Datum05.01.2026 13:46
Quellewww.zeit.de
TLDREin Forschungsprojekt aus Halle und Dresden untersucht die Behandlung von Depressionen in der DDR anhand alter Patientenakten. An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Technischen Universität Dresden wird analysiert, wie Familien und Kollegen in therapeutische Prozesse involviert waren. Historikerinnen bemerken, dass in der DDR keine Standards für die Behandlung existierten und moderne Psychotherapie erst in den 1980er Jahren eingeführt wurde. Das Projekt umfasst auch die Auswertung von Gesetzen und medizinischen Fachbeiträgen aus dieser Zeit.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Mentale Gesundheit“. Lesen Sie jetzt „Forschungsprojekt zu Depressionen in der DDR startet“. Anhand Tausender alter Patientenakten wollen Forscher aus Halle und Dresden die Behandlung von Depressionen in der DDR analysieren. Das gemeinsame Projekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Technischen Universität Dresden (TU) nimmt dabei auch in den Blick, welche Rolle Familienmitglieder oder Arbeitskollegen bei der Therapie spielen sollten, wie die MLU mitteilte. In der DDR gab es demnach lange Zeit keine Standards zur Behandlung depressiver Menschen. Es habe an Medikamenten gefehlt, sagte Silke Satjukow, Historikerin an der MLU, die gemeinsam mit Florian Bruns von der TU das Projekt leitet. "Neuere Methoden wie die Psychotherapie wurden vereinzelt in den 1980er Jahren etabliert." Depressionen seien nicht mit dem Menschenbild des Staats vereinbar gewesen, so Satjukow: "In der DDR wurde ein Menschentyp propagiert, der höchste Leistungen und eine außerordentliche Motivation an den Tag legt. Dazu passten depressive Menschen mit Symptomen wie Traurigkeit und Antriebslosigkeit nicht." Die Behandlung wurde der Historikerin zufolge zur Gemeinschaftsaufgabe erklärt, das Umfeld der Betroffenen sollte helfen und im Alltag unterstützen. Für das Forschungsprojekt wertet das Team anonymisierte Akten der früheren Klinik für Psychiatrie und Neurologie der Universität Halle aus, die bis 1888 zurückreichen und für die DDR-Zeit vollständig vorliegen. Die Forscher wollen einen Überblick zu den behandelten Patienten und deren Hintergründen erstellen und dann die einzelnen Fälle detailliert aufarbeiten. Auch die Analyse entsprechender Gesetze und Direktiven der Regierung sowie wissenschaftliche Fachbeiträge aus DDR-Zeiten zur Behandlung depressiver Menschen fließen in die Forschung ein. © dpa-infocom, dpa:260105-930-500486/1