Datum05.01.2026 17:14
Quellewww.zeit.de
TLDRNach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz zeigen sich Netzbetreiber im Nordwesten Deutschlands zuversichtlich, dass ihre Infrastrukturen gegen größere Ausfälle geschützt sind. Unternehmen wie Tennet und Wesernetz betonen, dass sie enge Kooperationen mit Sicherheitsbehörden pflegen und regelmäßige Risikoanalysen durchführen. Trotz der robusten Netzkonstruktionen könne man gezielte terroristische Angriffe nicht vollständig ausschließen. Der Vorfall in Berlin führte zu einem großflächigen Stromausfall, von dem bis zu 100.000 Menschen betroffen waren.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Nach Anschlag in Berlin“. Lesen Sie jetzt „Wie sicher sind die Stromnetze im Nordwesten?“. Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz sehen Stromversorger im Nordwesten ihre Netze grundsätzlich gegen größere Ausfälle gewappnet. Mögliche Angriffe auf Energieinfrastruktur "nehmen wir sehr ernst", teilte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet auf Anfrage mit. "Dazu gehört, dass wir ein dediziertes Risikomanagement durchführen." Mit den Sicherheitsbehörden arbeite Tennet dabei eng zusammen. Zu konkreten Schutzmaßnahmen äußerte sich das Unternehmen aus Sicherheitsgründen nicht. "Um eben jene Systeme und Infrastrukturen bestmöglich zu schützen, machen wir grundsätzlich keine Angaben zu den von uns ergriffenen Sicherheitsvorkehrungen." Der Bremer Betreiber Wesernetz betonte, dass das Stromnetz grundsätzlich so aufgebaut sei, dass der Ausfall einzelner Komponenten in der Regel nicht zu großflächigen Stromausfällen führe. "Ein längerer Ausfall ist aufgrund der Netzstruktur unwahrscheinlich." Ganz ausschließen lasse sich das aber nie. "Gezielte terroristische Angriffe, wie der Anschlag auf das Stromnetz in Berlin, sind nicht vollständig abwehrbar", hieß es beim Oldenburger Betreiber EWE Netz. Das eigene Netz habe hier aber einen großen Vorteil: Es sei zu 100 Prozent erdverkabelt. "Das bietet bereits einen hohen Schutz gegen äußere Einflüsse." Und: "Um uns bestmöglich zu schützen, führen wir regelmäßig Risikoanalysen und Stresstests unserer Infrastruktur durch." Bei Avacon Netz aus Helmstedt hieß es: "Grundsätzlich sind die Stromversorgung und der sichere Betrieb der Stromnetze auf einem sehr hohen Niveau." Allerdings gebe es gegen extreme kriminelle Energie keinen hundertprozentigen Schutz. Das habe das Unternehmen im Blick. "Avacon hält Notfallpläne, Netzersatzanlagen, ausgewählte Entstörmaterialien sowie mobile Bereitschaftsteams vor, die bei Bedarf rund um die Uhr einsatzfähig sind und alles daransetzen, die Versorgung schnellstmöglich wiederherzustellen." Der Kasseler Netztreiber EAM, der auch Teile von Südniedersachsen abdeckt, kann nach eigenen Angaben relativ zügig auf Störungen reagieren. Das eigene Netz sei ringförmig aufgebaut und werde rund um die Uhr von der zentralen Netzleitstelle überwacht. "Wenn es zu einer Störung kommen sollte, können wir vergleichsweise schnell durch Umschaltungen im Netz über andere Netzabschnitte wieder versorgen." Zudem würden regelmäßig unterschiedliche Krisenszenarien geübt. Der Braunschweiger Betreiber BS Netz wollte sich nicht im Detail äußern. "Die Sicherheit unserer Infrastruktur hat für uns höchste Priorität. Aus ebendiesen Sicherheitsgründen können wir zu konkreten Schutzmaßnahmen, Sicherheitskonzepten oder Details unserer Netzinfrastruktur grundsätzlich keine Auskünfte erteilen." Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Betroffen waren oder sind insgesamt 100.000 Menschen. Der Betreiber des Berliner Stromnetzes geht im Moment davon aus, dass nach dem großen Blackout erst am Donnerstagnachmittag wieder alle Haushalte versorgt werden. Zu dem Anschlag bekannte sich eine linksextremistische Gruppierung. © dpa-infocom, dpa:260105-930-501820/1