Gustavo Petro: Kolumbiens Präsident weist Drohungen Trumps zurück

Datum05.01.2026 11:44

Quellewww.zeit.de

TLDRKolumbiens Präsident Gustavo Petro hat die Drohungen von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen und bezeichnete sie als "illegitim". Er warnte vor schwerwiegenden Konsequenzen, sollte es zu einem militärischen Vorgehen gegen ihn kommen. Trump hatte Kolumbien beschuldigt, unter einem "kranken Mann" zu leiden und drohte mit militärischen Maßnahmen, zuvor hatte er bereits Venezuela angegriffen. Petro wies die Drogenvorwürfe zurück und forderte Loyalität von den Sicherheitskräften, während die USA eine aggressive Militärpolitik in der Region verfolgen.

InhaltSollten die USA auch ihn gefangennehmen, werde Kolumbien den "Volksjaguar" entfesseln, warnt Gustavo Petro. Unterdessen droht Trump auch Mexiko, Iran, Kuba und Grönland. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro hat die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump als "illegitim" zurückgewiesen. Er werde die Drohungen genau prüfen, schrieb Petro auf X. Für den Fall eines Vorgehens gegen ihn selbst warnte er vor schwerwiegenden Folgen: "Sollten sie den Präsidenten festnehmen, den ein Großteil meines Volkes schätzt und respektiert, werden sie den Volksjaguar entfesseln." Gemeint ist die größte Raubkatze Lateinamerikas, die in Regenwäldern Kolumbiens beheimatet ist. Trump hatte zuvor angedeutet, nach dem völkerrechtswidrigen Militäreinsatz in Venezuela nun auch gegen Kolumbien vorgehen zu wollen. Das Land werde von einem "kranken Mann" regiert, der es liebe, "Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen", sagte der US-Präsident. Auf die Frage einer Journalistin, ob es einen Militäreinsatz gegen Kolumbien geben werde, antwortete Trump: "Das klingt für mich gut."  Petro wies die Vorwürfe zurück, Kolumbien unternehme zu wenig gegen den Drogenhandel. Er verwies auf große Kokainbeschlagnahmen und Einsätze gegen bewaffnete Gruppen. "Ich bin weder illegitim noch ein Drogenhändler", schrieb er auf X. Zugleich rief der Staatschef die Sicherheitskräfte zur Loyalität auf: "Jeder Kommandant der Sicherheitskräfte, der die Flagge der USA der Flagge Kolumbiens vorzieht, wird sofort aus der Institution entlassen." Der Befehl an die Streitkräfte laute, "nicht auf das Volk zu schießen, sondern auf den Angreifer". In der Nacht auf Samstag hatten US-Truppen bei einem groß angelegten Militäreinsatz Ziele in Venezuela angegriffen, Staatschef Nicolás Maduro und dessen Frau entführt und nach New York gebracht. Der Angriff auf einen souveränen Staat ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats stellt einen klaren Bruch des Völkerrechts dar. Auch die nach US-Recht notwendige Genehmigung durch den Kongress hatte Trump nicht eingeholt. Die USA wollen die Kontrolle über Venezuela "auf unbestimmte Zeit" übernehmen, US-Ölkonzerne sollen in dem Land aktiv werden. Im Laufe des Tages soll Maduro einem Bundesrichter in New York vorgeführt und unter anderem wegen "Verschwörung zum Drogenterrorismus" angeklagt werden. Belege für die Anschuldigungen liegen nicht vor. Laut dem jüngsten Weltdrogenbericht der UN spielt Venezuela beim Handel mit illegalen Substanzen keine bedeutende Rolle. Dem Angriff ging eine monatelange Eskalation voraus. Seit August drohte die US-Regierung wiederholt mit militärischem Vorgehen und zog Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Truppen in der Region zusammen. Ab September griffen US-Streitkräfte Boote in der Karibik und im Ostpazifik an, die nach US-Angaben zum Drogenschmuggel genutzt wurden. Bei mehr als 30 solcher Angriffe wurden nach offiziellen Angaben mindestens 115 Menschen getötet. Beweise, dass sich auf den Booten tatsächlich Drogen befanden, legte die US-Regierung nicht vor. Trump drohte auch anderen Ländern. So stellte er die Autorität von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum infrage und deutete mögliche Maßnahmen gegen den Iran und Kuba an. Zudem bekräftigte er seine territorialen Ansprüche auf das dänische Autonomiegebiet Grönland. Die USA haben eine lange Geschichte von Interventionen und Regierungsstürzen. In Lateinamerika zählen zu den bekanntesten Fällen die CIA-gestützten Putsche in Guatemala 1954, Brasilien 1964 und Chile 1973 sowie die Invasion Panamas 1989. Anders als vor der ebenfalls völkerrechtswidrigen Invasion des Irak versuchten die USA im Falle Venezuelas nicht, ein Mandat des UN-Sicherheitsrats zu erlangen. Alle Entwicklungen zum US-Angriff auf Venezuela lesen Sie in unserem Liveblog.