Sahelanthropus tchadensis: Der Vormensch war schon vor sieben Millionen Jahren aufrecht unterwegs

Datum05.01.2026 11:42

Quellewww.spiegel.de

TLDREin US-Forschungsteam hat herausgefunden, dass der Vormensch Sahelanthropus tchadensis bereits vor sieben Millionen Jahren aufrecht gehen konnte. Durch die Analyse von Knochen, die Ähnlichkeiten zu Homininen zeigen, bekräftigen die Forscher, dass dieser Vorfahre sich zu Fuß und wahrscheinlich auch in Bäumen fortbewegte. Die Merkmale deuten auf frühe Anpassungen an den aufrechten Gang hin, wobei die Evolutionsprozesse schrittweise verliefen. Ob Sahelanthropus ein direkter Vorfahr des Menschen war, bleibt unklar.

InhaltDer aufrechte Gang gilt als eine zentrale Weichenstellung in der Menschheitsgeschichte. Nun gibt es neue Erkenntnisse dazu, wann unsere Urahnen das Laufen lernten. Bereits vor sieben Millionen Jahren bewegten sich frühe Verwandte der Menschen auf zwei Beinen. Ein US-Team kommt aufgrund von neuen Knochenanalysen zu dem Schluss  , dass der Vormensch Sahelanthropus tchadensis dazu in der Lage war – und bekräftigt damit frühere Erkenntnisse. Sahelanthropus tchadensis gilt gemeinhin als frühester bekannter Hominine – er lebte den Studienangaben zufolge vor 6,7 bis 7,2 Millionen Jahren. Bereits nach dem Fund eines Schädelknochens und von Zähnen in der Djurab-Wüste im nördlichen Tschad 2001 schlossen Forscher aus der Stelle, an der die Wirbelsäule im Schädel verankert ist, dass sich dieser Vormensch auf zwei Beinen fortbewegte. Zu den Homininen zählen die Forschenden den Menschen und seine ausgestorbenen Verwandten. 2022 präsentierten Wissenschaftler aus Frankreich und dem Tschad dann Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Nature"  auf Basis der Untersuchung zweier Unterarm- und eines Oberschenkelknochens. Die Beschaffenheit des Oberschenkelknochens weise darauf hin, dass sich der Vormensch üblicherweise auf zwei Beinen am Boden bewegte, aber auch in Bäumen unterwegs war. Diese Interpretation wurde jedoch infrage gestellt, da die Beinknochen des Vormenschen jenen von Schimpansen ähnelten, wie das Forscherteam um Scott A. Williams von der New York University in der neuen Studie erläutert. Die Forschenden prüften die Knochen daher erneut. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass die beiden Gliedmaßenknochen zwar in Größe und geometrischer Form am ehesten denen von Schimpansen (Gattung Pan) ähneln, ihr relatives Verhältnis jedoch eher dem von Homininen entspricht", heißt es in der Studie, die in der Zeitschrift "Science Advances" veröffentlicht wurde. S. tchadensis besaß im Verhältnis zu seinem Unterarmknochen einen relativ langen Oberschenkelknochen, wie die Universität erläutert – ein Hinweis auf aufrechten Gang. Außerdem fanden die Wissenschaftler unter anderem einen Höcker am Oberschenkelknochen – "ein Merkmal, das nur bei zweibeinigen Homininen vorkommt". Das Team um Williams schließt daraus: "Zusammengenommen deuten diese Merkmale auf eine homininenähnliche Hüft- und Kniefunktion bei S. tchadensis hin. Sie könnten einige der frühesten Anpassungen an den aufrechten Gang in der Homininenlinie darstellen." Allerdings betont das Team auch: "Wir betrachten die Evolution des aufrechten Gangs als einen Prozess", der sich nicht plötzlich einstellte, sondern im Laufe der Evolution zunehmend stattfand. Der Vormensch Sahelanthropus könnte in diesem Prozess gewohnheitsmäßig, aber nicht dominant einen aufrechten Gang gehabt haben. In den Bäumen nutzte er wahrscheinlich auch die Fortbewegung auf allen Vieren oder hangelte sich mit den Vorderbeinen entlang – was beim heutigen Menschen die Hände sind. Ob er ein Vorfahr in der direkten Linie zum Menschen war oder ein Verwandter, der zu einem Seitenzweig gehörte, sei noch unklar, ergänzte Williams auf Anfrage.