Datum05.01.2026 07:42
Quellewww.spiegel.de
TLDRVerbraucherzentralen warnen vor wachsenden Problemen bei Barzahlungen, da die Akzeptanz von Bargeld in Geschäften, Gastronomie und Behörden sinkt. Dies könnte insbesondere Kindern und älteren Menschen den Zugang zur Gesellschaft erschweren. Verbraucherschützer fordern, dass auch neue Technologien Bargeldzahlungen ermöglichen müssen. Trotz der Beliebtheit von Bargeld in Deutschland lag der Anteil der Barzahlungen 2023 bei 51 Prozent, ein Rückgang gegenüber 2021. Eine Umfrage zeigt, dass 30 Prozent der Befragten in den letzten sechs Monaten nicht bar bezahlen konnten.
InhaltBargeld kommt aus der Mode. Kein Wunder denn Handy oder Kreditkarte machen den Vorgang extrem viel einfacher. Verbraucherschützer sorgen sich aber um diejenigen, die da nicht mitmachen können. Die Verbraucherzentralen warnen vor zunehmenden Problemen, Alltagskäufe in Geschäften und anderen Einrichtungen bar zu bezahlen. Die Finanzexpertin des Bundesverbands, Dorothea Mohn, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Die Akzeptanz von Bargeld für Zahlungen im Handel, der Gastronomie und für öffentliche Verwaltungsleistungen sinkt kontinuierlich." Für Verbraucherinnen und Verbraucher führe das zu Konflikten und mehr Aufwand. Etwa Kindern und Älteren drohe ein Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe. Konkret fordern die Verbraucherschützer, dass auch bei neuen Technologien Barzahlungen möglich sein müssten und nicht erschwert werden dürften – etwa bei SB-Kassen und Automaten für Parkscheine oder für Tickets von Bussen und Bahnen. "Dies muss durch eine Quote von Bargeld annehmenden Ticketautomaten, Selbstbedienungskassen oder besetzten Bedienkassen je Geschäft erreicht werden", heißt es in einem Forderungspapier des Verbands. Ausnahmen von der Bargeldakzeptanzpflicht müssten "gesetzlich festgelegt, eng gefasst und gut begründet werden", verlangen die Verbraucherzentralen. Gerechtfertigt sein könnten Ausnahmen etwa, "wenn der Nennwert des Geldscheins in einem deutlichen Missverhältnis zum zu zahlenden Betrag steht oder Wechselgeld trotz sorgfältiger Planung nicht mehr verfügbar ist". Für Anbieter seien digitale Zahlungen bequem, da Diebstahlrisiken und der Aufwand mit Scheinen und Münzen reduziert würden. Für Kunden biete Bargeld aber viele Vorteile, die es zu bewahren gelte, mahnen die Verbraucherzentralen. Es schütze die Privatsphäre, ermögliche eine einfache Kontrolle der eigenen Ausgaben - und funktioniere immer, auch ohne Internet und Strom. Bei digitalen Zahlungen komme es immer wieder zu Problemen, beispielsweise weil das Kartenterminal nicht funktioniert oder eine Karte nicht akzeptiert wird. Traditionell ist Bargeld in Deutschland weiterhin beliebt, doch die Nutzung geht allmählich zurück. So wurden 2023 nach einer Bundesbank-Studie 51 Prozent der Bezahlvorgänge im Alltag bar beglichen – sieben Punkte weniger als bei einer Studie 2021. Nach einer im Dezember vorgelegten Untersuchung der Bundesbank akzeptieren Anbieter Bargeld immer noch nahezu flächendeckend. Bei 2000 Testkäufen in Einzelhandel, Gastronomie und bei Dienstleistern im Sommer war demnach in 98,7 Prozent der Fälle Barzahlung im ersten Anlauf möglich, bei 0,7 Prozent auf Rückfrage oder an anderen Kassen. Bei Stichproben in Behörden etwa beim Ausstellen von Ausweisen habe sich aber gezeigt, dass Barzahlungen nicht immer möglich sind – in acht von 30 Fällen sei das nicht gegangen, erläuterte die Bundesbank. Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigen sich dagegen bereits breitere Probleme. So gaben 30 Prozent an, im vergangenen halben Jahr in einem Café oder Geschäft vor der Situation gestanden zu haben, nicht bar bezahlen zu können, weil dies nicht möglich war – nicht in einer solchen Situation waren demnach 67 Prozent. Befragt wurden den Angaben zufolge vom Institut Eye Square vom 21. bis 30. Oktober 1000 Menschen ab 16 Jahren, allerdings nur bezogen auf Personen, die das Internet nutzen.