Nationalmannschaft: Füllkrug, Havertz und Musiala im Check vor der WM

Datum05.01.2026 14:26

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie WM-Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft steht bevor, während sich Spieler wie Niclas Füllkrug, Kai Havertz und Jamal Musiala um ihre Kaderplätze bemühen. Füllkrug hat durch seinen Premier-League-Wechsel Schwierigkeiten erfahren, während Havertz trotz Verletzungen gezeigt hat, dass er ein wichtiger Spieler ist. Musiala kehrt nach Verletzungen zurück und wird als Schlüsselspieler angesehen. Gleichzeitig beeindruckt der 17-jährige Lennart Karl, der als talentierter Aufsteiger gilt. Leroy Sané zeigt ebenfalls gute Leistungen und hat Chancen auf eine WM-Nominierung.

InhaltDer Kampf um die WM-Plätze beginnt. Viel bewegt sich im Angriff: Niclas Füllkrug wechselt, Jamal Musiala kehrt nach langer Pause zurück – und verdrängt Aufsteiger Lennart Karl? Wer die besten Chancen auf eine Nominierung hat. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Noch dauert es ein paar Monate, bis Julian Nagelsmann im Mai seinen Kader für die WM in den USA, Mexiko und Kanada benennt. Doch allzu viel Zeit bleibt den Spielern nicht mehr, um sich für die 26 Plätze zu empfehlen. Für Niclas Füllkrug etwa wird das Rennen eng. Nach eineinhalb enttäuschenden Jahren in der Premier League hat der Angreifer ein wenig den Anschluss verloren, ausgerechnet auf einer Position, die so hart umkämpft ist wie keine andere im DFB-Team. Die Liste potenzieller Mitreisender für die DFB-Offensive ist lang: Maxi Beier vom BVB, sein Teamkollege Karim Adeyemi, der Stuttgarter Deniz Undav – sie alle dürfen weiter hoffen. Wir werfen den Blick auf sechs Offensivspieler, bei denen sich derzeit besonders viel bewegt: Manche sind im Höhenflug, andere kämpfen um ihre Form, suchen eine neue Herausforderung oder den Anschluss nach Verletzungen. Sechs Angreifer, sechs Geschichten. Man sollte meinen: alles richtig gemacht. Erster Einsatz beim neuen Klub AC Mailand, und schon stürmt das Team an die Tabellenspitze in Italien. Dennoch ist Skepsis angebracht, ob der Wechsel von Niclas Füllkrug von West Ham United zu Milan wirklich der Königsweg ist, um dem Ex-Bremer und Ex-Dortmunder noch den Weg zum WM-Turnier zu ebnen. Der Gang nach England war im Nachhinein ein Fehler, wenn man das Finanzielle außer Acht lässt. Füllkrug hat damit, auch bedingt durch zahlreiche Verletzungen, einen Schritt zurück gemacht. Ob das aber in Italien besser wird, in der Liga, in der sich Verteidiger immer noch wohler fühlen als Offensivspieler, darf man bezweifeln. Füllkrug wird im Februar 33 Jahre alt, das muss nichts heißen, aber mit seiner Verletzungsbiografie zählt das Alter noch mehr als bei anderen. Zumal in der DFB-Elf zunächst Tim Kleindienst, dann Nick Woltemade seinen Job des Toreschießens erledigt haben. Der Gladbacher Kleindienst dürfte verletzungsbedingt keine große Chance auf den WM-Kader haben, für ihn gilt Ähnliches wie für Füllkrug, aber Woltemade und der genesene Kai Havertz sind in der Hierarchie klar vor Füllkrug angesiedelt. WM-Chance: Es muss schon viel passieren, damit der Routinier mit in die USA fährt. Sehr viel. Dass es in der Nationalmannschaft im vergangenen halben Jahr eher holprig lief, hatte auch mit seinem Fehlen zu tun. Kai Havertz gehört trotz mittlerweile 54 Länderspielen immer noch zu den Unterschätzten im DFB-Kosmos. Ausstrahlung ist nicht unbedingt sein zweiter Vorname, aber Havertz technische Möglichkeiten werden vom Bundestrainer hochgeschätzt. Bei der Heim-EM, als viele Medien vehement den Einsatz von Publikumsliebling Niclas Füllkrug forderten, blieb Julian Nagelsmann dabei, Havertz ins Sturmzentrum seiner Anfangself zu stellen. Und bekam recht: Der Arsenal-Profi gehörte zu den Besten. Im gerade vergangenen Jahr bremsten ihn Verletzungen fast komplett aus, er hat aber jetzt ein halbes Jahr Zeit, wieder in Form zu kommen. Normalerweise sollte das ausreichen. WM-Chance: Ein fitter Havertz dürfte in der WM-Startformation seinen Platz haben. Sieben Tore in 17 Premier-League-Spielen, dazu ein Treffer in der Champions League – Nick Woltemades Start bei Newcastle United darf sich sehen lassen. Ob er damit die Ablöse von 75 Millionen Euro rechtfertigt, die die Engländer im Sommer an den VfB Stuttgart überwiesen, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich ist diese Summe ohnehin eher Ausdruck des Marktes als des Spielers. Benjamin Šeško wechselte für ähnlich viel Geld von Leipzig zu Manchester United. In 16 Premier-League-Spielen traf er zweimal. Woltemades Durchbruch im DFB-Trikot ist aber noch auffälliger. Während