Datum05.01.2026 12:29
Quellewww.zeit.de
TLDRDonald Trump droht mehreren Ländern nach der US-Attacke auf Venezuela, darunter Kolumbien und Iran. Er kritisiert Kolumbien für Drogenproduktion und erwägt militärische Maßnahmen, ähnlich wie gegen den Iran, falls das Regime weiterhin Proteste brutal niederschlägt. Trump äußerte auch mögliche Interventionen gegen Kuba und stellte Mexikos Autorität in Frage. Zudem betont er die strategische Bedeutung Grönlands, was Dänemarks Regierung und andere skandinavische Staatsoberhäupter veranlasste, seine Äußerungen scharf zu kritisieren.
InhaltNach dem Angriff auf Venezuela bedroht Trump Kolumbien, Außenminister Marco Rubio stellt Kuba als mögliches Ziel dar. Auch auf Europa legen die USA erneut ihr Augenmerk. Mit der Gefangennahme und Entführung des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro haben die USA binnen einer Nacht Venezuelas Regime zerschlagen – und drohen Maduros Nachfolgerin Delcy Rodríguez eine Wiederholung der Attacke an, falls sie nicht kooperiert. Äußerungen von Donald Trump lassen jedoch darauf schließen, dass er sich mit Venezuela nicht zufriedengeben will: Wenige Tage vor dem Angriff drohte der US-Präsident dem Regime in Teheran, kurz nach der Attacke auf Venezuela dem Nachbarland Kolumbien. Und auch weitere Länder sollen sich laut Äußerungen Trumps oder von Mitgliedern seiner Regierung in Acht nehmen. Ein Überblick zu Trumps Drohungen – und den Reaktionen auf sie Dem venezolanischen Staatschef Maduro will Trump in New York wegen Drogenhandels den Prozess machen. Doch das wichtigste Ursprungsland etwa für Kokain ist Kolumbien – ein Staat, dem der US-Präsident auf dieser Grundlage nun ebenfalls Gewalt androht. Das Land werde von einem "kranken Mann" regiert, der es liebe, "Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen", sagte Trump. Den Namen des kolumbianischen Staatschefs Gustavo Petro nannte er dabei nicht – warnte jedoch, dieser werde es "nicht mehr lange machen". Auf die Nachfrage einer Journalistin an Bord seines Regierungsflugzeugs, ob ein Militäreinsatz infrage komme, antwortete Trump: "Das klingt gut für mich." Petro hatte kurz nach Beginn der US-Attacke auf Venezuela von einer militärischen Aggression gegen das Nachbarland sowie die Souveränität Lateinamerikas gesprochen und forderte den UN-Sicherheitsrat zu Beratungen darüber auf. Derzeit bereitet sich Kolumbien laut Petro auf einen "massiven Zustrom von Flüchtlingen" vor. Laut Berichten kolumbianischer Medien ließ Petro entlang der mehr als 2.200 Kilometer langen Grenze 30.000 Soldaten stationieren – Verteidigungsminister Pedro Sánchez Suárez zufolge, damit bewaffnete Gruppen im Grenzgebiet die Destabilisierung Venezuelas nicht für eigene Angriffe ausnutzten. Auf die Drohung Trumps gegen ihn reagierte Staatschef Petro mit demonstrativer Entschlossenheit: Die USA würden "den Volksjaguar entfesseln", falls US-Truppen auch ihn festnehmen würden, sagte Petro. "Jeder Soldat in Kolumbien hat ab sofort einen Befehl: Jeder Kommandant der Sicherheitskräfte, der die Flagge der USA der Flagge Kolumbiens vorzieht, wird auf Befehl der Basis, der Truppe und mir sofort aus der Institution entlassen." Gegen den Iran war Donald Trump bereits in seiner ersten Amtszeit vorgegangen, etwa mit der von ihm angeordneten Tötung des mächtigen Generals Kassem Soleimani Anfang 2020. Bereits wenige Monate nach Beginn seiner zweiten Amtszeit unterstützte Trump Israel im Luftkrieg gegen den Iran und ließ iranische Atomanlagen bombardieren. Anlässlich der jüngsten Proteste gegen das iranische Regime, bei denen es mehrere Tote gegeben hat, drohte der US-Präsident dem Iran kurz nach dem Jahreswechsel weitere Angriffe an. Sollte das Regime weitere Demonstrierende erschießen, würden die USA ihnen zur Hilfe eilen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social: "Wir stehen Gewehr bei Fuß und sind bereit." Wenige Tage später sagte er erneut, das Regime in Teheran könne "von den Vereinigten Staaten sehr hart getroffen werden". Ende Dezember hatte Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Florida empfangen und ihm dabei militärische Unterstützung im Fall einer weiteren Eskalation zugesagt: Sollte der Iran sein Atomprogramm wiederaufbauen, würden die USA das Regime "zu Fall bringen", sagte Trump. Iranische Regierungsvertreter reagierte ihrerseits mit Drohungen: Die USA sollten "auf ihre eigenen Soldaten aufpassen", schrieb der Sekretär des Obersten Sicherheitsrats des Irans, Ali Laridschani, auf der Plattform X. Der