Meinung: News des Tages: Nicolás Maduro vor Gericht, BSW, Robert Crumbach, Brigitte Macron

Datum05.01.2026 17:27

Quellewww.spiegel.de

TLDRNicolás Maduro steht in New York vor Gericht und wird wegen Drogenhandel beschuldigt. Der US-Angriff auf Venezuela hat zu seiner Festnahme geführt, und erhebliche Strafen drohen. In Brandenburg verlässt Finanzminister Robert Crumbach die BSW, was die Koalitionskrise verschärft. Ein Pariser Gericht verurteilt zehn Personen für die Verbreitung beleidigender Verschwörungstheorien über Brigitte Macron. Zudem wird an Konrad Adenauers 150. Geburtstag erinnert, der Vermutungen über seine Haltung zu heutigen politischen Konfrontationen aufwirft.

InhaltDer gestürzte venezolanische Präsident Maduro steht in New York vor dem Richter. Der brandenburgische Finanzminister verlässt das BSW. Und Brigitte Macron siegt vor Gericht. Das ist die Lage am Montagabend. Die drei Fragezeichen heute: Nach besinnlichen Feiertagen, Silvester und Neujahrspause beginnt für viele erst heute wieder der Alltag. Wer gehofft hatte, die Nachrichtenlage laufe im neuen Jahr etwas geruhsamer an, wurde enttäuscht: 2026 begann mit Meldungen über die Feuertragödie mit 40 Todesopfern in der Schweiz (hier mehr  ), den US-Angriff auf Venezuela mit Gefangennahme des Autokraten Nicolás Maduro (hier mehr ), neuerliche Ambitionen von US-Präsident Trump, Grönland einzunehmen (hier mehr) und fragwürdige Spekulationen des früheren russischen Präsidenten Medwedew über eine Entführung des Bundeskanzlers Friedrich Merz (hier mehr). Und wir sind erst bei Tag 5 des neuen Jahres. Wenn das der Auftakt von 2026 war, will man gar nicht wissen, wie es weitergeht. Für Maduro jedenfalls erst mal vor dem Richter. Per Helikopter wurde er in die Nähe des Gerichts in New York geflogen. Dort stieg er in einen gepanzerten Van, der ihn anschließend zum Gerichtsgebäude in Manhattan brachte. Diese Punkte stehen in der Anklageschrift: Nach US-amerikanischem Recht können diese Straftaten mit lebenslanger Freiheitsstrafe geahndet werden. Laut Anklage sollen Maduro und andere venezolanische Führungsfiguren seit mehr als 25 Jahren "ihre Positionen des öffentlichen Vertrauens missbraucht und einst legitime Institutionen korrumpiert haben, um Tonnen von Kokain in die Vereinigten Staaten zu importieren". Die US-Regierung inszeniert ihren Coup als große Show. Nach dem "Perp Walk" vom Wochenende zeigen Fotos Maduro heute in Handschellen, wie er vom Helikopter zum Gerichtsfahrzeug geführt wurde. Mit "Perp Walk" (englisch für perpetrator = Straftäter) ist die öffentliche Vorführung gemeint, die Amerikaner mit Verdächtigen gern zelebrieren, um sie in der Öffentlichkeit als besonders schlimme Schurken darzustellen. Bei seinem ersten "Perp" ist zu hören, wie Maduro den umstehenden Beamten zunickt, "Good Night" sagt und "Happy New Year" wünscht. Maduro scheint Trumps Spiel mitzuspielen: ein Umsturz als TikTok-Moment. Mit der Mitgliedschaft im Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) scheint es wie bei einer Mitgliedschaft im Fitnessclub zu sein: Wenn’s zu anstrengend wird, tritt man halt wieder aus. Heute kehrte Robert Crumbach, brandenburgischer Vizeministerpräsident und Finanzminister, seiner Trainerin den Rücken. Crumbach gab seinen Austritt aus dem BSW und seiner Landtagsfraktion bekannt. "Das ist nicht mehr meine Partei", erklärte der Politiker, der früher mal der SPD angehörte (hier mehr ). Crumbach bleibt parteilos im Amt, um nach eigener Aussage die Stabilität der Landesregierung zu sichern. Sein Schritt verschärft die Krise der Koalition unter SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke, die nun nur noch eine hauchdünne Mehrheit hat. Crumbach rechnet damit, dass SPD und CDU bald über eine neue Koalition verhandeln werden. Hintergrund seines Austritts ist der monatelange Streit zwischen SPD und BSW über die zwei Medienstaatsverträge. Während die SPD den Vereinbarungen zustimmte, verweigerte das BSW plötzlich die Zustimmung – entgegen früheren Absprachen. Crumbach hielt sich an den Koalitionsvertrag