Datum05.01.2026 08:01
Quellewww.spiegel.de
TLDRNiedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi fordert eine Garantie für Facharzttermine innerhalb von vier Wochen. Geplant ist, dass Patienten zunächst zum Hausarzt gehen, der die Patientenströme steuert. Bei Überschreitung der Frist sollen Patienten einen Termin im Krankenhaus erhalten, ausgenommen Gynäkologen und Augenärzte. Philippi möchte auch die Arztkontakte für chronisch Kranke reduzieren und digitale Anamnese fördern, um die Effizienz im Gesundheitssystem zu erhöhen. Er vergleicht die hohe Arztbesuchsrate in Deutschland mit anderen Ländern und empfiehlt den Einsatz von Telemedizin.
InhaltDas lange Warten auf einen Facharzt soll bald ein Ende haben: Was dafür nach Überzeugung von Niedersachsens Gesundheitsminister Philippi passieren muss. Patienten sollen demnächst schneller einen Termin beim Facharzt bekommen, indem sie zuerst zum Hausarzt gehen – diesen Plan der Bundesregierung unterstützt Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi. "Das lange Warten auf einen Facharzttermin muss ein Ende haben", sagte der SPD-Politiker, der dieses Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz innehat. "Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln – mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen", erklärte der Minister. "Wenn dies länger als vier Wochen dauert, sollen die Patientinnen und Patienten einen Termin im Krankenhaus bekommen." Ausgenommen wären Gynäkologen und Augenärzte. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund, den Philippi mit ausgehandelt hat, spricht in dem Zusammenhang von einer Termingarantie. Der Minister will außerdem die Arztkontakte von chronisch Kranken reduzieren, denen es ansonsten gut geht. "Wenn jemand zum Beispiel Bluthochdruck hat und regelmäßig Tabletten benötigt, dann muss er bisher jedes Quartal zum Arzt. Das kostet Zeit. Hausärzte sollten die Tabletten künftig per Jahresverordnung verschreiben können", sagte er. Die Menschen in Deutschland gingen im Schnitt drei bis viermal häufiger zum Arzt als in Schweden oder Dänemark. Das hänge mit der Steuerung der Patientinnen und Patienten zusammen. "Viele Krankheitsbilder, die auch digital per Telemedizin gelöst werden können, finden hier immer noch im persönlichen Kontakt statt", sagte Philippi. In Dänemark etwa komme es bei leichten bis mittleren Beschwerden erst zum persönlichen Austausch, wenn die Schmerzen länger anhielten oder die empfohlenen Medikamente nicht zu einer Besserung führten. "Das führt dazu, dass die Praxen und Notfallambulanzen dort nicht so voll sind wie bei uns." Philippi richtete auch einen Appell an die Ärzteverbände: Es wäre gut, wenn diese sich trauen würden, die Möglichkeiten der digitalen Anamnese stärker zu nutzen, sagte er. "Es gibt Algorithmen, mit denen Beschwerden angegeben und dann über KI-gesteuerte Anamnesebögen sehr genau herausgefiltert werden können." Das zeige, ob ein Besuch in einer Praxis wirklich erforderlich sei. "Das spart den Ärztinnen und Ärzten viel Zeit", sagte Philippi.