Iran unterstützt im Nahen Osten mehrere bewaffnete Gruppen, die in der Vergangenheit US-Militärstützpunkte angegriffen haben. Trumps Außenminister Marco Rubio, ein Sohn von Exilkubanern, positioniert sich bereits seit Jahren als Gegner der autoritären sozialistischen Führung in Havanna. Kurz nach dem Angriff auf Venezuela war es Rubio, der öffentlich mutmaßte, Kuba könne das nächste Ziel einer US-Intervention werden. Die Regierung in Kuba sei ein "riesiges Problem", sagte er dem US-Sender NBC News. Konkrete militärische Schritte kündigte Rubio nicht an, ergänzte jedoch: "Es ist kein Geheimnis, dass wir keine großen Fans des kubanischen Regimes sind", sagte er. "Wenn ich in Havanna leben und der Regierung angehören würde, wäre ich zumindest ein wenig beunruhigt." Gegen Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel haben die USA bereits im Juli Sanktionen verhängt, die Rubio damals mit "Brutalität des Regimes gegen das Volk" begründete. In Trumps erster Amtszeit hatte der US-Präsident Kuba erneut auf die Terrorliste gesetzt, von der sein Vorgänger Barack Obama das Land nach 33 Jahren gestrichen hatte. Vom US-Angriff auf Venezuela ist Kuba ohnehin betroffen. Laut der Regierung in Havanna sollen US-Spezialkräfte 32 Kubaner getötet haben, die auf Bitte Venezuelas zum Schutz des dortigen Regimes nach Caracas entsandt worden waren. Auch Trump sprach von "vielen" bei dem Angriff getöteten Kubanern. Trotz der Äußerungen Rubios distanzierte sich Trump am Sonntag allerdings von Mutmaßungen, seine Regierung plane einen Angriff auf Kuba. "Ich glaube nicht, dass wir etwas unternehmen müssen", sagte Trump. Ohne die Unterstützung Venezuelas sähe es so aus, "als würde (Kuba) untergehen". Das Land werde "ganz von selbst fallen". Zu den zentralen Wahlkampfversprechen Trumps gehörte der Kampf gegen irreguläre Einwanderung über die Südgrenze der USA – also die Grenze zu Mexiko. Der Republikaner macht den südlichen Nachbarstaat dafür verantwortlich, dass Migranten Mexiko als Transitland nutzen, um in die USA zu gelangen. Ähnlich wie im Fall Venezuelas kritisierte Trump zudem mehrfach eine vermeintlich zu lasche Politik der mexikanischen Regierung gegenüber der Drogenkriminalität in dem Land. Nur wenige Stunden nach der Gefangennahme Maduros stellte Trump die Autorität der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum infrage, die Einsätze von US-Kräften gegen Drogenkartelle in Mexiko abgelehnt hatte. "Sie regiert Mexiko nicht, das tun die Kartelle", sagte Trump. "Wir müssen mit Mexiko etwas tun." Anfang Dezember hatte der US-Präsident Sheinbaum erstmals persönlich getroffen – und dabei noch von einem guten Verhältnis gesprochen, unter anderem mit Blick auf die Fußball-WM im Sommer, die in Kanada, den USA und Mexiko ausgetragen wird. "Die Koordination, die Freundschaft und die Beziehung" mit Mexiko seien "hervorragend". Auch Sheinbaum äußerte sich positiv über das Treffen. Die mexikanische Präsidentin versucht, die von der US-Zollpolitik bedrohten Handelsbeziehungen zu den USA aufrechtzuerhalten. Schon kurz nach Beginn seiner zweiten Amtszeit kündigte Trump an, die als autonomes Gebiet zu Dänemark gehörende Insel Grönland unter US-Kontrolle stellen zu wollen. Nach der Attacke auf Venezuela bekräftigte der US-Präsident dieses Ziel: "Wir brauchen Grönland, absolut", sagte er dem Magazin The Atlantic. Die Insel sei "umzingelt von russischen und chinesischen Schiffen" und wichtig für die Sicherheit der USA. Zuvor hatte die Ehefrau des nationalistischen Trump-Beraters Stephen Miller mit einem Beitrag auf X für Kritik in Dänemark gesorgt. Sie veröffentlichte das Bild einer Karte von Grönland in den Farben der US-Flagge, und schrieb dazu in Großbuchstaben: "Bald". Ende Dezember ernannte Trump mit dem republikanischen Politiker Jeff Landry einen Sondergesandten für Grönland, der es als sein Ziel bezeichnete, "Grönland zu einem Teil der USA zu machen". Die jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten lösten harte Kritik in Dänemark, Grönland und mehreren skandinavischen Staaten aus. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen sprach von "Drohungen", die "keinen Sinn" ergäben. Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen bezeichnete Trumps Äußerungen als "respektlos". Die Staats- und Regierungschefs Schwedens, Finnlands und Norwegens stellten sich hinter die Regierung in Kopenhagen. Trumps Drohungen gegenüber Grönland sind besonders brisant, da er dabei die territoriale Integrität eines Nato-Verbündeten infrage stellt.