und votierte dafür, was ihn in seiner Partei zunehmend isolierte. Er warf der BSW-Fraktion vor, aus der Regierung heraus Oppositionspolitik zu betreiben. Mehrere Abgeordnete hatten bereits zuvor wegen innerparteilicher Konflikte das BSW verlassen, teils wegen "autoritären Tendenzen" (hier mehr). Dass sich Wagenknecht als Vorturnerin nicht als Mannschaftssportlerin versteht, hätte man eigentlich vorher wissen können. Crumbach will nun gegebenenfalls der SPD-Fraktion beitreten. Damit könnte er für Woidke zur entscheidenden Stimme für eine mögliche neue rot-schwarze Mehrheit im Landtag werden. Ein Pariser Gericht hat zehn Personen verurteilt, die im Internet Verschwörungstheorien über Frankreichs First Lady Brigitte Macron verbreitet hatten – darunter die falsche Behauptung, sie sei als Mann geboren oder pädophil. Acht Männer und zwei Frauen im Alter von 41 bis 65 Jahren erhielten Bewährungsstrafen zwischen vier und acht Monaten sowie Auflagen zu Trainings über Onlinemobbing. Die Richter bezeichneten die Äußerungen als "besonders erniedrigend und böswillig" (hier mehr). Brigitte Macron erklärte, sie habe geklagt, um "ein Zeichen gegen Belästigung zu setzen". Ihre Tochter Tiphaine Auzière berichtete im Verfahren von schweren Belastungen für die Familie. Eine zentrale Angeklagte ist Delphine Jegousse alias Amandine Roy, die 2021 ein vierstündiges YouTube-Schmähvideo verbreitet hatte. Sie erhielt sechs Monate Haft auf Bewährung. Unter den weiteren Verurteilten sind ein Politiker, ein Lehrer und ein Informatiker. Einige gaben an, ihre Beiträge seien als Satire gemeint gewesen. Der Fall steht im Zusammenhang mit seit Jahren kursierenden Verschwörungserzählungen, Brigitte Macron sei in Wahrheit Jean‑Michel Trogneux – so der Name ihres Bruders. Das Ehepaar Macron klagte zuletzt in den USA gegen die Influencerin Candace Owens wegen Verleumdung (hier mehr). Konrad Adenauer, der erste Kanzler der Bundesrepublik, wurde heute vor 150 Jahren geboren. Meine Kollegin Katja Iken hat ein sehr aufschlussreiches Interview mit seinem Enkel geführt. Stephan Werhahn war 13 Jahre, als sein Großvater 1967 starb. Katja fragte ihn, wie Adenauer heute mit Politschurken vom Stile Putins oder Trumps umgehen würde. "Er wäre ihnen nicht mit Moral, sondern mit Stärke begegnet und hätte ihnen die Stirn geboten. Er hätte dafür gesorgt, dass die Bundesrepublik und Europa auf eigenen, sicheren Beinen stehen. Wer schwach ist, wird umgeblasen, hat Angst, will seinen Gegner besänftigen", so Werhahn. Auch wenn seine Antwort nur Mutmaßung sein kann – ein Wink in Richtung aktueller Bundesregierung dürfte es schon sein. Heim und Pferd: Für Dressurreiterin Lisa Müller, 36, war ein Umzug nach Kanada mit ihrem Ehemann Thomas, ebenfalls 36, keine Option, wie sie der "Süddeutschen Zeitung" sagte. Ihr Fußballer-Gatte war in die nordamerikanische Profiliga MLS zu den Vancouver Whitecaps gewechselt, nachdem der FC Bayern seinen Vertrag nicht mehr verlängert hatte. Sie sagte: "Es wäre gar nicht möglich gewesen, ihn zu begleiten. Ich reite Turniere, das ist mein Beruf. Die Pferde müssen auch zwischen den Turnieren trainiert werden, und es muss einer im Betrieb nach dem Rechten schauen." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Können Sie einem Tipp meines Kollegen Oliver Trenkamp folgen und den Formel-1-Film "F1" mit Brad Pitt auf Apple TV+ gucken - falls Sie es nicht schon getan haben. Der Film hat es mit viel Action und Tempo in zahlreiche Rankings der Filme des Jahres 2025 geschafft. Er ist eine Liebeserklärung an den Motorsport. Bildgewaltig und detailverliebt erzählt er die Geschichte eines abgestürzten Ex-Formel-1-Stars, gespielt von Pitt, der zurückkehrt, um ein chronisch erfolgloses Rennteam zu retten. Eine Art Western auf der Rennstrecke ist das – und ein Action-Trip für Formel-1-Fans und Banausen gleichermaßen. Mein Kollege Michail Hengstenberg findet: "Als Formel-1-Fan erlebt man im Kino fast schon Wahrnehmungsstörungen." (Hier die ganze Rezension. ) Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts