft stark überalterten Tanker kaufte Russland auch auf dem europäischen Markt zusammen. So begannen zahlreiche der heute unter der Flagge der Cayman Inseln, von Liberia oder den Arabischen Emiraten fahrenden Tanker ihre lange Laufzeit in Griechenland. In der Debatte über Inspektionen dieser Öltanker der Schattenflotte plädiert die Behörde der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas nun für eine formalisierte Zusammenarbeit mit den Flaggenstaaten. Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) schlägt vor, bilaterale Vereinbarungen zwischen der EU und jenen Staaten zu schließen, unter deren Flaggen diese russischen Schiffe unterwegs sind, wie ein Dokument zeigt, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Im Rahmen der Wirtschaftssanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine will die EU Russlands Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft weiter drosseln. Die Außenminister und die Energieminister der EU wollen darüber am Montag in Luxemburg beraten. Anfang Oktober einigte sich auch die Gruppe der sieben Industriestaaten (G7) darauf, gemeinsam auf dieses Ziel hinzuarbeiten. In dem Papier des EAD heißt es weiter, die EU-Mitgliedstaaten agierten bereits zunehmend robust gegen die Schattenflotte. Als Beispiele genannt werden das Vorgehen Deutschlands gegen das Schiff Eventin, Frankreichs gegen das Schiff Boracay, Estlands gegen das Schiff Kiwala und Finnlands gegen das Schiff Eagle S. Die EU hat bereits mehr als 400 Schiffe sowie Einrichtungen, die den Betrieb der Flotte ermöglichen, mit Sanktionen belegt. Zuletzt waren Schiffe der Schattenflotte auch in Verdacht geraten, an Spionage- und Sabotageaktionen beteiligt gewesen zu sein.