Datum05.01.2026 12:49
Quellewww.zeit.de
TLDREin mutmaßlicher Anschlag auf das Berliner Stromnetz hat seit Samstag zehntausende Haushalte im Südwesten ohne Strom gelassen. Während einige Haushalte bereits wieder mit Elektrizität versorgt werden, wird es voraussichtlich bis Donnerstag dauern, bis alle betroffenen Haushalte wieder angeschlossen sind. Das Stromnetz ist stark beschädigt, weshalb aufwendige provisorische Lösungen notwendig sind. Kritisiert wird zudem, dass Berlins Katastrophenschutz schlecht auf solche Notfälle vorbereitet ist. Wirtschaftssenatorin Giffey betont hingegen, dass die Stadt nach dem Anschlag Verbesserungen umgesetzt hat.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Notlage in Berlin“. Lesen Sie jetzt „Bis Donnerstag ohne Strom? Darum dauert es so lang“. Wegen eines mutmaßlichen Anschlags auf das Berliner Stromnetz sitzen seit Samstagabend Zehntausende Berlinerinnen und Berliner im Südwesten der Hauptstadt in kalten und dunklen Wohnungen. Die Instandhaltungsarbeiten laufen auf Hochtouren. In vielen Haushalten konnte der Strom bereits wieder hergestellt werden. Trotzdem wird es wohl bis Donnerstag dauern, bis alle wieder mit Elektrizität versorgt sind. Warum es so lange dauert und was das mit dem Berliner Stromnetz zu tun hat. Das hängt mit dem Ausmaß der Schäden und der Komplexität der provisorischen Lösung zusammen. Fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel seien bei dem mutmaßlichen Anschlag stark beschädigt worden, heißt es vom Stromnetzbetreiber Berlin. Derzeit gehen die Verantwortlichen davon aus, dass alle Kabel ersetzt werden müssen. Das könne mehrere Wochen oder sogar Monate dauern, sagte Stromnetz-Sprecher Henrik Beuster. Deshalb arbeitet das Unternehmen an einer provisorischen Lösung: Zwei Leitungen mit besonders großer Transportkapazität sollen am Umspannwerk Dahlem miteinander verbunden werden. Die Arbeiten lägen im Zeitplan, seien aber aufwendig und bräuchten daher noch bis Donnerstag, betonte Beuster. Es müssten Arbeitstemperaturen von mehr als 0 Grad hergestellt werden. Auch technisch ist der Vorgang komplex, weil die beiden Kabel mit unterschiedlichen Materialien ausgestattet seien. Das hängt dem Unternehmen zufolge damit zusammen, dass fortlaufend sogenannte Mittelspannungskabel miteinander verbunden werden. Über sie könne Strom aus anderen Stadt- und Ortsteilen direkt zu den Ortsnetzstationen und Haushalten transportiert werden. Rund 15.000 Haushalte seien auf diesem Wege wieder angeschlossen worden, sagte Beuster. Das bleibt abzuwarten, denn die Kapazitäten in anderen Teilen des Netzes sind begrenzt. Er sei aber zuversichtlich, dass seine Kolleginnen und Kollegen noch kreative Lösungen fänden, um viele weitere Haushalte vorzeitig wieder anzuschließen, betonte der Stromnetz-Sprecher. Schon jetzt seien alle Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser wieder mit Strom versorgt. Spätestens Donnerstag soll das auch für sämtliche Haushalte und Betriebe der Fall sein. Stromnetze sind in der Regel redundant, verfügen also über parallele Verbindungen, über die der Strom im Falle eines Ausfalls alternativ transportiert werden kann. Auch an der nun betroffenen Stelle im Berliner Stromnetz habe es Redundanzen gegeben, betonte Beuster. "Ansonsten wäre das Ausmaß noch um ein Vielfaches größer gewesen." Nur aufgrund von Redundanzen im Netz sei es zudem nun möglich, kurzfristig Kunden aus anderen Teilen des Netzes zu versorgen. Der Landesrechnungshof in Berlin hat in seinem jüngst vorgestellten "Jahresbericht 2025" scharfe Kritik am Senat geübt. "Die Berliner Katastrophenschutzbehörden sind organisatorisch und personell nicht ausreichend auf Katastrophen und Großschadensereignisse", heißt es darin. Der Landesrechnungshof bemängelt, die Zuständigkeiten seien weitgehend ungeklärt. Berlin sei im Ernstfall nicht handlungsfähig. Viele der gut drei Dutzend Katastrophenschutzbehörden hätten weder Gefährdungsanalysen noch Krisenstäbe oder funktionierende Katastrophenschutzpläne vorzuweisen. Auch von dem geplanten flächendeckenden Netz an Krisen-Anlaufstellen sei Berlin weit entfernt. "Nur circa 25 Prozent der geplanten Stützpunkte dieses "Leuchtturm-Systems" sind einsatzbereit", kritisiert der Landesrechnungshof. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonte am Morgen hingegen, dass Berlin nach dem Anschlag auf die Berliner Stromversorgung im September nachgebessert habe. "Es gab festgelegte Abläufe", sagte sie im RBB-Inforadio mit Blick auf die aktuellen Maßnahmen. "Wir können sagen, dass das, was wir dort in diesem Programm für die Resilienz der Stromversorgung entschieden und geplant haben, auch jetzt umgesetzt wird und auch funktioniert." © dpa-infocom, dpa:260105-930-500080/1