die DFB-Auswahl in der WM-Qualifikation über weite Strecken stockte, war Woltemade da, als es zählte: das Siegtor beim 1:0 in Nordirland, beide Treffer beim umkämpften 2:0 in Luxemburg. Deutschland fährt vor allem dank Woltemade ohne den Umweg Playoff zur WM. Dass der Stürmer zuletzt zweimal bei Newcastle auf der Bank blieb, sollte niemanden irritieren. In England wird zwischen Weihnachten und Neujahr durchgespielt, selbst Stammkräfte erhalten da Pausen. WM-Chance: Woltemade könnte bis zum Saisonende nur noch Joker bei Newcastle sein, und selbst dann würde dieser sehr besondere Angreifer mit seinen 1,98 Meter Körpergröße und feiner Technik mit zur WM fahren. Mitte Februar verlängerte der FC Bayern den Vertrag mit Jamal Musiala bis 2030, ein klares Zeichen, dass der Klub in dem Offensivspieler sein nächstes Aushängeschild sieht. Doch es folgte schnelle Ernüchterung: Nur zwei Bundesligatore gelangen Musiala seither. Wenig für einen, der in seiner Karriere einmal in dieselben Höhen wie Lionel Messi aufsteigen will. Allzu hart ins Gericht sollte man mit dem 22-Jährigen dennoch nicht gehen. Noch in der Saison 2024/2025 zog er sich einen Muskelbündelriss zu. Später, bei der Klub-WM, kam der nächste Rückschlag: Wadenbeinbruch, monatelange Reha. 2025 war ein Jahr zum Vergessen für Musiala. Nach eigenem Empfinden hätte er allerdings längst wieder auf dem Platz gestanden. Die erste Bewährungsprobe könnte am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg folgen, wenn die Bayern wieder in die Liga starten. Ein gesunder Musiala hebt jede Mannschaft an – den Rekordmeister genauso wie die deutsche Nationalelf, die sich in der WM-Qualifikation zuletzt schwertat, kompakte Gegner zu knacken. Nur: Wie schnell findet Musiala seinen Rhythmus wieder? Seit April steht er nicht mehr regelmäßig im Wettkampfmodus. WM-Chance: Solange keine weitere schwere Verletzung hinzukommt, wird Musiala bei der WM dabei sein. Ganz sicher. Auf der linken Bayern-Seite ist Luis Díaz gesetzt, rechts wirbelt Michael Olise, bleibt ein Platz in der Mitte der Bayern-Offensive. Zuletzt gehörte er Lennart Karl, 17 Jahre alt, hochtalentiert, erstaunlich unbekümmert. Fünf Scorerpunkte in 13 Bundesligapartien: Zahlen, die selbst im erfolgsverwöhnten München aufhorchen lassen. Karl hat sich mit einer Leichtigkeit in die Mannschaft gespielt, die im Hochleistungsfußball selten ist. Auf dem Platz wie vor den Kameras wirkt er unbeschwert, fast jugendlich naiv – ein Typ, der nicht zu viel nachdenkt, nicht grübelt, einfach spielt. Das ist eine Gabe. Doch Karls Aufstieg fiel auch in eine Phase, in der Musiala verletzt fehlte. Nun kehrt Musiala zurück. Was wird also aus Karl, wenn der Etablierte wieder seinen Platz beansprucht? Wie geht ein 17-Jähriger damit um, wenn er sich nach einem kometenhaften Herbst plötzlich fünf Spiele in Folge nur noch auf der Bank wiederfindet? Und was bedeutet das für seine WM-Chancen? Selbst mit Musiala bleibt der Bayern-Kader auffallend schmal. Der Klub kämpft noch auf allen Bühnen: Bundesliga, Pokal, Champions League. Karls Chancen auf weitere Minuten sind also alles andere als gering. Zumal München in der Liga rotieren dürfte, um Kraft zu sparen für das, was der Frühling noch bringen wird. WM-Chance: Karl ist aufregend, Karl ist selbstbewusst, Karl hat seine Chance während der Musiala-Abwesenheit genutzt. Und das alles beim FC Bayern. Er wird auch in der Rückrunde auf seine Minuten kommen und zur WM fahren. Es ist ein bisschen skurril, aber der Spieler, der bei Julian Nagelsmann schon am ehesten ausgebootet schien, hat derzeit vielleicht die sichersten Perspektiven, bei der WM dabei zu sein. Was Leroy Sané hat, diese Schnelligkeit, diese Fähigkeit zum Dribbling vom Flügel in die Mitte ziehend, gepaart mit Torgefahr, das hat in der DFB-Offensive so sonst niemand aufzuweisen. Er hat es nur viel zu selten nachgewiesen. Erst als der Bundestrainer den Druck auf Sané im vergangenen halben Jahr massiv erhöht hat, inklusive einer Nicht-Nominierung nach dem Sommer, scheint Sané verstanden zu haben. Bei den letzten Länderspielen des Jahres war er wieder mit von der Partie und zählte zu den Leistungsträgern. So wie Sané gegen die Slowakei in Leipzig aufspielte, gibt es keinen Zweifel, dass er in diese Mannschaft gehört. Sané spielt mittlerweile in der Türkei, das hatte Nagelsmann auch als einen Grund genannt, um seinen Verzicht auf Sané im September und Oktober zu begründen. Aber das war wohl damals schon nur ein vorgeschobenes Argument. WM-Chance: Wenn Sané das zeigt, was er kann, dann ist es egal, in welcher Liga er engagiert ist. Dann ist er ein Mann für die WM. Garantiert.